5. „Valhalla Rising“ – Nicolas Winding Refn, 2009

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Refn schuf mit „Drive“ 2011 den Überraschungshit des Filmjahres ´11, der auch Ryan Gosling in ungewohnte Superstar-Sphären katapultierte. Bereits 2009 erschienen war „Valhalla Rising“, eine düstere, stimmungsvolle und durchwegs stimmige Gewalt-Ballade, die die herausragenden audio-visuellen Fähigkeiten des Dänen eindrucksvoll demonstriert.

Hintergrund für „Valhalla Rising“ bietet die Besiedlungsgeschichte Amerikas, die in hypnotischen Musik- und Farbtönen stilistisch brillant plakatiert wird. Für „schwache Nerven“, oder Menschen mit sensiblem Magen, ist der Film nicht zu empfehlen: Er strotzt vor (ästhetisierter) Gewalt, und Bilder herausgerissener Gedärme sind in „American Valhalla“ die Normalität.
Vor Allem aber ist „Valhalla Rising“ ein überzeugendes Stück Filmkunst, das sich seiner Künstlichkeit und Kunsthaftigkeit sehr bewusst ist, und vor Allem visuell einen wahren Rausch offenbart.

Für alle Fans von „Drive“, „The Neon Demon“ oder „NWR“ ein Muss – für alle anderen zumindest empfohlen, sofern sie über einen intakten Verdauungstrakt verfügen.

4. „Cosmopolis“ – David Cronenberg, 2012

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Eine missverstandene Kapitalismus-Satire von, und aus der Feder von, David Cronenberg.
Der Kanadier setzt hier seinen im neuen Jahrtausend eingeschlagenen Weg fort, weniger auf Horror-Schauwerte zu setzen, sondern sich stattdessen (noch) mehr mit dem Innenleben seiner Protagonisten, und, in diesem Fall, mit dem „Innenleben“ des Kapitalismus, aus der Innenperspektive einer Luxus-Limo, auseinanderzusetzen.
Jenes Taxi ist Schaltzentrale von Multimilliardär Eric Packer, der selbst so glatt ist wie die Oberfläche seiner mit Panzerglas beschichteten Limousine.
Es geht nur um Zahlen, und Geld; und um die um ihn herum ausbrechenden Unruhen nur ansatzweise fassen zu können, fehlt Packer so etwas wie eine Seele. Kapitalismus killt.

Cronenberg ist eine, zugegeben, sehr ungewöhnliche Abrechnung mit dem Kapitalismus gelungen, die sicher nicht jedermanns Sache ist. Er befasst sich nicht mit den wirtschaftlichen Abläufen oder (nur am Rande mit) den konkreten Auswirkungen, sondern liefert eine hoch stilisierte Darstellung eines Lifestyle, einer geradezu bizarren Existenz, die vollkommen unwirklich erscheint, und ihn ihrer Sterilität nur von Cronenbergs kühler Inszenierung übertroffen wird. Ein Meisterwerk (meta-)philosophischer Spekulationen.

3. „Das Leben des David Gale“ – Alan Parker, 2003

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„Das Leben des David Gale“ ist der letzte, veröffentlichte Film vom britischen Regisseur Alan Parker (Warum?). Mit eher mauen Kritiken bedacht, und -vermutlich- wegen der Darstellung eines kontroversiellen Sujets (Todesstrafe) hinterfragt, erfuhr dieser Film nie die Würdigung, die ihm zustehen würde: Er vermischt geschickt fesselnden Thrill mit politischen Implikationen mit emotionalem Drama, und zeichnet sich vor Allem durch das unerwartete Schock-Finale aus.
In den Hauptrollen überzeugen groß aufspielende Kevin Spacey und Kate Winslet, während Parker abermals beweist, dass er ein Meister darin ist, kontroverse Themen so darzustellen, dass sie zumindest diskutiert werden.

