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Österreichischer Hollywood-Starproduzent Eric Pleskow ist tot: Ein Nachruf

Noch diesen April feierte Eric Pleskow seinen 95. Geburtstag. Vergangenen Dienstag ist der von den Nazis aus Wien vertriebene Filmschaffende in Westport, Conneticut verstorben. Er war lange Zeit Vorsitzender wichtiger Filmstudios in Hollywood und seit 1998 Präsident der Viennale.

Am 24. April 1924 wurde Eric Pleskow in Wien geboren; damals trug er den Namen Erich Pleskoff. 1939 sah sich seine jüdische Familie gezwungen, Österreich zu verlassen. Sie reisten per Schiff nach New York. Dort traf Pleskow den Dokumentarfilmproduzenten Herbert Edwards, der ihn als Cutter anlernte. Hier sammelte Pleskow seine ersten Erfahrungen im Film-Geschäft.

Später wurde Pleskow bei der Filmgesellschaft United Artists angestellt. Für den Arbeitgeber reiste Pleskow nach Südafrika, wo er seine spätere Frau Barbara Black kennenlernte. Die beiden heiraten 1954 in Frankfurt und bekamen zwei Kinder. Zu dieser Zeit war es auch, dass Pleskow zum Europachef von United Artists aufstieg und damit zu einem wichtigen Partner zahlreicher Regisseure wurde.

1962 übersiedelte die Familie erneut nach New York, wo Pleskow schließlich zum Präsidenten von United Artists wurde. Als solcher sorgte er dafür, dass das Filmstudio drei Jahre hintereinander den Oscar für den besten Film abstaubte: er engagierte den aus der Tschechoslowakei emigrierten Regisseur Milos Forman für „Einer flog übers Kuckucksnest“, der 1976 ganze fünf Oscars erhielt. 1977 folgte eine Auszeichnung für Sylvester Stallones „Rocky“ und 1978 räumte Woody Allens „Stadtneurotiker“ ab.

Weil Pleskow unzufrieden mit den Veränderungen im Filmgeschäft war, gründete er mit Orion Pictures seine eigene Firma. Darunter entstanden Filme wie „Amadeus“, „Der mit dem Wolf tanzt“, oder „Das Schweigen der Lämmer“. Darüber hinaus sorgte Pleskow dafür, dass auch nicht-englischsprachige Filmprojekte amerikanische Gelder erhielten und förderte somit europäische Regisseure wie Federico Fellini, Bernardo Bertolucci oder François Truffaut. 1992 jedoch war die Firma insolvent und Pleskow musste aus dem Filmgeschäft aussteigen. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte er 14 Oscars für sich verbuchen.

1998 übernahm der einst aus Wien Vertriebene dann die Präsidentschaft der Viennale. 2007 wurde Pleskow zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt. 2009 erhielt er das Große Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich und 2019 den Goldenen Rathausmann. (von Paul Kunz)