„NWR“ (Nicolas Winding Refn), der selbsternannte „Skandalregisseur“, hat in den letzten Jahren ein breiteres Publikum auf sich aufmerksam gemacht, durch Publikumshits wie „Drive“ oder „Only God Forgives“, die durchaus kontrovers diskutiert und rezipiert wurden, dem Dänen aber auch eine treue Fangemeinde einbrachten. „Valhalla Rising“, ein düsteres, stilschweres und atmosphärisches Siedlerepos in stimmigen Farben, entstand davor, beeindruckt aber dennoch, und zeigt das außergewöhnliche Talent des Regisseurs.

Bei „Valhalla Rising“ ist Refns Zugang „Style over Story“ schon erkennbar (wenn auch nicht so zugespitzt wie z.B. in „Only God Forgives“). Hintergrund dieses „Gewaltkinos“ bietet die Besiedlungsgeschichte Amerikas. Im Zentrum des Films steht „One Eye“ (Mads Mikkelsen) als Hauptfigur, als wortloser Führer, Rächer, Teufel, und Gott, der erst nach mehr als einer halben Stunde seinen ersten Laut von sich gibt. Unterlegt ist der Film mit einem passenden Drone-Score, der die atmosphärischen Bilder wirkungsvoll unterstützt: Die verfärbten und schrägen Bild-Ton-Kompositionen sorgen wahrlich für (Alptraum-)Stimmung.

Gewalt, Gewalt, Gewalt: „Valhalla Rising“ ist voller Gewalt; Abschlachtungen, herausgerissene Därme, eingeschlagene Schädel – es geht auch um Männlichkeit in diesem Film, und um „Gewalt“ als zentrales Motiv, das Zivilisationen formt. Unterteilt ist die Handlung in 6 Kapitel: Über den ersten Kontakt der Siedler mit dem Gottlosen, die Reise in die „neue Heimat“, bis zu aufgepfählten Köpfen; am Ende sitzen die Überlebenden der letzten Schlacht am Berg und niemand weiß, ob man jetzt im Himmel, oder in der Hölle ist, ob sich das „gelobte Land“ nicht am Ende als „Valhalla auf Erden“ herausstellt.

Refn untermauerte mit diesem Film eindrucksvoll seinen Ruf als eigenständiger europäischer Autorenfilmer. (Nicht umsonst wurde er wohl kürzlich im Zuge des angekündigten Verjüngungsprozesses in die Hollywood-Academy berufen). Sein Œuvre durchzieht ein roter Faden, wirklich schlechte Filme finden sich in seiner vielfältigen Filmografie nicht, obgleich seine „schwer Kost“ sicher nicht für jedermann zugänglich und/oder verdaubar ist. Wer auf verstörendes, intensives Kino steht, ist bei Refn richtig. Wer nicht, der nicht.

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Lust auf mehr?

„Nymph()maniac: Volume I” (director´s cut) – Lars von Trier; 2013

„Antichrist“ – Lars von Trier (2009)

weitere „Filme der Woche“:

„The Untouchables“ – Brian de Palma, 1987

„A time to kill“ („Die Jury“) – Joel Schumacher; 1996

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