Ein Rückblick auf bessere Zeiten: Der großartige und berührende Film „Gilbert Grape“ mit Johnny Depp und einem sehr jungen Leonardo Di Caprio in den Hauptrollen.

Heute gilt Leonardo Di Caprio als einer der besten, talentiertesten und wichtigsten Schauspieler Hollywoods (während der Stern Johnny Depps zunehmend am Firmament der „City of Stars“ zu verglühen droht). Beide sind im 90-er-Independent-Comedy-Drama „What´s eating Gilbert Grape“ in frühen Rollen zu sehen – wobei vor Allem Di Caprios Leistung überzeugt.

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Gilbert Grape (Depp) lebt irgendwo im Nirgendwo in Iowa mit seiner Familie, seiner übergewichtigen Mutter, und seinem geistig gehandicappten Bruder (Di Caprio). Das Leben ist eintönig, simpel, aber auch schön, dennoch zieht es Gilbert weg von den familiären Verpflichtungen. Eine Affäre mit einer älteren Nachbarin bietet etwas Abwechslung, doch erst als die junge Becky (Juliette Lewis) mit ihrem Wohnwagen durch das Städtchen reist, bietet sich Gilbert eine echte Chance auf ein anderes Leben.

Der Umgang mit seinem behinderten Bruder Arnie ist nicht einfach, und Gilbert ist zwischen Verpflichtungen in seiner Familie einerseits und Freiheitsstreben andererseits hin- und hergerissen.

„Gilbert Grape“ ist ein bemerkenswerter Film: Es passiert so wenig wie in dem Kaff in Iowa, wo die Handlung stattfindet, dennoch schaut man gerne zu. Der Film strotzt vor liebenswürdigen Charakteren, kleinen Geschichten des Alltags, in denen sich das existentielle Drama widerspiegelt; die quälende Langeweile in „der Einöde“, ebenso wie die Schönheit der Leere und Einsamkeit.

Herauszustreichen ist, neben der gekonnten Erzählweise von Regisseur Lasse Hallström und der guten Besetzung vor Allem Di Caprios Leistung, für die er vollkommen zu recht seine erste Oscar-Nominierung erhielt. Das Schauspiel ist derart tiefgründig, dass man mitunter vergisst, dass es sich hier nur um Schauspiel handelt.

Fazit:

Der Film zeichnet sich des weiteren durch einen schräg-abgründigen Humor aus, der die – durchaus auch dramatischen – Entwicklungen der Handlung leichter machen. Alles in allem ein sehenswerter und empfehlenswerter Film über das „(Über-)leben in der Einöde“ und die kleinen und großen Dramen des Alltags.

Bewertung:

8 von 10 Punkten

von Christian Klosz

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