Als Rosemary und ihr Mann, ein Gelegenheitsschauspieler, eine Wohnung im Zentrum von New York besichtigen, ist Rosemary sofort Feuer und Flamme. Das Haus, in der sich die Wohnung befindet hat eine unrühmliche Vergangenheit und wurde vermehrt Schauplatz für mysteriöse Vorfälle und Morde. Guy ist aufgrund der Vorkommnisse und der Kosten wenig begeistert, willigt seiner Frau zuliebe letztlich aber ein; ein folgenschwerer Fehler.

„Rosemarys Baby“ ist eine zweifach oscarprämierte Romanverfilmung des französisch-polnisches Regisseurs Roman Polanski. Sie basiert auf dem gleichnamigen Werk des Autors Ira Levin und erschien 1968, nur ein Jahr nach der Fertigstellung der Vorlage. Allgemeinhin gilt Polanskis Verfilmung als eine der stilbildenden Grundlagen heutiger Horrorfilme und erlangte über die Jahre hinweg Kultstatus.

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Ebenjener Status eilt mittlerweile diversen Werken voraus, basiert in den meisten Fällen aber immerhin auf jahrelanger Beliebtheit und Bewunderung. Bei manchen Klassikern stellt sich am Ende dennoch die Frage, ob es sich um eine rein nostalgiebasierte Preisung handelt und was genau ebenjenen Film von der Masse abhebt. Ein ganz so hartes Schicksal ereilt „Rosemarys Baby“ nicht, allerdings bedarf es schon einer Menge Wohlwollen, um das Werk in die Riege der Horrorklassiker aufzunehmen.

Ebenso wie zuletzt gelobte Werke wie „Hereditary“ (Link) oder „The VVitch“ (Link) setzt auch Polanski auf eine sehr ruhige und aufeinander aufbauende Inszenierung. Schockeffekte sind, möglicherweise auch der Entstehungszeit geschuldet, Fehlanzeige. Das Werk erweist sich als ruhiges (Beziehungs-)Drama mit okkultem Einschlag. Im Zentrum stehen die beiden eingangs erwähnten Protagonisten und andere Bewohner des Hauses, die allesamt verbunden zu seien scheinen und ein dunkles Geheimnis miteinander teilen. Handlung und Dialoge sind stets von einer gewissen Doppeldeutigkeit und lassen so die Frage aufkeimen, ob Polanski tatsächlich das aussagen möchte was er darbietet oder ob er den Zuschauer bewusst in die Irre führen mag. Diese Herangehensweise erweist sich als größtes Heraushebungsmerkmal des Film, birgt auf der anderen Seite aber auch ein Problem: Geschulte Augen können nicht ewig geblendet werden, und so geht dem Film circa ab der Hälfte eines ab: Spannung.

Dafür, dass vor allem die subtile Herangehensweise Polanskis angepriesen wird, gibt der Film zu schnell zu viel preis und kann so im Laufe seiner 131 Minuten kaum mit Überraschungen aufwarten. Handlung, Setting, Atmosphäre und vor allem die schauspielerischen Leistungen sind allesamt von hoher Güte, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Werk die letzte Durchschlagskraft fehlt um wirklich zu schockieren. Vielen vergleichbaren Filmen gelingt es sich in die Hirnwindungen des Betrachters zu schleichen und dort für Grusel und Angst zu sorgen, „Rosemarys Baby“ hat hier seine Mühe.

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Fairerweise muss aber natürlich auch die Entstehungszeit des Filmes berücksichtig werden. Was in Zeiten von Bodyhorror und ausgedehnten Horror-Franchises heute bei einigen nur noch ein müdes Lächeln hervorrufen kann, galt seinerzeit als „Perversion fundamentaler christlicher Glaubensvorstellungen“ und sorgte für einigen Wirbel. Das es kurz nach der Premiere des Filmes zum tödlichen Angriff auf Polanskis hochschwangere Frau Sharon Tate kam, verleiht dem Ganzen ebenfalls einen sehr schaurigen Touch.

Fazit:

Kultstatus hin oder her – „Rosemarys Baby“ gehört zwar zu den besseren Genrevertretern, kränkelt aber an diversen Schwächen und vermag es nicht über die gesamte Spielzeit zu fesseln. Losgelöst von den Nachteilen, die das Werk im Vergleich zu heutigen Erscheinungen schlichtweg hat, bleibt am Ende ein ambitionierter und stark besetzter Film, der viel Potential hat, aber nur die Hälfte davon nutzen kann.

Wertung:

6 von 10 Punkten

von Cliff Brockerhoff

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