In „Der Richter“ („The Judge“) ist Superstar Robert Downey Jr. („Iron Man“) in einer eher ungewöhnlichen Rolle zu sehen: In David Dobkins Justiz-Drama agiert er an der Seite von Hollywood-Haudegen Robert Duvall („Apocalypse Now“) als zuerst gewissenloser Anwalt, der erst durch eine schwere Familienkrise zurück auf den „rechten Pfad“ findet.

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Hank Palmer (Downey) lebt auf der Überholspur: Der Provinz entkommen, führt er ein erfolgreiches Leben als Star-Rechtsanwalt in Chicago. Die in die Brüche gehende Ehe ist nur eine Randnotiz im Streben nach Ruhm und Geld.

Sein Bruder Glen teilt ihm am Telefon mit, dass deren Mutter gestorben war, eher widerwillig macht sich Hank auf den Weg in seine Heimatstadt, ein kleines Kaff, das er seit vielen Jahren nicht mehr besucht hat. Ein Grund ist die zerrüttete Beziehung zu seinem Vater (Duvall), einem Richter und der „die graue Eminenz“ der Kleinstadt, der aber mit seinen Söhnen nicht immer zimperlich umgegangen war. Auch während des Besuchs, nach dem Begräbnis der Mutter, wechseln die beiden kaum ein Wort. Hank macht sich bereits wieder auf Richtung Chicago, als ihm mitgeteilt wird, dass sein Vater inhaftiert worden war: Jemand hatte in der Nacht einen Fußgänger mit dem Auto angefahren, der Verdacht fällt auf Richter Palmer – der sich jedoch (vorgeblich) an nichts erinnern kann. Nun muss der Hank für ihn in die Bresche springen, all seinen Mut und Mumm zusammen nehmen, um seinem Vater in dieser misslichen Lage beizustehen: Er wird ihn im Gerichtssaal, den beide bisher nur von der anderen Seite gekannt hatten, im Prozess verteidigen.


„Der Richter“ erhielt eher gemischte Kritiken, vor Allem Robert Duvall wurde aber für seine Darstellung als strenger, starrsinniger und stolzer Richter gelobt, und sogar für den Oscar nominiert. Der Film ist zwar mitunter etwas zu lang geraten, erst nach gut einer Stunde wird klar, worum es hier geht. Insgesamt bietet er aber gute Unterhaltung, basierend auf einem ordentlichen Drehbuch, das sich eher auf die familiären Konflikte der Familie Palmer als auf die Eigenheiten des US-Rechtssystems konzentriert.

Neben Duvall macht Downey seine Sache auch recht solide. Etwas seltsam und deplatziert wirkt die Kameraarbeit von Janusz Kaminski, dem Haus-und-Hof-Filmer von Steven Spielberg: Sein oft eigenwilliger Einsatz von Licht und Schatten, von verschwommenen Konturen und kühl-überbelichteten Szenerien fügt sich meist ideal in Spielbergs Filme ein (vor Allem in „Minority Report“ ist das höchst sehenswert), in einem dialoglastigen, kammerspielartigen Werk wie „Der Richter“ wirkt die Ästhetisierung der Bilder etwas unpassend.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die teilweise etwas (zu) schablonenhaft wirkenden Charaktere: Staranwalt auf der Überholspur mit strengem, gefühllosen Vater, der selbst Richter, auch die Zeichnung des Provinzlebens kommt nicht ganz ohne Klischees aus.

Dennoch, und vor Allem, wenn man über diese Schwächen hinwegblickt, bietet „Der Richter“ sehr ordentliche Genre-Unterhaltung, einen interessanten Gerichtsfilm, der sich aber auch ausführlich mit (schwierigen) Familienkonstellationen beschäftigt. Kein Meisterwerk, aber solides Home-Cinema.

 

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