Website-Icon Film plus Kritik – Online-Magazin für Film, Kino & TV

„Da 5 Bloods“ (Netflix) – Kritik

Nachdem Spike Lee in den späten 80-ern und früher 90-er-Jahren mit Kultfilmen wie „Do The Right Thing“ und „Malcolm X“ von sich reden machte, wurde es in den 2000-ern eher ruhig um den politisch engagierten Regisseur. Bis er 2018 mit „Blackkklansman“ plötzlich einen sprichwörtlichen Home-Run hinlegte. Zwar reichte es „nur“ für den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch (und Platz 1 bei den Film plus Kritik-Jahrescharts 😉 ), aber so oder so war der Filmwelt augenblicklich klar, dass Lee auf die große Bühne zurückgekehrt ist. Seine neueste Regiearbeit trägt nun also den Namen „Da 5 Bloods“, wurde von Netflix produziert und ist  dort seit dem 12. Juni abrufbar.

von Mara Hollenstein-Tirk

Ähnlich wie bei „Blackkklansman“ ist auch bei „Da 5 Bloods“ Lees gesellschaftspolitische Agenda in beinahe jeder Szene deutlich spürbar. Hier wie dort setzt Lee zur Unterstreichung seiner Botschaft echtes Filmmaterial ein und mischt es mit für den Film gedrehten Szenen. So versetzen einem bereits die ersten Bilder des Films einen kräftigen Schlag in die Magengrube, wenn man zunächst Ausschnitte aus Interviews sieht, in denen die verschiedenen US-Präsidenten den Vietnamkrieg rechtfertigen, und in der nächsten Einstellung Originalaufnahmen aus Vietnam gezeigt werden, wo Menschen auf der Straße hingerichtet werden oder von Bomben verstümmelt auf dem Boden liegen.

Erstaunlicherweise beginnt der eigentliche Film dann aber regelrecht heiter. Wenn sich die vier Kriegsveteranen und Freunde Eddie, Paul, Otis und Melvin vier Jahrzehnte nach Kriegsende in Ho-Chi-Minh-Stadt treffen, um die im Dschungel zurückgelassenen Überreste ihres damaligen Freundes und Truppführers Norman zu bergen, dann könnte man direkt meinen, dass Lee hier gerade seine rührselige Seite erforscht. Sobald aber klar wird, dass es eigentlich darum geht, ein paar Goldbarren wiederzufinden, die damals an eben derselben Stelle wie ihr Truppführer zurückgelassen werden mussten, weiß man eigentlich auch schon, wo die Reise hingehen wird.

Wo man auch schon bei jenem Punkt angelangt ist, den man als größtes Manko des Films bezeichnen könnte. Denn obwohl die Schauspieler allesamt ihr Bestes geben und gerade in der Gruppendynamik sehr viel Zündstoff steckt, nimmt das Ganze einen sehr vorhersehbaren Verlauf. Zwar kann man nicht alles bis ins kleinste Detail vorhersagen, aber sobald die vier Bloods – eigentlich fünf, da sich der Sohn eines Kameraden ungefragt zur Gruppe gesellt, was natürlich noch mehr emotionalen Ballast mit sich bringt – einmal den Dschungel betreten haben, riecht man die großen „Twists“ eine Meile gegen den Wind. Neben dieser Vorhersehbarkeit ist es vor allem der in Bild- und gesprochener Sprache so oft hervorgeholte Zaunpfahl, der einen gelegentlich etwas aus der Geschichte reißt, da man das Gefühl nicht los wird, dass Lee hier und da ein wenig zu aufdringlich versucht, einem seine Message einzuprügeln.

Doch trotz der eben erwähnten Kritikpunkte lässt sich nicht bestreiten, dass Lee hier einen wirklich starken Film abgeliefert hat, der sich durch eine ganz eigene Inszenierung, bei der sogar das Bildformat selbst zum storytelling gehört, hervorragende schauspielerische Leistungen und einen gelungenen Mix aus Drama, Kriegsfilm, Action und Abenteuerfilm von der breiten Masse deutlich abhebt und auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer hinterlassen wird.

Fazit:

Alles in allem verzeiht man dem Film die eher generische Handlung und Figurenzeichnung, ebenso wie den zuvor erwähnten Zaunpfahl, gerne, da die Botschaft, auch wenn sie einem gelegentlich zu sehr aufgedrückt wird, eben eine sehr wichtige ist – gerade auch in der heutigen Zeit. Denn Krieg, Rassismus und Hass sind nie der richtige, sondern immer der schlechteste Weg. Und jeder Film, der diese Botschaft  klar und deutlich zum Ausdruck bringt, gehört gesehen und unterstützt.   

Bewertung:

8 von 10 Punkten (83/100)

Bilder: (c) Netflix

Die mobile Version verlassen