Der britische Regisseur Alan Parker schuf mit “Midnight Express”, “Angel Heart” oder “Mississippi Burning” mehrere sehr gute Filme mit heftigem Inhalt, weshalb umso unverständlicher ist, warum diese Werke im „Filmkanon“ des modernen amerikanischen Kinos so oft fehlen. Vor Allem „Midnight Express“ sollte als zeitloser Klassiker gelten.

Auch „Mississippi Burning“ hat (Rassen-)Gewalt als zentrales Thema, und ist ein Film, der einem, wie man so schön sagt, lange „im Magen liegen bleibt“. Schon im Erscheinungsjahr 1988 wurde dieser Südstaaten-Thriller kontrovers diskutiert. Er zeichnet die Ermittlungen zweier FBI-Agenten in einem Südstaaten-Kaff in Mississippi nach einem rassistisch motivierten Verbrechen nach.

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Bei Erscheinen sorgte der Film, wie gesagt, für diverse Diskussionen, bezüglich der (realitätsgetreuen?) Darstellung der Fakten, bzw. bezüglich der Darstellung von Schwarzen im Film („White-Saviour Theorie“). Abgesehen davon, dass kontroversielle Diskussionen bei Filmen zu kontroversen Themen nicht das Schlechteste sind, zielt diese Kritik am „Kern des Film“ vorbei: Es ist ein intensiver, emotionaler, teilweise verstörender Film über reale Vorgänge, der vor Allem Konfliktlinien in einer konservativen Gesellschaft, den Ursprung von Rassenhass und -gewalt nachzeichnen und (emotional) verständlich machen möchte; das gelingt dem Film ausgezeichnet.

Der „schwarzen“ Kritik, dass Farbige eindimensional als „hilflose Opfer“ dargestellt würden, kann man entgegnen, dass ein Großteil der weißen Südstaaten-„Ureinwohnen“ nicht besser wegkommt – ja, eigentlich viel schlechter: viele werden als dumme einfältige Rassisten gebrandmarkt – und dass sich das dargestellte „schwarze Verhalten“ auch als Reaktion auf unmenschliche „weiße“ Verhaltensweisen lesen lässt.

Technisch ist an „Mississippi Burning“ nichts auszusetzen: Die Regie von Alan Parker ist gut, „unaufgeregt“, und stellt die Darsteller bzw. die von ihnen (aus)getragenen Konflikte in den Mittelpunkt. Die Schauspieler, allen voran Gene Hackman, machen ihre Sache sehr gut bzw. die Darstellerkonstellationen funktionieren wirklich toll. Neben Hackman sind ein junger Willem Defoe und eine ebenso junge Frances McDormand, die gerade ihren „zweiten Frühling“ erlebt, zu bewundern.

Am Ende ist „Mississippi Burning“ ein bemerkenswerter, emotional fordernder Südstaaten-Rassismus-Thriller über ein ernstes Thema, der so gar nicht in das 1980er-Klischee vom oberflächlichen Film mit Stilwillen und ohne Inhalt passt, und der (leider) immer noch höchst aktuell ist.

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