Wir haben die große Freude, heute den ersten Gastbeitrag von Mara Hollenstein von unserer Partnerseite Verfilmt & Zerlesen auf Film plus Kritik zu präsentieren: Sie widmet sich 10 Filmen, die ihrer Ansicht nach vollkommen zu Unrecht mit dem Prädikat „rotten“ auf der bekannten Rating-Plattform versehen sind.

10 „rotten“ Filme, die besser sind, als ihr Ruf:

„Rotten“, gibt man dieses Wort auf Google ein, bekommt man als Übersetzung unter anderem die Worte „faul“, „verdorben“, „mies“ geliefert. Auch mit „Tomatoes“ hat die Suchmaschine kein Problem und spuckt ohne Schwierigkeiten die deutschsprachige Entsprechung aus.

Vor dem Jahr 2000 wäre wohl keinem Menschen in den Sinn gekommen, bei der Kombination dieser beiden unscheinbaren Worte an etwas anderes zu denken, als eine rote Frucht, deren Haut sich langsam von knallrot in bläulich-grün verfärbt. Heute hingegen erfreut sich die Website mit dem klingenden Namen, auf der es hauptsächlich um die die Bewertung von Filmen anhand eines speziellen Algorithmus geht, immer größer werdender Beliebtheit. Als Sammlung samt zugehöriger Auswertung abgegebener Kritiken zu einzelnen Filmen sind die Betreiber der Website nur allzu oft versucht, sich das Siegel der Objektivität aufdrücken zu wollen; ob dies gerechtfertigt erscheint, wäre ein Thema für einen anderen Artikel, in diesem Artikel soll es vielmehr um ein Phänomen gehen, das bestimmt jedem, der sich schon einmal auf der Plattform herumgetrieben hat, begegnet sein wird: dass man Filme vorfindet, die mit dem übelriechenden Prädikat „rotten“ versehen sind, die einem persönlich aber durchaus zusagen. 10 solche Filme möchte ich heute präsentieren, und euch in ein paar Sätzen darlegen, weshalb ich eindeutig der Meinung bin, dass diese keine fauligen grünen Tomaten sind.

1. „I, Robot“ (2004) – 57% 

Mal ganz ehrlich, was kann man denn bitteschön an einem Sci-Fi-Thriller mit Big Willie schon groß auszusetzen haben? Klar, der Film erfindet das Rad nicht neu, bedenkt man einmal, dass sich das zentrale Thema des Films an den Theorien des großen Gelehrten und Schriftstellers Isaac Asimov orientiert, dürfte dies eigentlich auch kaum überraschen. Trotzdem ist den Machern hier ein spannender und intelligenter Vertreter seines Genres gelungen, der sich mit nichts weniger beschäftigt als der Frage, was uns zu Menschen macht.

2. „Das Bourne Vermächtnis“ (Original: The Bourne Legacy) (2012) – 56%

Weshalb dieser Film von Kritikern so hart ins Gericht genommen wurde, bleibt mir nach wie vor ein Rätsel. Mit Renner und Weisz in den Hauptrollen, Norton als Kontrahenten und einem ganzen Franchise als Vorgeschichte bietet der Film nämlich so einiges, auf das sich Fans der gepflegten Agentenaction freuen können – haarsträubende Stunts, rasante Verfolgungsjagden, und einen Vertuschungsversuch auf höchster Behördenebene als rahmengebendes Sujet. Natürlich erfindet auch dieser Film das Rad nicht neu, aber aufgrund all dieser Punkte, die für ihn sprechen, gehört er meiner Meinung nach eindeutig nicht zur Kategorie „rotten“. Und mir persönlich gefällt der Hauptcharakter sogar um einiges besser, als der unter Amnesie leidende Bubi aus den anderen Teilen.

3. „Oblivion“ (2013) – 52% 

Ist es wohl bloßer Zufall, dass sich so viele Science Fiction-Filme auf dieser Liste finden? Oder hat es dieses Genre generell etwas schwerer unter Kritikern, werfen viele seiner Vertreter doch in ihrem Kern immer wieder dieselben Fragen auf, was sehr schnell das Gefühl eines Déjà-vus hervorrufen kann. Jeder, der mir aber erzählen will, dass er die Handlung des Films von Anfang an durchschauen konnte, macht sich entweder was vor oder sollte schleunigst einen Test machen lassen, da er ein unentdecktes Genie sein könnte. Klar ist der Film nicht makellos, aber für mich bietet er eindeutig genügend Unterhaltungswert, um mehrfache Sichtungen zu rechtfertigen.

4. „Kingsman: The Golden Circle“ (2017) –  52% 

Ja, ich gebe es offen zu, auch ich hatte mir insgeheim mehr von dieser Fortsetzung erhofft, das hatte allerdings eher etwas mit dem grandiosen Vorgänger zu tun, als mit der Qualität des Films als solchem. Während der erste Film nämlich noch eine bitterböse Satire auf den Agentenfilm im britischen Stil war, gehörte der Nachfolger dann doch eher in eben jene Schublade, welche der erste noch so gekonnte persifliert hatte, und hatte zu allem Überfluss viel von seinem britischen Charme durch amerikanisches Draufgängertum eingetauscht. Die Bezeichnung „rotten“ hat er dennoch nicht verdient, denn er bietet dem geneigten Zuseher noch immer eine spaßige, actiongeladene Zeit mit irren Stunts und sogar noch irreren Fights.