Das ungewöhnliche an diesem Film ist, dass er sich schwer einordnen lässt, und vielmehr eine gelungene Melange aus mehreren Genres darstellt, was zu seiner Vernachlässigung beigetragen haben mag. Man wusste wohl einfach nicht, was man mit diesem Werk tun soll. Unser Tipp: Anschauen.

2. „Eine dunkle Begierde“ – David Cronenberg, 2011

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Während dieser Film im Vergleich zu anderen, früheren Cronenberg-Filmen ganz ruhig im Ton ist und in großen Teilen aus dialoglastigen Szenen besteht, wird er durch kraftvoll gestaltete Sex-Szenen zwischen den Protagonisten (Keira Kneightly und Michael Fassbender) unterbrochen. Darüber hinaus – vor allem am Anfang – ist es ein beeindruckendes Porträt von „Geisteskrankheit“.

Cronenberg zeichnet, auf dem Hintergrund einer Dreiecksbeziehung zwischen Freud, Jung und deren Schülerin Sabina Spielrein, die Entwicklung der Psychoanalyse nach, die beileibe nicht friktionslos ablief. Jung begann eine Affäre mit seiner zuerst Patientin, dann Schülerin Spielrein, womit er gegen eine der „goldenen Gebote“ dieser Profession verstieß, während er sich mit seinem anfänglichen Mentor Freud überwarf, der zunehmend seine Rolle als „Übervater“ (nicht nur der Analyse) einnahm, und durch seinen rigiden Pragmatismus Jungs Ambition, seinen Patienten „echte Heilung“ zu ermöglichen, eine klare und, für Jung schmerzhafte, Absage erteilte. Der Bruch war unausweichlich.

Zusätzliches Lob gebührt Keira Kneightly für ihre überragende und realitätsnahe Darstellung, die zu den besten des neuen Jahrtausends zu zählen ist. Warum dafür keine Oscar-Nominierung winkte, ist vollkommen unverständlich. Auch Viggo Mortensen als Gründer der Psychoanalyse Sigmund Freud ist ein wahres Erlebnis (er erhielt seine Nominierung!), und Cronenbergs solide Regie trägt dazu bei, dass „Eine dunkle Begierde“ ein höchst interessanter und intellektuell fordernder Film ist. Ein unterschätztes Meisterwerk.

1. „Miami Vice“ – Michael Mann, 2006

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Ein formvollendetes filmisches Kleinod, eine wahre Perle, pure visuelle Poesie – und leider der letzte überzeugende Film von „Heat“-Regisseur Michael Mann.

Mit „Miami Vice“ setzte Mann 2006 der Kult-Serie der 80-er, an deren Entwicklung er maßgeblich beteiligt war, ein filmisches Denkmal. Selten gelingt es einem Film, derart schöne, auf Hochglanz getrimmte Bilder zu zaubern, sie mit musikalischer Untermalung zu verbinden, und eine „runde Sache“ draus zu machen.
Leider gelang das Mann, der für sein audio-visuelles Gespür schon vorher bekannt war, hier ein letztes Mal. In den folgenden Filmen hatte man oft das Gefühl, er wolle den hier gelungenen Coup wiederholen, sich selbst kopieren, was gründlich misslang.
Mit „Miami Vice“ allerdings gelang ihm ein visuelles Meisterwerk, das thematisch gekonnt die „Arbeit“ der Drogen-Mafia und der Drogen-Fahndung, und die Berührungspunkte und Überscheidungen dieser beiden „Welten“, wie schon in anderen Filmen, in Beziehung setzt.

Ein visueller, stilistisch brillanter Seh-Rausch, ein unterschätzter Film, dessen pure Schönheit einem beizeiten die Gänsehaut über den Rücken treibt.

Teil 1 & 2: 15 unterschätztes Filme des 21. Jahrhunderts/ 15 most underrated movies of the 21st century: Teil 1

15 unterschätzte Filme des 21. Jahrhunderts/ 15 most underrated movies of the 21st century: Teil 2

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