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„Emma“ – Kritik zum Kinostart

von Cliff Brockerhoff

Die junge und wohlsituierte Emma Woodhouse führt ein komfortables Leben. Im England des frühen 19. Jahrhunderts ist sie die unangefochtene Anführerin der Oberschicht und besticht nicht nur mit prunkvollem Besitz und grenzenlosem Charme, sondern vor allem auch mit einem makellosen Antlitz, dem viele Männer nur allzu schnell verfallen. Doch in der Liebe will es nicht so recht klappen, und so versteht sich Emma eher darauf andere zu verkuppeln als einen Begleiter für die eigene Seite zu arrangieren. So schleicht sich der Verdacht ein, dass vielleicht nicht alle die eigene Meinung über ihre Person teilen. Als sich plötzlich immer mehr Leute von ihr abwenden, muss Emma Maßnahmen ergreifen um ihren Status als gute Partie aufrecht zu erhalten.

Die nach der Hauptfigur benannte Tragikkomödie stammt aus der Feder der neuseeländischen Schriftstellerin Eleanor Catton und entstand unter der Regie von Autumn de Wilde, die sich bisher eher im Musikbusiness einen Namen gemacht und nun mit „Emma“ ihren ersten abendfüllenden Film auf die Kinoleinwand gebracht hat. Das Werk basiert dabei auf dem gleichnamigen Roman von Jane Austen („Stolz und Vorurteil“), besticht mit einer nahezu originalgetreuen Adaption und funktioniert unter heutigen Gesichtspunkten bemerkenswerterweise auch rund 200 Jahre nach der eigentlichen Entstehung als unaufgeregte Mischung aus Romantik und Tragik.

„Emma“ (Anya Taylor-Joy) neben dem heimlichen Star des Films – „Harriet“ (Mia Goth)

Der Fokus liegt dabei ganz klar auf Emma, von der Austen einst angeblich behauptete, dass sie eine Heldin sein wird, die keiner außer ihr sonderlich mögen wird. Eine verständliche Annahme, handelt es sich bei der jungen Engländerin doch um eine zutiefst von sich selbst überzeugte Dame, die den größten Spaß dabei verspürt das Leben anderer zu manipulieren. She’s handsome, she’s rich and she’s a bit of a bitch – und doch kommt Emma nie wirklich so böse und gemein rüber, wie es zuerst den Anschein hat. Das liegt insbesondere an einer bemerkenswerten Leistung von Anya Taylor-Joy, die abermals ihr Talent zeigt und der Figur, trotz stets erhobener Nasenspitze, eine sehr menschliche und letztlich liebenswerte Komponente verleiht. Ihre Leistung wird dabei aber tatsächlich noch durch die Performance von Mia Goth überstrahlt, die Emmas naiver Freundin „Harriet“ ein Gesicht gibt. Die Rolle scheint maßgeschneidert für die brünette Londonerin, der man die innere Konfusion jederzeit ansieht, dabei aber nie dümmlich wirkt, sondern viel mehr mit einer Herzlichkeit besticht, die die blonde Aktrice an ihrer Seite ein ums andere Mal verblassen lässt.

Als alles andere als verblasst erweist sich die opulente Inszenierung des Films. Nahezu jede Szene gleicht einem Gemälde, das mühelos in einer renommierten Kunstgalerie ihren Platz finden würde. Farben, Kostüme und Kulissen sind à la bonne heure und bis ins kleinste Detail aufeinander abgestimmt, das es eine wahre Wonne ist sich in der strahlenden Schönheit der optischen Darstellung zu sonnen. Gepaart mit dem teils bissigen Humor der schrulligen Charaktere erinnert das Werk dabei nicht selten an Lanthimos‘ „The Favourite“, ohne allerdings dessen Klasse zu erreichen. Dafür ist „Emma“ letztlich zu brav. Auch wenn alles sehr schön aussieht, die Protagonisten durch die Bank überzeugen und oft ein Schmunzeln auf das Gesicht des Zuschauers zaubern können – die zwei Stunden sind leider arm an echten Highlights. Viele Dialoge führen ins Nichts und dienen dem reinen Selbstzweck, der Storyverlauf lässt sich auch von nicht fachkundigem Personal schnell erahnen und die subtile Gesellschaftskritik wird gerade in der heutigen Zeit überstrapaziert. Die selbstbestimmte Frau mit all ihren Rechten und Freiheiten hat schon oft den Weg auf die Leinwand gefunden und wirkt so eher ermüdend als erheiternd.

Authentisch bis ins letzte Detail – Kostüme und Charaktere stechen sofort ins Auge

Fazit

„Emma“ ist ein Fest für Augen und Ohren, wird sich aber nach der Sichtung nicht lange in den Hirnwindungen des Betrachters verankern. Das ruhige Fahrwasser ist dabei Fluch und Segen zur gleichen Zeit, wandelt der Film doch immer auf dem schmalen Grat zwischen beruhigender Bilderflut und belanglosem Beiwerk. So steht das „m“ im „Emma“ leider letztlich eher für mittelmäßig als für magnifique. Genrefans und Anhänger historischer Stoffe werden sich aber trotzdem erfreuen und dürfen in der Wertung einen Punkt im Geiste dazurechnen.

Bewertung

5 von 10 Punkten

Bilder: ©Universal Pictures/Focus Features

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