Sie sind aus der Horrorlandschaft der letzten Jahrzehnte kaum wegzudenken, jene Verfilmungen, welche auf Romanen des beliebten Autors Stephen King basieren. Nachdem die Euphorie aus cineastischer Sicht im letzten Jahrzehnt etwas abgeflacht war, ist es vor allem der Neuverfilmung von „Es“ vor zwei Jahren zu verdanken, dass die Flamme erneut entfacht wurde. So wurden weitere Modernisierungen bereits bekannter Stoffe mehr als wahrscheinlich und es verwundert kaum, dass heute die Neuauflage des Kultklassikers aus dem Jahre 1989, „Friedhof der Kuscheltiere“, in den österreichischen Kinos anläuft. Ob sich der Film unter den gelungenen Adaptionen einreihen darf, oder doch eher bei der großen Menge an trashigen Umsetzungen seinen Platz findet, erfahrt ihr hier.

von Mara Hollenstein-Tirk

Die Familie Creed könnte es wohl kaum besser getroffen haben: um von seinem stressigen Job als Notfallchirurg wegzukommen und so seiner Familie mehr Zeit widmen zu können, zieht der Familienvater samt Kind und Kegel in ein verschlafenes Nest namens Ludlow. Dort warten nicht nur angenehmere Arbeitszeiten auf den Vater, sondern auch ein wunderschönes Haus samt riesigem Anwesen. Hier soll ein neues Kapitel aufgeschlagen werden, das Familienglück in den Vordergrund rücken. Da trifft es sich auch gut, dass der kauzige alte Nachbar auf Anhieb einen ganz sympathischen Eindruck macht und sich blendend mit den Kindern versteht. Einziges kleines Manko, welches die sonstige Idylle stört, ist ein Haustierfriedhof, welcher sich im Wald hinter dem Haus befindet und immer wieder von den Einheimischen zur Bestattung ihrer vierbeinigen Lieblinge genutzt wird. Doch als eines Tages der geliebte Kater der Familie überfahren wird, eröffnet der hilfsbereite Nachbar dem verdutzten Familienvater, dass der Haustierfriedhof das kleinste Übel ist, das in den Tiefen des Waldes verborgen liegt.

Eine Frage drängt sich beim Zuschauer zumeist als erstes auf, wenn er das Wort „Neuverfilmung“ hört: „Weshalb braucht es sowas überhaupt?“ Eine berechtigte Frage, zumal ja offensichtlich bereits eine Adaption des Stoffes existiert. Gute Remakes haben allerdings schon oft genug bewiesen, dass sie ihre Berechtigung haben. Bestes Beispiel hierfür ist das bereits oben erwähnte Remake von „Es“ aus dem Jahr 2017 – hier wurden ein eher mäßiger Vorgänger und eine hervorragende Vorlage als Grundlage hergenommen, um einen neuen, frischen und vor allem gruseligen Horrorfilm zu kreieren, der sich auf die Stärken seines Ausgangsmaterials besinnt.

Nun wurde von Paramount Pictures, unter der Regie von Kevin Kölsch und Dennis Widmyr, der Versuch unternommen diesen Glücksgriff zu wiederholen, doch leider scheitern die Macher hierbei großteils an ihren eigenen Ambitionen. Zunächst einmal muss man dem Film allerdings zu Gute halten, dass er sich, anders als viele andere Vertreter des Genres, viel Zeit nimmt, um seine Charaktere einzuführen. Dass die Charaktere dann trotz der ausreichend auf sie verwendeten Zeit dennoch blass, gar unsympathisch, wirken, verwundert ob der durchaus fähigen Schauspieler umso mehr.

Ein weiteres Problem des durchaus löblichen Versuchs der tieferen Figurenzeichnung besteht darin, dass dadurch der Horror spürbar zu kurz kommt. Wenn nach der Hälfte der Laufzeit endlich die Katze das Zeitliche segnet, ist die Erleichterung darüber, dass die Handlung nun doch langsam in die Gänge kommt, beinahe greifbar. Die Erleichterung weicht allerdings nur allzu schnell der Ernüchterung, denn die sorgsam aufgebaute Atmosphäre wird in der zweiten Hälfte des Films einem genretypisch viel zu großzügigen Einsatz von bereits verschrienen Jump Scares geopfert. Hier kann dann auch die deutlich nähere Orientierung am Roman nicht mehr viel herausreißen, da auch auf storytechnischer Seite, wie bei so vielen Buchverfilmungen, die weggelassenen Passagen allzu auffallend sind. So fragt man sich am Ende, wenn der Abspann anläuft und die Ramones einmal mehr darüber sinnieren dürfen, wie ungern sie doch auf einem Pet Sematary begraben wären, ob es diese Neuverfilmung wirklich gebraucht hätte – und was es verdammt noch mal mit diesem Haustierfriedhof auf sich hat?!

Fazit:

Alles in allem ist „Friedhof der Kuscheltiere“ dank einer charakterorientierten ersten Hälfte und überdurchschnittlicher Schauspielleistungen kein kompletter Reinfall geworden, sondern speziell für Genrefans ein unterhaltsamer Beitrag zur großen Masse an Stephen King-Verfilmungen. Allerdings schafft es der Film, aufgrund seiner altbackenen Erzählstruktur und der allgemeinen storytechnischen Schwächen, nicht, über das Prädikat „durchschnittlich“ hinauszukommen. Seit 4.4. im Kino.

Bewertung:

6 von 10 Punkten

Bilder: © 2018 Paramount Pictures/Kerry Hayes

Werbeanzeigen