Ende der 80-er kam ein neues „Genre“ auf, das sich gegen die zunehmende Kommerzialisierung des Blockbuster-Kinos wendete: Der Independent-Film.

Es waren meist kleine, selbstfinanzierte Produktionen, die abseits der großen Filmstudios entstanden, und das Fehlen finanzieller Mittel oft durch umso größere Kreativität und Einfallsreichtum wettmachten.

In den 90-ern bzw. frühen 00-er Jahren gelangte der „Indepentent“-Film zu seinem Höhepunkt, bevor auch er von diversen Subkulturen („Hipster“-Kultur) vereinnahmt und zunehmend kommerzialisiert wurde. Heute gibt es den „Independent“-Film als Label, der bestimmte Erwartungen bei einem vorbestimmten Publikum weckt, sie erfüllt, und sich wunderbar vermarkten lässt. Wer unter heutigen Produktionsbedingungen noch eigenständiges, widerständiges, anderes Kino machen will, muss schon äußerst kreativ sein.

Wir widmen uns nun einem kurzen Rückblick in die 90-er und 00-er Jahre, als das Independent-Kino noch wirklich independent war:

Hier also eine kleine Auswahl von 6 empfehlenswerten Filmen:

  1. „What´s eating Gilbert Grape“ (1993) – Lasse Hallström

gilbert

Dies ist ein wirklich sehenswertes, liebevolles, kleines Independent-Drama mit einem jungen Johnny Depp und einem noch viel jüngeren Leonardo Di Caprio in einer seiner ersten Rollen. Die Tragik-Komödie , die das ereignislose, aber in seiner Einfachheit schöne Leben in einem verlorenen Ort in Iowa zeigt, entwickelt geradezu spirituelle Qualitäten.

Regie führte Lasse Hallström, der mit „Gottes Werk und Teufels Betrag“ und „Chocolat“ auch danach noch einige sehr interessante Kleinfilmproduktionen schuf.

 2. „Leaving Las Vegas“ (1995) – Mike Figgis

gallery-1445974687-leaving-las-vegas-1

Der klassische Independent-Streifen: Wenig Budget, keine Effekte, viel Dialog und 2 Schauspieler in Bestform. Nicolas Cage gibt in diesem tod-traurigen Streifen einen Alkoholiker, der Alles verloren hat, und sich auf nach Vegas macht, um sich zu Tode zu saufen. Dort begegnet er der Prostituierten Sera, mit der er einige (letzte?) wunderschöne Tage verbringt… Tieftraurig und wunderschön.

Ebenso bedrückend wie der Film ist die wahre Geschichte dahinter: John O´Brien, der die Romanvorlage, basierend auf eigenen Erfahrungen, lieferte, beging Selbstmord. Kurz nachdem er erfahren hatte, dass sein Buch verfilmt werden sollte…

3. „Buffalo 66“ (1998) – Vincent Gallo

33333

Multi-Genie Gallo schrieb selbst Drehbuch, Musik, führte Regie und spielt die Hauptrolle in diesem bemerkenswerten Debüt: Einen ziemlich schrägen Tunichtgut, der nie gelernt hat, zu lieben, aber sich doch nichts mehr wünscht, als geliebt zu werden.

Das ungewöhnliche Underground-Road-Movie überzeugt als kreativer, vollkommen eigenständiger Film, der sich schwer mit anderen US-Produktionen vergleichen lässt…Kann es für jemanden wie Billy Brown (Hauptfigur) ein Happy End geben?


Das ultimative Kinoerlebnis für Daheim: um unter 200 € ! HIER bestellen


4. „Adaptation“ (2002) – Spike Jonze

adaptation-6

Vom Budget her kein klassischer Independent-Film mehr (die Grundlage dafür hatte das Duo Jonze/Kaufman bereits mit „Being John Malkovich“ gelegt), ist dafür die story umso verrückter: Charlie Kaufman, der eben mit „Being John Malkovich“ einen Hit gelandet hat, leidet, neben einer Unmenge von Neurosen, an einer Schreibblockade für seinen nächsten Film über Orchideen…das ist der Inhalt von „Adaptation“.

Ein kluger, kreativer, lustiger Meta-Film mit dreifachem Boden über das Schreiben, das Filmbusiness, persönliche Krisen – und die Liebe.

5. „Secretary“ (2002) – Steven Shainberg

b9f2d05841daf307252ba3691a3bf1dc--maggie-gyllenhaal-james-spader

Ein ungewöhnlicher Film, der völlig zurecht zum kleinen Kultfilm wurde: Maggie Gyllenhall spielt in einer großartigen Performance die masochistisch veranlagte Sekretärin, die zu ihrem Chef ein sehr seltsames, aber für beide zunehmend erfüllendes Sadomaso-Verhältnis entwickelt. Wirklich sehenswert.

Secretary Special Edition: Part 1 & 2! hier bestellen – Angebot

6. „American Splendor“ (2003) – Robert Pulcini und Shari Springer Berman

american_splendor

Mehr Underground geht nicht: Der Film widmet sich dem realen Harvey Pekar, einem Comic-Autor und selbsternannten outsider, Schöpfer der skurrilen Comic-Figur „American Splendor“, der sich allen Regeln und Gesetzen des Lebens widersetzt, und widerspricht. Der Film ist so bizarr wie die Figur Pekar, tragikkomisch, und beleuchtet das Leben eines vergessenen amerikanischen Underground-Helden.

Advertisements