John Grisham lieferte, vor Allem in den 1990-ern, mehrfach Vorlagen für gelungene Gerichts-Thriller. Nach „Die Firma“, „Der Regenmacher“, „Der Klient“ oder „Die Akte“ konnte man bereits vom „Grisham-Film“ sprechen, große Regisseure wie Sidney Pollack, Francis Ford Coppola oder Alan J. Pakula versuchten sich daran, die durchwegs erfolgreichen Bücher des ehemaligen Anwalt, der wusste, wovon er schrieb, auf die Leinwand zu bringen.

Gleich zweimal war es Joel Schumacher vergönnt, am Regiestuhl Platz zu nehmen, „Die Jury“ zählt dabei zu den heftigsten, emotional bewegendsten und intensivsten Grisham-Verfilmungen, und kann inzwischen überhaupt als Justizfilm-Klassiker genannt werden.

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Jake Brigance (Matthew MacConaughey), ein junger, erfolgreicher „Sunnyboy“ aus dem Süden der USA, der bisher keinen Fall als Anwalt verloren hat, wird vom schwarzen Carl Lee Haley (Samuel L. Jackson) mit dessen Verteidigung beauftragt: Haley tötete zwei „Rednecks“, die seine Tochter gewaltvoll missbraucht hatten, und wartet deshalb auf seine Verurteilung. Brigance, ein Idealist, der sich den klassischen Werten seiner Profession verpflichtet fühlt, nimmt sich Haley an, und ist zuerst sicher, den Fall gewinnen zu können. Ihm gegenüber steht der gerissene Staatsanwalt Buckley (Kevin Spacey), und ein von Rassenhass immer noch gespaltenes Mississippi, das, auf der einen Seite, den Tod für Haley fordert, auf der anderen seine Freilassung. Brigance gerät mehrfach zwischen die Fronten, sein Kampf für Gerechtigkeit verkommt zu einem Kampf gegen Windmühlen, zudem lassen eigene Fehler und ein gewieftes Vorgehen der gerichtlichen Gegner die Chancen Tag für Tag sinken. Erst durch die Mithilfe von Ellen Roark (Sandra Bullock) wittert Brigance etwas Morgenluft im aussichtslosen Kampf: Kann er diesen Fall gewinnen, wird Carl Lee Haley freigesprochen, und beweist damit, dass die Hautfarbe im amerikanischen Justizwesen keine Rolle spielt?

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„Die Jury“ ist nichts für schwache Nerven: Zuerst wären die „heavy subjects“, Rassismus, sexuelle Gewalt, Justiz-Korruption und fehlgeleiteter Idealismus, zu nennen, die im Zentrum des Films stehen. Besonders tricky wird es deshalb, weil der Film verschiedene, sensible und auch gegensätzliche Positionen gegeneinander ausspielt, miteinander in Beziehung setzt, und danach fragt, was nun „richtig“ wäre: Darf ein Mann, in einem Akt von Selbstjustiz, das Gesetz in die eigenen Hände nehmen, und die Männer eigenmächtig hinrichten, die seiner Tochter unermessliches Leid zugefügt hatten? Soll er, nun auch selbst Gewalttäter, dafür bestraft werden? Soll die Jury ihm diese „Wahnsinnstat“ nachsehen, da er selbst unter ungemeinem Druck gestanden hat, gelten deshalb „mildernde Umstände“? Und welche Rolle spielt die Hautfarbe bei alldem? Würde Haley freigesprochen, wenn er ein Weißer wäre?

Neben einer nervenaufreibenden Inszenierung schafft es Joel Schumacher auch, einen mit Stars gespickten Cast solide zu führen: Matthew MacConaughey bewies hier schon früh sein großes Talent, Sandra Bullock ist eine gute Ergänzung zu seinem etwas zu starrsinnigen Jake Brigance, Kevin Spacey, Samuel L. Jackson und Donald Sutherland komplettieren das Staraufgebot.

Der Film führt, neben den moralischen und ethischen Überlegungen, auch eindrucksvoll vor Augen, welche Kraft, welche menschenverachtende Macht Rassismus und Rassenhass haben, und dass es Leuten wie Jake Brigance, der auch selbst nicht vollkommen frei von Vorurteilen ist, bedarf, diese Hürden zu überwinden. Die USA sind, nach der Wahl Barack Obamas zum US-Präsident, diesbezüglich sicher einige Schritte weitergekommen, aktuelle Berichte von rassisch motivierter Gewalt bezeugen aber, dass hier noch immer viel zu tun ist, während im Weißen Haus inzwischen wieder ein „alter weißer Mann“ sitzt, der es mit „politischer Korrektheit“ nicht so genau nimmt.

FAZIT: „Die Jury“ ist jedenfalls ein sehr gelungener Justiz-Thriller, ein Film, der wachrüttelt, ein Film, der im Gedächtnis bleibt, und einen spannenden Einblick in die Gepflogenheiten des US-Rechtswesen bietet. Zusätzlich veranschaulicht er auf gelungene Weise, welche Kraft und zerstörerische Macht Rassismus und Rassenhass innewohnen. Sehenswert.

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