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Filmothek #51: „Der Marsianer“ – Kritik

Gastbeitrag von Göran Ruser

Mark Watney (Matt Damon), einer von sechs Crewmitgliedern der Mars-Raumfahrt-Mission Ares III, wird nach einem verheerenden Sandsturm irrtümlich für tot gehalten. Allein auf der Marsbasis zurückgeblieben, errechnet er mithilfe eines Versorgungsplans seine Überlebenschancen bis zur nächsten Mars-Mission. Mit dem 1997 auf dem Mars zurückgelassenen Roboter ‚Pathfinder‘ gelingt es ihm schließlich, Kontakt zur Erde aufzunehmen. Doch ein Unfall an der Basis zerstört seine Lebensvorräte. Währenddessen stellt sich seine Crew gegen die Pläne der NASA und reist noch nicht zurück zur Erde – denn Mark Watney soll gerettet werden …

Lohnt sich das?

Das dritte Jahrtausend hat es gezeigt: Es gibt ein Weltall jenseits von Star Wars oder Star Trek. Und das wurde in den letzten Jahren mit den erfolgreichen Filmen Gravity (2013), Interstellar (2014) und eben Der Marsianer (2015) zart aber prägnant bevölkert. Letztgenannter gewinnt vor allem durch seine humorvolle Herangehensweise an ein letztlich doch sehr spannendes Drama. Oder doch etwa Komödie? Schließlich gewann Der Marsianer bei den Golden Globes 2016 die Preise Bester Hauptdarsteller (Damon) und Bester Film jeweils in der Kategorie Komödie oder Musical! So far, so überraschend.

Andererseits hat der Film in der Tat seine witzigen Momente. Matt Damon alias Jason Bourne kann es zwar ernst, aber wie in der Oceans-Trilogie halt auch mit Ironie. Selbst in scheinbar auswegloser Situation geht ihm auf dem Mars der Humor nie ganz verloren. Die Stimmung des Films ist dennoch insgesamt von positiv-seriöser, interstellarer Kraft getragen. Es geht um Hoffnung, Teamgeist – die Philantropie schwebt beinahe schwerelos vom roten Planeten bis zum (Heim-)Kinosessel. Selbst NASA-Direktor Sanders (Jeff Daniels), der wegen drohender Budgetkürzungen durch den Kongress sämtliche Rettungsunternehmungen untersagt, will nicht so wirklich als Bösewicht taugen. Zu übermächtig scheint der Rettungsgedanke aller anderen Beteiligten (auch bei ihm selbst?). Sei es in den NASA-Basis-Stationen auf der Erde oder innerhalb Mark Watneys Mars-Missions-Team, das zeitgleich im All seine Kreise zieht. Bei den Crewmitgliedern menschelt es genauso heftig, etwa bei der sonst eher tougheren Kommandantin Lewis (Jesssica Chastain) oder in der vielleicht witzigsten Szene des Films, als Watney mit Crew-Miglied Martinez (Michaels Pena) chattet:

Sorry, dass wir dich auf dem Mars gelassen haben. Aber wir mögen dich einfach nicht. Hier auf der Hermes erledigen wir abwechselnd deine Aufgaben. Aber es ist ja nur Botanik. Keine echte Wissenschaft. Wie ist’s auf dem Mars …?  

            (Martinez, mit leichter Ironie)  

Die Schauspieler agieren wie eine Familie, die sich blind versteht. Die eher konträr zu ihren sonstigen Filmfiguren besetzten Mimen Jeff Daniels als Hardliner allein auf weiter Flur und Sean Bean als Gutmensch kommen nicht so richtig aus den Socken. Dafür sind die Rollen und auch die schauspielerische Umsetzung zu eindimensional geraten. Die anderen erledigen ihren Job zur allgemeinen Zufriedenheit. Aber letztendlich steht auf der Verpackung Matt Damon. Und genau diese gute Zutat ist auch drin. Wenn man ihn oder sein alter Ego Watney nicht besonders mag, hat man in den 144 Minuten so seine Probleme. Ansonsten bewegt man sich auf unterhaltsamem, schwerelosem „Terrain“. Regisseur Ridley Scott (Blade Runner, Gladiator, Hannibal) inszeniert mit seiner Special-Effects-Mannschaft MPC gekonnt und effektvoll. Darunter befindet sich mit Chris Lawrence ein virtuoser Handwerker, bereits 2014 gewann er mit Gravity den Oscar für die besten visuellen Effekte. Mögen sich die ersten 30 Minuten noch etwas träge anfühlen, so nimmt der Film anschließend dank der weltraum-sicheren Manöver seines Regisseurs an bewegter Fahrt auf. Das war’s aber auch schon an Kritik.

Noch eine Bemerkung zu den Drehorten: Bulgarien (Studio) und Jordanien (wie bei Red Planet, 2000). Mal was anderes für die Mars-Story. Aber hier sollen keine Illusionen zerstört werden. Der Film ist durch und durch marsianisch.

Fazit

Ein echter Blockbuster mit einem Matt Damon, der als passionierter Mars-Botaniker alle Survival-Register zieht und damit überzeugen kann. Entstanden ist zwar, milieubedingt, keine Charakterstudie à la Taxi Driver. Wer sich jedoch auf Thema und Inszenierung einlässt, lässig zurücklehnt, die ungeraden Wissenschaften auch mal gerade sein lässt und endlich wieder „abheben“ will, für den funktoniert das spannende Abenteuer abgespaced hervorragend. All … das hat man ähnlich verpackt schon gesehen, aber noch nicht in dieser Form und so unterhaltsam komponiert – inklusive 70er Jahre Disco-Soundtrack. Mars macht eben immer noch verdammt mobil.

Autoreninfo: Göran Ruser ist Jurist und Texter. Weitere Infos zu seinem Tätigkeitsbereich lassen sich auf seiner Website www.gospell.de nachlesen.

Bilder: 20th Century Fox

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