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„Edison – Ein Leben voller Licht“ – Kritik

Man kennt sie gut, denn sie finden regelmäßig ihren Weg auf die Kinoleinwände: Biopics über historische Figuren, meist ein Genie mit bekanntem Namen, dem ein filmisches Denkmal gesetzt werden soll. Das Problem dabei ist, dass es diesen Biopics häufig schwerfällt, sich aus der Masse vergleichbarer Filme abzuheben. Ob „Edison – Ein Leben voller Licht“ heller strahlt als seine Genregenossen oder ob er es verdient, im Dunkeln zu verschwinden, erfahrt ihr in dieser Kritik.

von Paul Kunz

Die Handlung konzentriert sich auf Erfinder Thomas Edison (Benedict Cumberbatch), der sich in den späten 1880ern einen erbitterten Wettstreit mit seinem Rivalen George Westinghouse (Michael Shannon) liefert. Beide wollen ein marktfähiges Elektrizitätssystem erfinden und möglichst viele Städte über ihr jeweiliges System mit Strom versorgen. Der große Unterschied zwischen den beiden Herangehensweisen: Während Edison auf Gleichstrom setzt, möchte Westinghouse den Wechselstrom etablieren. Doch dieser Stromkrieg („The Current War“ lautet der weitaus weniger verkitschte englische Originaltitel) stellt Edison vor die schwierige Entscheidung, wie weit er bereit ist, seine eigenen Prinzipien für den Erfolg zu verraten.

Was auf dem Papier nach Hochspannung klingt, ist als Endprodukt leider eine wenig elektrisierende Angelegenheit. Denn die meiste Zeit ist „Edison – Ein Leben voller Licht“ nichts als langweilig. Überraschenderweise liegt das nicht daran, dass der Film zu wenig Neues abseits des formalhaften Biopic-Aufbaus bietet, denn die Rivalität zwischen Edison und Westinghouse im Zentrum der Handlung ist prinzipiell frisch und lässt zu Beginn des Films auf große Unterhaltung hoffen. Doch die Hoffnung wird schnell im Keim erstickt, denn Regisseur Alfonso Gomez-Rejon inszeniert den Konflikt als äußerst lustlose Angelegenheit: Ewig auf der Stelle tretend beteuert Edison Mal um Mal, dass Gleichstrom sicherer sei, woraufhin Westinghouse gebetsmühlenartig wiederholt, dass Wechselstrom dafür weitaus weniger Geld koste.

Zwar legt der Fokus seinen Film auf Edison, doch es ist endlos schade, dass Westinghouse als dessen Rivale niemals Charaktertiefe entwickeln darf und Schauspieltalent Michael Shannon somit völlig unterfordert bleibt. Auch der prominente Nebencast, der Tom Holland als Edisons Assistent Samuel, Nicholas Hoult als Erfinder Nikola Tesla und Katherine Waterston als Westinghouses Ehefrau Marguerite umfasst, bleibt blass und erhält kaum Möglichkeit zu glänzen. Einzig Benedict Cumberbatch bekommt als Edison ein wenig mehr zu tun, denn dieser wird vom Drehbuch glücklicherweise nicht nur als heldenhafte Lichtgestalt verehrt, sondern durchaus als Figur mit Schattenseiten porträtiert. Und Benedict Cumberbatch schafft es gekonnt, diese verschiedenen Gesichter eines Mannes, der seine moralischen Prinzipien mehrfach überdenken muss, glaubhaft zu vereinen. Dies zählt auch zu den interessanteren Facetten der ansonsten öde dahindümpelnden Handlung.

Alles andere als öde ist dagegen die Kameraarbeit von Chung-hoon Chung, der Freude an eigenartigen Winkeln, blitzschnellen Schwenks, Zooms und Fischaugenlinsen findet. Das gefällt und bringt Schwung in den Film, lässt allerdings auch keine künstlerische Intention abseits des Selbstzwecks erkennen und wirkt beizeiten wie ein Versuch, den Film zumindest visuell irgendwie hervorstechen zu lassen. Nichtsdestotrotz ist es einer der gelungeneren Aspekte des Films, denn gemeinsam mit den ansehnlich gestalteten Sets und Kostümen des späten 19. Jahrhunderts macht „Edison – Ein Leben voller Licht“ immerhin ästhetisch was her.

Fazit

„Edison – Ein Leben voller Licht“ ist trotz seiner Fehler kein gänzlich misslungener Film. Doch er zeigt eindrucksvoll, dass ein talentierter Cast, eine unkonventionelle Kameraführung und eine schöne Ausstattung bei elegantem Score nicht ausreichen, um Spannung zu erzeugen, wenn ein schwaches Drehbuch das Mitfiebern nicht erlauben will. Wer historische Biopics mag oder sich für die Thematik interessiert, kann dennoch Freude am Film haben und womöglich etwas Neues lernen. Alle anderen dürften den Gang ins Kino wenig erhellend finden.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

Bilder: © Filmladen Filmverleih