„Passengers“ mit Chris Pratt und Jennifer Lawrence zählte zu den meisterwarteten Filmen dieses Filmjahres. Die Reaktionen darauf waren enttäuschend bzw. gespalten: Zu wenig sei aus der interessanten „Ausgangslage“ (den Prämissen des Drehbuches) gemacht worden, zu „glatt“ das Ende (klassisches Hollywoodmärchen). Diesen Einschätzungen ist größtenteils zuzustimmen.

Das Raumschiff Avalon befindet sich auf der 120-jährigen Reise von der Erde zu „Homestead 2“, einer „Auswandererkolonie“ auf einem Planeten in einer anderen Galaxie. An Bord befinden sich ca. 300 Crewmitglieder, und 5000 Passagiere, die im Tiefschlaf auf den Beginn ihres „neuen“ Lebens warten. Durch einen technischen Defekt erwacht Jim Preston (Chris Pratt) zu früh aus seinem Dornröschenschlaf, und findet sich auf einem verlassenen Schiff wieder – weil ja alle anderen noch schlafen. Die einzige „Ansprechperson“ ist ein Barkeeper-Roboter, der ihm die endlose Zeit mit Drinks versüßt.
Alles Mögliche versucht er, um jemanden über seine Lage zu informieren, sein einsames Leben erträglicher zu gestalten- alles vergeblich. Nach einem Jahr alleine auf dem Schiff, ohne zwischenmenschlichen Kontakt, ohne Hoffnung auf Veränderung der Lage, spielt Jim mit dem Gedanken, einen anderen Passagier aufzuwecken; genau genommen: Eine andere Passagierin.

Wie gesagt, die Ausgangslage dieses Films klingt ja höchst interessant. Sofort kommen einem die moralische Implikationen in den Sinn, die dieses „Setting“ bietet: Ist es purer Egoismus, daran zu denken, in das Leben eines anderen einzugreifen, um das eigene Dasein erträglicher zu machen? Wo beginnt, wo endet die Freiheit des Individuums? Wer steuert das Schicksal?
In „Passengers“ werden diese Fragen nur oberflächlich angeschnitten. In der zweiten Hälfte wandelt sich, was existentialistischer Sci-Fi-Film hätte sein können, zu einer mainstreamigen Hollywood-Lovestory, die nicht schlecht erzählt ist – allerdings auch langweilig. Darin liegt auch der größte Vorwurf, den man „Passengers“ machen muss: Nicht genug aus dem Potential gemacht zu haben.
Dazu kommen Drehbuchschwächen, die sich auch vor Allem in der zweiten Hälfte zeigen. An der Regie ist nichts auszusetzen, hervorzuheben aber auch nichts. Das Endresultat ist nicht schlecht, die Story wird gut zu Ende erzählt, usw. Schade um den Film ist es dennoch, um die vertanen Möglichkeiten, die diese Geschichte zweifelsohne geboten hätte.

„Passengers“ ist also ein solider Science-Fiction-Film, der in der ersten Hälfte durchaus vermag, Interesse zu wecken, und zu unterhalten, in der zweiten Hälfte aber leider den Mut verliert, und allzu brav zu Ende erzählt wird. Sehenswert dennoch, alternativ sind aber „2001“, „Sunshine“ oder „Der Marsianer“ empfohlen, alles thematisch ähnliche Werke, die aber besser sind.

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