Michael Moore ist bekannt für seine polemischen filmischen Abrechnungen mit (konservativer) US-Politik: Seine Dokus „Bowling for Columbine“ und „Fahrenheit 9/11“ machten ihn Anfang der 00-er Jahre zum Star der Linken, der sich nicht scheute, die Mächtigen aufs Korn zu nehmen, um aufzurütteln und seine Agenda voranzutreiben. Gleichzeitig wurden ihm – vor allem in Europa – immer wieder unlautere Methoden, ungenaues Arbeiten im Umgang mit Daten und Quellen und Populismus vorgeworfen.

Sein neuer Film, „Fahrenheit 11/9“, ab Mitte Jänner in unseren Kinos, will sich einerseits mit dem ersten Jahr Trump im Weißen Haus befassen, und andererseits mit der Frage, wie es dazu kommen konnte – scheitert aber an der zu bemüht wirkenden Verknüpfung und Verquickung verschiedener Faktoren und filmischer Elemente.

Die erste halbe Stunde des Films bietet noch das, was man sich erwartet: Eine unterhaltsame, teils schmerzhaft-humorvolle „Dokumentation des Grauens“, die in typischer Moore-Collagen-Technik den Aufstieg des Donald Trump (bis zu seiner Wahl als US-Präsident) nachzeichnet, und nicht auf skurrile Anekdoten verzichtet, um den Irrsinn zu illustrieren. Moore in Bestform also, so, wie man es von ihm gewohnt ist.

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Michael Moore in „Fahrenheit 11/9“, ab 18.1. im Kino

Die Probleme von „Fahrenheit 11/9“ beginnen danach: Der Regisseur versucht, eine Brücke von den besorgniserregenden politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in seiner Heimatstadt Flynt zur Wahl Donald Trumps zu bauen – was nur leidlich gelingt. Die Schilderung der „Wasser-Katastrophe“ in Flynt (große Mengen von Trinkwasser wurden verseucht, was zu Krankheiten bei Kindern und Erwachsenen führte), die vom Gouverneur von Michigan nicht unerheblich mitverursacht wurde, bietet so, wie hier von Moore aufbereitet, keine schlüssige Erklärung für die Wahl Trumps oder die Wut der Bevölkerung auf die „Eliten“, die immer wieder als Faktor genannt wird – obwohl das offenbar die Absicht gewesen war. Im Gegensatz zu den vorher genannten Filmen schafft es Moore diesmal nicht, seine Themen in ein schlüssiges Gesamtkonzept zu packen, der Film wirkt teils konfus, und es fehlt der rote Faden. Schade ist das insofern, als der Beginn sehr vielversprechend daherkommt, der Film im Lauf seiner 2 Stunden aber stetig an Qualität verliert.

Fazit:

Es wirkt teils so, als hätte Moore 2 Filme drehen wollen – zuerst, eigentlich, einen (weiteren) über die Misere seiner geliebten Heimatstadt, um dann, aus aktuellem Anlass, gegenwärtige Themen unterzumengen. Die Melange ist leider nicht gelungen, man hätte besser 2 getrennte Filme aus dem Material gemacht, denn der Irrsinn der Trump-Politik würde jedenfalls genug Stoff dafür hergeben. Schade drum – sein inszenatorisches und agitatorisches Talent hat Moore keinesfalls verloren, doch hat er in diesem Fall nicht den richtigen Rahmen für seine Ideen gefunden.

Bewertung:

3 von 10 Punkten

von Christian Klosz

ab 18.1.2019 im Kino

Bilder: C polyfilm Verleih

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