Mit „Split“ gelang M. Night Shyamalan 2016 ein vielbeachtetes Comeback, das nächste Woche (ab 17.1. im Kino!) mit „Glass“ fortgesetzt werden soll: Sein neuer Film verbindet Handlungsstränge aus „Unbreakable“ und eben „Split“ und soll die Trilogie abschließen. Wir wagen aus diesem Anlass heute einen Rückblick auf den dritten Film des Regisseurs, „Signs“, der 2002 direkt nach „Unbreakable“ erschienen war, und durch wohl dosierte Schockelemente zu überzeugen weiß.

Pater Graham Hess (Mel Gibson) steckt nach dem Tod seiner geliebten Frau in einer tiefen Sinnkrise: Er hat aufgehört, als Pfarrer zu praktizieren. Gemeinsam mit seinen Kindern Morgan und Bo und seinem Bruder Merrill (Joaquin Phoenix) lebt er auf seiner Farm. Eines Tages entdeckt Graham riesige Kornkreise im Maisfeld, schon bald zeigt sich, dass dies kein Einzelfall ist: Weltweit tauchen derartige Zeichen, „Signs“, auf, und deuten auf einen bevorstehenden Besuch von Aliens hin. Als Reporter schließlich verstörende Bilder von fremden Wesen einfangen, und auch Hess eine erste „unheimliche Begegnung der dritten Art“ hat, scheint klar: Die Aliens sind gelandet – doch ihre Absicht bleibt unklar. Pater Hess befürchtet eine Invasion, eine feindliche Attacke, und gemeinschaftlich wird beschlossen, sich im Farmhaus zu verbarrikadieren, um vor dem erwarteten Angriff der Aliens sicher zu sein…

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Die Story ist zugegeben etwas dünn, doch das tut hier nichts zur Sache: Shyamalan setzt ganz auf sein Talent als innovativer Filmemacher, kreiert Suspense ohne Ende und auf hohem Niveau und die bekannte unheimliche Atmosphäre, die viele seiner Filme auszeichnet. Wohliges Schauern über die gesamte Laufzeit – die der Regisseur durch geschickten Einsatz inszenatorischer Mittel erreicht: Die unheimliche Bedrohung (Aliens) wird meist nur durch kurze Filmsequenzen angedeutet, sodass vieles in der Schwebe bleibt, nicht „greifbar“ wird, und deshalb umso stärker wirkt. Das alles geschieht nicht mit plumpen Effekten oder durch Jump Scares, sondern durch wohldosierte und geradezu „zurückgenommene“ Einstellungen und Effekte. Die Zusammenkunft zwischen Mensch und Außerirdischen wird nicht, wie so oft, als actionreicher Bombast verfilmt, sondern als subtiles Kammerspiel.

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Wie zumeist bei Shyamalan wird auch eine Verbindung zwischen Übernatürlichem und Spirituellem angedeutet, zwischen Horror und Schicksal; die Idee, dass alles – so unglaublich und unverständlich es auf der ersten Blick auch scheinen mag – doch irgendwie Sinn macht, einen tieferen Sinn hat und irgendwie verbunden ist. Auch dieser erzählerische Bogen, der sich in „Signs“ von Anfang bis Ende spannt und im Finale alle Fäden zusammenführt, erhört die dramaturgische Spannung ungemein, und führt zusammen mit den clever eingesetzten Schockmomenten dazu, dass „Signs“ ein sehenswerter, oft unterschätzter Film ist; ein Suspense-Thriller auf hohem Niveau eines besonderen Filmemachers, der seine eigene, originäre Handschrift entwickelt hat – und sie nach einigen Misserfolgen bei Kritik und Publikum spätestens mit „Split“ wiedergefunden hat.

von Christian Klosz

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