Kingsman_head

5. „Tron Legacy“ (2010) – 51% 

Irgendwie scheint ein Fluch auf den „Vermächtnissen“ bekannter Filme zu liegen, ist dies doch immerhin schon der zweite Film auf dieser Liste, der eine Legacy zu einem älteren Franchise darstellt. Auch wenn ich manche der Kritikpunkte durchaus nachvollziehen kann (ja, auch ich finde CGI-Bridges ziemlich erschreckend), finde ich trotzdem, dass der Film sein schlechtes Image wahrlich nicht verdient. Legt man die Nostalgiebrille zur Seite, die nur allzu gern jegliche Änderung des geliebten Originals von vornherein verdammen möchte, findet man nämlich einen Science Fiction-Film vor, der die Welt seines Vorgängers gekonnt ins neue Jahrtausend transportiert und existentielle Fragen aufwirft.

6. „Constantine“ (2005) – 46% 

Er scheint nicht gerade ein Kritikerliebling zu sein, der liebe Herr Reeves – was daran liegen könnte, dass sein Spiel manchmal gar zu stoisch und hölzern wirkt; doch es gibt Filme, da ist genau dieses Markenzeichen seinen Rollen mehr als dienlich. „Constantine“ ist einer dieser Filme, wo die „I don’t care“-Attitüde gepaart mit ein paar zynischen Sprüchen die perfekte Charakterzeichnung für den verdammten Titelhelden bietet. Wenn man dann auch noch Stormare als Teufel und Swinton als Erzengel mit in den Topf wirft, ergibt das eine Antiheldensuppe, die ich mir nur allzu gern schmecken lasse – getreue Comicumsetzung hin oder her.

constantine

7. „Passengers“ (2016) – 31% 

Ich will den lieben Kritikerkollegen ja nicht unterstellen, dass sie derartige Vorbeeinflussung nicht ausblenden können, aber ich vermute ganz stark, dass dieser Film nur aufgrund des miserablen Marketings so schlecht abgeschnitten hat. Denn anstatt eines gruseligen Creature Feature oder wenigstens eines waschechten Katastrophenfilms im All bekommt man hier eine sich langsam entwickelnde Geschichte über Einsamkeit und Isolation serviert, die eine romantische Seite bekommt, als der Protagonist plötzlich nicht mehr alleine auf dem riesigen Raumschiff ist. Manche mögen dem Film speziell gegen Ende hin einen Hang zum Kitsch vorwerfen, doch die einzige Frage, die sich mir in diesem Moment stellte war: „Was würde ich tun?“.

8. „Suburbicon“ (2017) – 29%

Bei dem aktuellsten Vertreter auf meiner Liste habe ich das Gefühl, ich habe einen anderen Film als die meisten Kritiker im Kino gesehen. So abweichend ist meine Meinung zu dem Film und so wenig nachvollziehbar sind für mich die Argumente, die angeblich gegen den Film sprechen sollen. Ich habe im Kino einen Film gesehen, dem man eindeutig die Handschrift der Cohens anmerkt, auch wenn Clooney es dennoch schafft, etwas Eigenes aus dieser abstrusen, bitterbösen, stellenweise regelrecht verstörenden Geschichte zu machen.

9. „Ninja Assassin“ (2009) – 25% 

Im Schatten umherstreifende Attentäter auf der Suche nach Blut, ein einsamer Wolf der Jäger und Gejagter zugleich ist, dazwischen eine Unschuldige, zwischen die Fronten einer Fehde geraten, von der sie besser nie etwas erfahren hätte. Klingt das nicht echt aufregend? Alle, die jetzt heftig mit dem Kopf nicken, sollten mal einen Blick riskieren, denn neben jeder Menge coolen Moves, literweise Kunstblut und grimmig dreinschauenden Ninjas bekommt der Hauptcharakter auch noch eine tragischere Hintergrundgeschichte spendiert, als dies für gewöhnlich bei diesem Genre der Fall ist.

10.) „47 Ronin“ (2013) – 15% 

Okay, selbst ich finde nicht, dass der Film ein Meisterwerk ist, aber hey, zwischen einem Meisterwerk und 15% liegt eine ganz schön große Kluft, die meiner Meinung nach eindeutig zu groß ist. Denn auch wenn der Film kein Meisterwerk ist, so ist er doch eine unterhaltsame Fantasygeschichte, die versucht, sich stilistisch am asiatischen Raum zu orientieren, ohne sich anmaßen zu wollen, die Kultur tatsächlich vollkommen zu verstehen. Weshalb die Wahl des Außenseiters als Hauptfigur eine nachvollziehbare Entscheidung ist, die nach meiner Ansicht narrativ ausreichend begründet wird. Außerdem katapultiert allein das bewegende Finale, welches den Machern eines großen Hollywood-Blockbusters sicher einiges an Mut abverlangte, den Film eindeutig hinaus aus dem „rotten“-Bereich.

Bonusrunde:
„Stirb Langsam 3“ (Original: Die Hard with a Vengeance) – 52% 

Eigentlich hatte ich meine Liste bereits fertig gestellt, als ich durch Zufall auf diesen Schocker gestoßen bin: Der dritte und meiner Meinung nach beste Film der „Stirb Langsam“-Reihe hat doch tatsächlich einen „rotten“-Score! Da sieht man mal wieder, dass die Kritiker ab und an die Arthousebrille ablegen sollten. Denn „Stirb Langsam 3“ bietet dem Zuseher einen echten Actionkracher, mit unser aller Lieblingscop im dreckigen Unterhemd, der hier mit Samuel L. Jackson als Ergänzung wohl einen der besten Sidekicks der Filmgeschichte zur Seite gestellt bekommt.

 

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