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Streaming-Tipp des Tages #26: „The Hunt“ (Filmkritik)

Nachdem der Kinostart der Blumhouse-Produktion „The Hunt“ aufgrund eines Attentats in den USA letzten Herbst abgesagt wurde, landete er dann Anfang März dort doch im Kino – zumindest kurzzeitig, denn dann kam Corona. Bei uns wurde der Kinostart verschoben, dann abgesagt, und nun hat sich Universal entscheiden, den Film als VOD zu veröffentlichen. Er ist ab heute, 14.5. online verfügbar.

von Christian Klosz

Der Ruf eilt „The Hunt“ voraus: Kolportiert wurde, dass in dem Film links-liberale US-Bürger Jagd auf Angehörige der (konservativen) Arbeiterklasse machen würden, (vorauseilende) Kritik kam von beiden Enden des politischen Spektrums. Geworden ist „The Hunt“ eine durchaus unterhaltsame und kurzweilige Satire, die sich insbesondere mit der Selbstgefälligkeit und dem Überlegenheitsdenken selbstenannter liberaler Eliten anlegt, und so einen wunden Punkt der US-Gesellschaft trifft. Der Film hegt Sympathie für die „einfachen Leute“, während er sich für besonders aufgeklärt haltenden Eliten schonungslos einen Spiegel vorhält, aus dem boshafter Chauvinismus und „Sozialrassismus“ zurückfunkeln.

„The Hunt“ beginnt unvermittelt: Eine Gruppe US-Amerikaner findet sich plötzlich auf einer Waldlichtung wieder, den Mund geknebelt und nicht wissend, wo man überhaupt ist. Aus der Umgebung wird auf die Gruppe gefeuert, die zur Verfügung stehenden Waffen zur Selbstverteidigung können wenig gegen die Schüsse aus dem Hinterhalt ausrichten. Nach einer Weile erfahren wir, dass die Gruppe rund um Hauptfigur Crystal (Betty Gilpin) sich in einem osteuropäischen Land befindet, wohin sie offenbar von „Liberalen“ für ein perfides Spiel gebracht wurde. Den „Rednecks“ wird vorgegaukelt, sie seien in den USA, doch die Jagd auf sie ist echt: Die Liberals machen sich einen Spaß daraus, das von ihnen als unwert empfundene Leben der Rednecks auszulöschen, diese seien aus ihrer Sicht ohnehin nur pigs und im besten Fall dumme Idioten, während man sich selbst bei Unterhaltungen über gendergerechte Sprache oder die richtige Ernährung gegenseitig die eigene (moralische) Überlegenheit bestätigt.

Es mag Menschen geben, denen diese Satire zu weit geht, die sie übertrieben oder zynisch finden – genau dann aber hat sie bereits ihren Zweck erfüllt: Sie legt den Finger in offene Wunden. Insofern bestätigt gerade der Aufschrei, die Empörung einiger linker US-Kritiker die Notwendigkeit von Filmen wie „The Hunt“, der die Spaltung der US-Gesellschaft messerscharf analysiert und aufs Korn nimmt, und eine Mitschuld liberaler Eliten konstatiert. Gleichzeitig ist in „The Hunt“ aber auch keine Sympathie für Politikzugänge a la Trump erkennbar, sondern lediglich Sympathie für „einfache Menschen“, Durchschnittsbürger, die sich nichts zuschulden kommen haben lassen, außer, nicht den Eliten anzugehören, aufgrund fehlender Bildung nicht deren Sprache zu sprechen und die zu Unrecht diskreditiert werden, unter die Räder kommen und aus gesellschaftlichen Diskursen ausgeschlossen werden.

Bei aller Ernsthaftigkeit sollte man aber nie vergessen, dass „The Hunt“ eben eine Satire ist, eine ziemlich unterhaltsame noch dazu, kein Filmrealismus, und man sollte das Ganze nicht allzu ernst nehmen.

Zuletzt muss die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin Betty Gilpin hervorgehoben werden, die als klassische Anti-Heldin positioniert wird, und im grandiosen Shooutout-Finale der versnobten Endgegnerin (ebenfalls überzeugend: Hilary Swank) noch ein letztes Mal deren Maske vom Gesicht ziehen, sprich: ihre Scheinheiligkeit entlarven darf. Alles in allem ist „The Hunt“ eine clevere, kurzweilige, unterhaltsame Thriller-Satire, die solide inszeniert ist und vor allem ob seiner politischen Aussage von Interesse ist.

Bewertung:

7 von 10 Punkten

Wo zu sehen?

„The Hunt“ wurde heute bei diversen Anbietern veröffentlicht. Bei den meisten kostet er ca. 15€ (u.a. im Sky Store oder bei Google Play). Bei Amazon ist er bereits ab 3.99€ (SD) bzw. 4.99€ (HD) zu leihen.

Bilder: Universal Pictures


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