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Killer-Virus im All: Kritik zu „Life“ (2017)

Technologische Umwälzungen scheinen seit jeher Nährboden für die menschliche Fantasie, Eskapismus und „Science“-Fiction zu sein: Wenn die Zukunft ungewiss erscheint, muss man sich die Fantasie eine ausmalen – wie auch immer die nun aussehen mag: In in den letzten Jahren wurden wir mit Filmen wie etwa Arrival, Der Marsianer oder Passengers beglückt, die sich alle mit dem Begriffspaar „außerirdisches Leben/Weltall“ befassen.  Eine Fortsetzung der Alien-Filme von Regie-Meister Ridley Scott, Alien: Covenant, folgte. Wo lässt sich Life einordnen? Am ehesten lässt sich der Film als Alien-Kommentar verstehen: ein kleiner Blockbuster, recht solide gemacht, mehr Horror- denn Science-Fiction-Film, mit einem Schock-Finale.

von Christian Klosz

Die Crew der internationalen Raumstation ISS empfängt ein Paket vom Mars: Eine mit Proben vom roten Planeten gefüllte Box gelangt auf die Raumstation, und soll untersucht werden. Gibt es Anzeichen für außerirdisches Leben? Der Weltraumbiologe Hugh Derry (Ariyon Bakare) findet tatsächlich einen Einzeller, die Sensation ist perfekt: Der Beweis, dass wir nicht allein sind. „Calvin“ wird der Kleine getauft, der sich schließlich gar vermehrt, wächst, und mit dem Bordpersonal zu kommunizieren beginnt. Doch plötzlich entwickelt Calvin ein Eigenleben. Und für die Crew beginnt ein Kampf ums Überleben.

Regisseur Daniél Espinosa orientiert sich mit Life eher an der Alien-Reihe als am großen Weltraumklassiker 2001 – Odyssee im Weltraum (Stanley Kubrick). Sein Film lässt sich also dem Science-Fiction-Horror-Genre zuordnen. Als tiefgründig lässt sich Life wirklich nicht bezeichnen:  Vielmehr handelt es sich um einen kompakten Blockbuster, der durch relativ solide inszenierte Schockmomente sein Publikum zu fesseln versucht.

Formal solide – Inhaltlich leer

Das gelingt phasenweise ganz gut. Auch an handwerklichen Aspekten des Films gibt es nichts auszusetzen. Die Regie ist größtenteils fehlerlos (wenn auch nicht überragend). Auch die visuelle Umsetzung ist ordentlich. Allerdings kann der Film mit Fortschreiten der Handlung nicht verstecken, dass eine gewisse „Tiefe“ – die z.B. auch andere ähnliche Blockbuster wie Sunshine ausmachen – fehlt:  Die Frage, was denn nun der Beweis extraterrestrischen Lebens für die Menschheit bedeutet, wird gar nicht erst gestellt.Stattdessen probiert sich Life als Instant-Schocker, der auf engem Raum Horror erzeugen möchte.

Den Schauspielern ist in Life eine untergeordnete Rolle zugewiesen: Entweder sie sterben früh (Ryan Reynolds), oder bleiben farblos (Jake Gyllenhall). Der zentrale Darsteller des Weltraum-Streifen ist das CGI-Wesen Calvin.

Visuell ist der Klassiker Alien – trotz einiger Jahre mehr auf dem Buckel – vorzuziehen. Ein Mehr an technischen Möglichkeiten bedeutet eben nicht immer ein besseres Ergebnis. Jüngere Weltraumfilme gibt es interessantere (Passengers), poppigere (Sunshine), lustigere (Der Marsianer) und intelligentere (Arrival). Und mit 2001 braucht sich Life nicht mal ansatzweise messen.

Das Einzige, was „Life“ nun wirklich sehenswert macht, ist das Schock-Finale, das hier natürlich nicht verraten wird. Ansonsten ist Life ein solider, durchschnittlicher, handwerklich gut gemachter Horror-Science-Fiction-Film, der sich qualitativ eher am Ende einer Reihe neuer Science-Fiction-Filme einreiht.

Fazit:

An Life lässt sich nicht viel aussetzen, aber eben so wenig Positives hervorheben. Im Fahrwasser vom Klassiker Alien versucht sich der Film als Horror-Schocker, ohne dabei jemals das Niveau des Vorbildes zu erreichen. Kann man sich ansehen, muss man aber nicht. Am ehesten werden hier noch Fans von Twist-Enden auf ihre Kosten kommen. Allen anderen sei ans Herz gelegt, sich den Klassiker Alien zu Gemüte zu führen.

Bewertung:

6 von 10 Punkten

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