Website-Icon Film plus Kritik – Online-Magazin für Film, Kino & TV

„Im Netz der Versuchung“ – Kritik

Erwartungen sind stets ein zweischneidiges Schwert – befeuern Sie auf der einen Seite die Vorfreude zu einem lodernden Flammenmeer, sind sie auf der anderen Seite auch dazu im Stande die Wahrnehmung und Beurteilung zu verwässern, wenn dem Zuschauer die Erfüllung verwehrt bleibt. Bei einem Blick auf den Trailer oder das Poster von Steven Knights neuem Werk „Im Netz der Versuchung“ (im Original „Serenity“), suggeriert uns unser Verstand einen spannenden Thriller mit möglicherweise erotischem Einschlag. Und auch ein Blick auf den Titel lässt nicht im Geringsten auf das schließen, was der Regisseur am Ende der 106minütigen Seereise aufzeigen will.

von Cliff Brockerhoff

Worum geht es? Im Grunde lässt sich der Plot in einigen Sätzen zusammenfassen: Baker Dill, gespielt von keinem geringeren als Matthew McConaughey, verdient sein Geld damit Touristen auf seinem Boot aufs offene Meer zu begleiten um ihnen zu einem einzigartigen Angelerlebnis zu verhelfen. Das Problem dabei ist, dass Dill besessen davon ist einen überdimensionalen Fisch zu fangen, der ihm bei jedem Versuch zu entgleiten scheint. Neben dem Fokus fehlt dem braungebrannten Kriegsveteranen vor allem eines: Geld. Da kommt es ihm wie gelegen, dass plötzlich seine Ex-Frau auftaucht und ihm ein unmoralisches Angebot unterbreitet, welches er angesichts der versprochenen Belohnung in Höhe von zehn Millionen Euro nicht ablehnen kann.

Selbst an dieser Stelle scheint die ursprüngliche Vorstellung über den Ablauf des Films im Rahmen des Möglichen, nach den ersten zehn Minuten geht ebenjene Annahme aber gehörig baden. Zu verquer sind die Dialoge, zu gewollt unnatürlich sind die Kamerafahrten über den Köpfen der Protagonisten. Direkt zu Anfang wird ersichtlich, dass dieses Werk an einer desaströsen Vermarktung leidet und das falsche Publikum in die Kinos ziehen wird. Oder eben auch fast gar keines, was das unterirdische Box-Office Ergebnis in den USA beweist. Die Metaebene, die Knight in seinen Film einzuflechten versucht, ist zwar durchaus interessant und hätte unter anderen Vorzeichen mächtig punkten können, entbehrt allerdings nahezu jeglicher Spannung und wird den Großteil der Zuschauer, vor allem im Hinblick auf den sich darbietenden Megatwist, verdutzt die große Leinwand beäugen lassen.

Ganz sachlich betrachtet bietet das Werk neben seinem Mut eine sonnengeladene Meeresoptik, eine straffe Erzählweise und einen Cast, bei dem nie so genau ersichtlich ist, ob dieser absichtlich überzogen spielt oder ob er es einfach nicht besser kann. Gerade bei der männlichen Besetzung der Hauptrolle ist dies überraschend, konnte McConaughey in den vergangenen Jahren doch mit grandiosen Darbietungen in „Interstellar“ oder „Dallas Buyers Club“ für Aufsehen sorgen. Hier wirkt der Texaner allerdings arg unterfordert und kann, trotz ähnlicher Rolle, nicht an seine Leistung in „Beach Bum“ anknüpfen. Und auch die restlichen Darsteller haben allesamt deutlich beachtlichere Auftritte in ihrem Repertoire. Insbesondere Anne Hathaway, die Dills Ex-Frau verkörpert, wirkt als Femme Fatale wie ein Fremdkörper und verweilt nach der Sichtung höchstens durch ihre aufreizende Kleidung im Gedächtnis.

Fazit:

Unter der Oberfläche von „Im Netz der Versuchung“ verbirgt sich eine beachtliche Idee, in der sich der Film leider am Ende des Tages ordentlich verstrickt und sich so anstelle des Hauptgewinns nur den Preis für den bisher ambitioniertesten Film des Jahres angeln kann. Auch wenn sich die Ebenen mit ein bisschen Fantasie zusammenfügen lassen, bleibt der Großteil Stückwerk und zerschellt damit zwar nicht gänzlich an sich selber, kann das Ruder aber auch nur bedingt in eine positive Richtung rumreißen. Wer komplett ohne Erwartungen startet, kann positiv überrascht werden. Wer nach knisternder Erotik sucht, wird aber höchstens das Knistern der Popcorntüten finden.

Bewertung:

5 von 10 Punkten

Bilder: ©Universum Film

Die mobile Version verlassen