Es gibt diese Filme, die eigentlich jeder mag, die „kleine Klassiker“ wurden, aber dennoch damals, beim Erscheinen, eher mit milden Kritiken bedacht wurden. Da eine der Aufgaben unsere Reihe „Film der Woche“ auch die Ehrenrettung solcher kleinen Perlen ist, präsentieren wir euch heute die Komödie „Overboard“ mit Goldie Hawn und Kurt Russel in den Hauptrollen, die kürzlich ein eher entbehrliches Remake bekam, wie derzeit so viele Filme aus den 80-ern.

Die Ausgangslage der Handlung ist relative simpel, aber nicht uninteressant, wie sich im Lauf des Films herausstellen sollte: Goldie Hawn mimt die snobistische und unausstehliche Millionenerbin Joanna Stayton, die gemeinsam mit ihrer noch unausstehlicheren Mutter auf der Yacht ihres Gatten Grant Stayton III durch die Gewässer schippert. In ihrer unerträglichen Langeweile bildet sie sich ein, einen neuen Schuhschrank zu benötigen, wozu der Tischler Dean Proffitt (Kurt Russel) aufs Schiff beordert wird. Joanna ist mit der Arbeit des von ihr abschätzig „Neandertaler“ genannten Dean natürlich nicht zufrieden, worauf der einen ordentlichen Streit mit der verwöhnten Furie beginnt. Als sie schließlich ihren verlorenen Ring an Deck sucht, geht Joanna „overboard“, stößt sich den Kopf, und verliert ihr Gedächtnis. Sie wird von der Küstenrettung aufgegriffen und ins naheliegende Krankenhaus gebracht, wo sie niemand kennt und sie niemanden erkennt.

Dean sieht ihr Bild im lokalen TV, und hat eine Idee: Um sich an der fiesen Zicke zu rächen, fährt er ins Krankenhaus, gibt sich als ihr Ehemann aus, und nimmt Joanna, ab nun Annie, in die eigenen vier Wände und zu den eigenen vier Kindern mit, in eine eher ärmliche Holzhüttenbehausung im Wald, die nun so rein gar nichts mit dem vormaligen Leben Joannas zu tun hat.

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Die hier relativ ausführlich geschilderte Ausgangslage bietet genug Stoff für eine ordentliche und ordentlich unterhaltsame Komödie: Annie/Joanna fühlt zwar von Anfang an, dass sie hier nicht hergehört – doch aufgrund ihres fehlenden Gedächtnisses kann sie keine Argumente vorbringen, die ihre leise Ahnung unterstützen. Dean spielt sein perfides Spiel, findet recht großen Gefallen daran, es der verwöhnten Hexe „heimzuzahlen“ – aber mit der Zeit auch an ihr, an der neuen Joanna, also an Annie, die wiederum langsam das Gefühl beschleicht, hier vielleicht doch nicht ganz falsch zu sein.

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„Overboard“ verquickt geschickt Elemente der Screwball-Comedy mit 80s-Humor, bietet eine gut erzählte Geschichte und verbindet sie mit romantischen Elementen. Kurt Russel und Goldie Hawn, die zur Entstehungszeit des Films schon ein Paar waren, harmonieren ausgezeichnet, und auch die Nebendarsteller wissen zu überzeugen. Vor allem aber besticht der Film durch seinen ganz eigenen Charme, sein Herz und das gute Timing. Alle Figuren machen eine anfangs eher unwahrscheinliche Entwicklung durch, und verleihen so dem Film zusätzliches Gewicht als leichtfüßige Sozial-Parabel. Ein Komödien-Klassiker, ideal für’s wochenendliche Home-Cinema. Es müssen nicht immer die forderndsten und tiefgründigsten Stoffe sein, die dem Film-Fan das Herz aufgehen lassen.

von Christian Klosz

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