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/Slash Filmfestival: „The Gangster, the Cop, the Devil“ – Kritik

Seit seinen Anfängen räumt das /slash Filmfestival dem asiatischen Film einen prominenten Programmplatz ein, so fächert sich auch bei der zehnten Ausgabe ein breites Spektrum an Outputs des kreativen Kontinents auf. Eine dieser Facetten heißt „The Gangster, The Cop, The Devil“ und stellt neben dem russischen Publikumserfolg „Why Don’t You Just Die!“, einen weiteren Referenzpunkt zu Filmlegende Sergio Leone dar.

von Daniel Krunz

Südkorea im Jahr 2005: Ein psychotischer Serienmörder verwickelt seine Opfer in nächtliche Auffahrunfälle, um sie anschließend brutal zu erstechen. Eines Nachts gerät er dabei an den Falschen, denn sein letztes Opfer, der Gangsterboss Jang, überlebt schwer verletzt und sinnt auf Rache. Hier funkt der hartgesottene Cop Jung dazwischen, der schon länger hinter dem Killer her ist. Es kommt zum Zweckbündnis zwischen den gegensätzlichen Interessengruppen und eine rasante Wettjagd beginnt, denn wer den Killer zuerst findet, darf ihn auch behalten.

Nicht zufällig erinnert der internationale Titel von Lee Won-taes Actionthriller an Sergio Leones Western-Klassiker „The Good, the Bad and the Ugly“. Wie im zitierten Genre-Standardwerk verbünden sich zwei glorreiche Halunken, um einen noch weitaus verkommeneren dritten dingfest zu machen. Cowboy Cop und Syndikatschef, zwei Charaktere jenseits von Schwarz und Weiß schaffen eine rechtlich-moralische Grauzone und schließen einen auf Misstrauen fundierten Pakt, bei dem das Label „Handschlagqualität“ einen neue Bedeutung bekommt.

Das bewährte Sujet erweist sich als nach wie vor funktionstüchtig und die zwei Parallelwelten werden ganz nach den ästhetischen Traditionen stylischer Großstadtthriller in Szene gesetzt. Neobarocker Pomp in Gold und Purpur auf der einen, fluoreszierendes Licht und schmutzig-weiße Wände auf der anderen Seite sind die Schauplätze dieses Neon-Noir-Kunststücks. Die Nahtstelle zwischen den Dimensionen ist das schicksalshafte Bündnis, das einen gemeinsamen Berufsethos der beiden Parteien durchscheinen lässt. Zwischen Ehre und Egoismus zerrissen, kooperieren die Männer mit dem erklärten Todfeind und verwischen die Grenzen zwischen den zwei Branchen.

Ein gar nicht schwacher Hauch von Buddy-Cop Dynamik schwingt da mit, wenn sich radikaler Bulle und skrupelloser Gangster unterhaltsame Scharmützel liefern. Überhaupt durchzieht den Großstadtwestern die dezente Note eines morbiden Humors, gezeichnet von der ans Groteske grenzenden Gewaltbereitschaft des kolossalen Gangsterbosses. Der Film steht und fällt mit dessen Darsteller Ma Dong-seok („Train to Busan“), der seiner bedrohlichen Überpräsenz durchaus unterschiedliche Nuancen entlockt und dabei sein buchstäblich etwas schwächer gezeichnetes Gegenüber in den Schatten stellt. Zusammen mit den nicht immer ganz glaubwürdigen Dialogen und dramaturgischen Kniffen sind das aber verzeihliche Mankos in einem sonst durchwegs überzeugenden Genrebeitrag, der natürlich ganz wesentlich von geschickt inszenierter, knallharter Action geprägt ist. Übercoole Power-Walks in Zeitlupe, epileptisch geschnittene Kampfszenen und halsbrecherische Verfolgungsjagden sind die stilbewussten Konstanten, die über knapp 110 Minuten für kurzweiliges Amüsement sorgen.

Fazit: Lee Won-tae erzählt nicht ganz ohne Pathos von einer problematischen Männerbeziehung, die sich den Axiomen Gangsterehre und Gerechtigkeitsglauben unterwirft und verhandelt somit auch persönliche Prioritätsprinzipien, sowie ethische Flexibilität als Mittel zum Zweck. Dies geschieht vornehmlich über visuell aparte, hochspannende Setpieces, die zusammen mit der erfolgsversprechenden Prämisse die kleineren Leerstellen der Erzählung ausreichend füllen. An die kontemporären Großtaten der filmischen Hitschmiede Südkorea kommt „The Gangster, The Cop, The Devil“ damit nicht heran, teilt mit diesen aber ein gemeinsames Schicksal: die prompte Remake-Versicherung seitens Hollywood. Kein geringerer als Sylvester Stallone sicherte sich die Storyrechte und verpflichtete bereits Ma dong-Seok für die Wiederaufnahme seiner bravourös interpretierten Rolle.

Rating:

77/100

„The Gangster, the Cop, the Devil“ ist am 28.9. um 15:30 noch ein zweites Mal am /Slash-Festival zu sehen. Für weitere Bewertungen der Festival-Filme geht es hier lang: /Slash-Festival: Film-Ratings

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