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„Die Turteltauben“ (Netflix) – Kritik

von Mara Hollenstein-Tirk.

Netflix: Der Streamingriese, der, auch aufgrund der derzeitigen Kinoschließungen, so viele Abonnenten verzeichnen kann wie noch nie zuvor, ist inzwischen aus dem Filmmarkt nicht mehr wegzudenken. Immerhin haben Produktionen wie „The Irishman“, „Marriage Story“ oder zuletzt auch „Tyler Rake“ sowohl bei Kritikern, als auch beim Publikum ganz gut abgeschnitten, und stellten auch finanzielle Erfolge dar. Kein Wunder also, dass Netflix der Originals nicht müde wird und sich auch gerne bereits bekannte Namen für diese Projekte sichert.

Einer dieser Namen ist zum Beispiel Kumail Nanjiani, der spätestens mit dem 2017-er Überraschungshit „The Big Sick“, bei dem Nanjiani am Drehbuch mitschrieb, beweisen konnte, dass er neben der Stand-up-Comedy auch etwas von der Schauspielerei versteht. Ihm zur Seite steht hier Issa Rae, die den meisten eher aus dem Serienkosmos bekannt sein dürfte, sich aber in den letzten Jahren unter anderem eine Nebenrolle in „The Hate U Give“ sichern konnte. Gemeinsam tragen sie die RomCom-Produktion „The Lovebirds“ (zu deutsch „Die Turteltauben“) auf ihren Schultern, was, eingedenk der deutlichen Schwächen des Drehbuchs, ein wahrer Glücksfall ist. Denn auch wenn sich die Prämisse für eine RomCom ganz amüsant anhört – ein zerrüttetes Paar wird Zeuge eines Mordes, beschließt auf eigene Faust zu ermitteln und wird durch dieses gemeinsame Abenteuer wieder zusammengeschweißt – fehlt es dem finalen Film leider ein wenig an Witz, Raffinesse und Kreativität.

Das wird bereits dadurch deutlich, dass sich die Macher bei einer Schlüsselszene mehr als großzügig bei „Eyes Wide Shut“ als Inspirationsquelle bedient haben. Doch auch abseits der entweder zu bekannt oder zu beliebig wirkenden Sets wissen die Verantwortlichen leider recht wenig mit ihrer Ausgangslage anzufangen, und verlassen sich so lieber auf gern eingesetzte Stilmittel (böse Zungen würden sagen: Klischees), damit ihre Gags wenigstens ab und an zünden. Dass beide Protagonisten nur allzu oft viel zu schnell und auch noch gleichzeitig anfangen zu reden, ist dabei eines der nervigeren Elemente, ihre teilweise schon lächerlich kurze Aufmerksamkeitsspanne eines der irritierenderen.

Wie oben bereits erwähnt gibt es allerdings zwei wichtige Punkte, die für den Film sprechen und es sogar schaffen, dass man bei all dem Chaos seinen Spaß hat: Kumail Nanjiani und Issa Rae. Bei den beiden stimmt nicht nur die Chemie, sie beweisen auch großes komödiantisches Talent – und entlocken einem dadurch sogar bei den teils viel zu überspitzten Wortgefechten zumindest ein Schmunzeln.

Fazit

Alles in allem lebt „Die Turteltauben“ von der hervorragenden Chemie und dem großen Talent seiner beiden Hauptdarsteller, dank derer die eher bemüht als gekonnt wirkende Geschichte zu einem ganz unterhaltsamen Film avanciert, der allerdings trotzdem nur knapp über dem Genre-Durchschnitt anzusiedeln ist.

Bewertung

6 von 10 Punkten (60/100) 

„Die Turteltauben“ ist seit Ende April auf Netflix zu sehen.

Bilder: (c) Netflix

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