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„Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ – Kritik zum Netflix-Start

von Mara Hollenstein-Tirk

Auch wenn es Fans des amerikanischen Comedians Will Ferrell nur ungern zugeben, aber seine Projekte ähneln nicht selten einem Münzwurf. Auf jeden „Anchorman“ folgt ein „Sherlock and Watson“, auf jeden „Stiefbrüder“ ein „Die Eisprinzen“. Nicht selten verwendet Ferrell in seinen Werken die immer selben Sujets, verlässt sich auf den stets gleichen Humor, weshalb er umso leichter damit fehl gehen kann, schließlich hat man genügend Material für einen ausgiebigen Vergleich parat.

Auch die neueste Netflix-Produktion „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“, übrigens neben dem vollen Titel von „Birds of Prey“ wohl ein heißer Kandidat für den sperrigsten Filmtitel 2020, enthält viel Altbekanntes und Bewährtes der Ferrell’schen Formel, sogar was die Prämisse betrifft. Auch wenn der Wunsch eines fiktiven Duos aus Island, den Eurovision Song Contest zu gewinnen, zunächst erfrischend neu, unverbraucht und vielversprechend klingt, merkt man vor allem in der ersten Hälfte, dass es eigentlich wieder einmal lediglich um einen kindlichen Mann geht, der einfach nicht erwachsen werden will und sich nichts sehnlicher wünscht, als die Anerkennung seines Vaters. Erst in der zweiten Hälfte beginnt sich der Film ein wenig von der Figur Ferrells zu lösen und sowohl dem eigentlichen Contest, als auch Rachel McAdams weiblicher Hauptfigur endlich mehr Raum zu lassen. Ebenso wie die erste, kämpft dann aber auch die zweite Hälfte des Films mit Klischees, Vorhersehbarkeiten und tonalen Unstimmigkeiten. Klar, der ein oder andere Gag zündet durchaus, und auch ein paar der herzlicheren Momente wissen zu berühren, aber über all dem schwebt eine stete Unsicherheit, was denn nun eigentlich die Intention hinter dem Ganzen sein sollte. Für eine gelungene Persiflage wirkt es nämlich viel zu zahm, für eine Hommage dann aber wieder zu bissig.

Am ehesten findet man sich in einer RomCom in einem musikalischen Setting wieder, das wohl vor allem Fans des echten, jährlich stattfindenden Spektakels begeistern wird – hier dürften unter anderem ein paar unerwartet Cameos für ein breites Grinsen auf den Gesichtern Eingeweihter sorgen. Doch auch abseits der bekannten Gesichter weiß der Film auf musikalischer Ebene durchaus zu überzeugen. Dabei geht es genauso bunt und vielseitig zu wie beim Original, und vor allem die letzte Performance sorgt für einen besonderen Gänsehautmoment und sollte bei den diesjährigen Oscars zumindest mit einer Song-Nominierung bedacht werden.

Neben den musikalischen Einlagen sind es aber vor allem die Schauspieler, welche den Zuschauer bei der Stange halten und dafür sorgen, dass man, trotz relativ plumper Charakterzeichnungen, mit den Figuren mitfühlt. Neben Will Ferrell und Rachel McAdams als Liebespaar in spe mit großartiger Chemie muss hier vor allem Dan Stevens als russischer Kandidat erwähnt werden, der nicht nur während seiner Bühnenperformances allen die Show stiehlt. Und ja, auch Pierce Brosnan sieht man einfach immer wieder gerne, egal wie klein seine Rolle auch sein mag.

Fazit

Alles in allem ist „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ ein Film mit vielen Schwächen und einigen Längen, eine Laufzeit von 90 Minuten anstelle der knapp 2 Stunden hätte hier locker ausgereicht, aber eben auch mit einem sympathischen Cast und dem Herz am rechten Fleck, weshalb man zwar nicht in Jubelstürme ausbrechen wird (außer man ist absoluter Fan von Will Ferrell oder dem Eurovision Song Contest), die Sichtung aber auch nicht bereuen wird.

Bewertung

5 von 10 Punkten (53/100)

Bild: (c) Netflix

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