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„Exorzismus 2.0“ – Kritik zum Heimkino-Start

von Cliff Brockerhoff

Exorzismus 2.0 – ein Titel, der beim bloßen Hören die Augäpfel dezent gen Norden wandern lässt. Irgendwie affektiert, zu sehr an die Neuzeit angebiedert und im schlimmsten Falle doch lediglich eine neue Version von bereits gesehenem. Glücklicherweise handelt es sich hierbei aber nur um den eingedeutschten Titel, der Originaltitel des Werkes, das nun knapp ein Jahr nach seinem eigentlichen Produktionsjahr den Weg in europäische Gefilde findet, lautet „The Cleansing Hour“ und mutet somit zumindest nicht mehr ganz so erzwungen an.

Und doch, die dargebotene Story passt tatsächlich auch zum deutschen Titel, konfrontiert uns der Handlungsverlauf doch mit einem Team, das vor laufender Kamera Austreibungen durchführt, die Geschehnisse live im Netz streamt und auf Teufel komm raus nach Fame strebt. Hauptakteur Max, seines Zeichens Wortführer und Priester der Truppe, hat neben den Dämonen auch immer die Aufrufzahlen im Blick und sehnt sich nach der Verifizierung seines Instagram Accounts. Kein Wunder also, dass die gescheiterten Filmemacher immer krassere Shows anbieten müssen um das anspruchsvolle Publikum zu unterhalten. Das Problem dabei: es ist alle Fake. Als sich dann plötzlich ein echter Dämon in das Studio des Teams verirrt schießen die Zahlen in die Höhe, und nicht zuletzt auch der Puls der Möchtegern Geisteraustreiber.

Das schon sehr lange filmisch behandelte Sujet des Exorzismus wird somit in die Moderne gehievt. Anstelle einer Nervenheilanstalt stellt ein Filmset die Kulisse und statt eines ausgebildeten Paters steht ein angehender Influencer im Rampenlicht. Die Inszenierung besitzt somit durchaus das Potential sowohl traditionelle, als auch frisch gebackene Horrorfans anzusprechen, da sich beide Parteien in bestimmten Parametern des Films wiederfinden. Ein stabiles Fundament also, welches allerdings ebenso schnell wie das Lügenkonstrukt der Darsteller in sich zusammenfällt. Dafür ist „Exorzimus 2.0“ trotz großer Bemühung dann doch zu repetitiv und zu wenig kreativ. Der Widerhall der Kritik an neumodischen Verhaltensweisen im Internet geht in käsigen Dialogen und klischeebehafteten Storyverläufen unter. Einblendungen von Kommentaren, die beispielsweise das toxisch anonymisierte Verhalten im Netz trefflich spiegeln, sind eine super Idee; entziehen sich aber durch zu schnelle Schnitte dem Blickfeld des Zuschauers, der nach drei gelesenen Worten dann lieber wieder mit der Schwadronie des Casts konfrontiert wird. Dieser gibt schauspielerisch sein Bestes, kommt aber auch nie über den Durchschnitt hinaus.

Die besten Momente bietet das Werk eigentlich dann, wenn es offensichtlich selbstironisch agiert und sich eingesteht, dass ihm die Substanz für echten Grusel abgeht. Die handgemachten Effekte wirken allesamt hochwertig und führen immer mal wieder zu kleinen Gewaltspitzen, doch letztlich findet sich hier nichts Neues oder gar eigenständiges. Als der Film sich gegen Ende auch noch an einem geschickt ausgeklügelten Twist versucht, gibt es für die Augäpfel kein Halten mehr. Der Zwiespalt zwischen amüsanter Persiflage und ernstzunehmendem Horrorfilm misslingt, bietet von beiden Seiten jeweils ein bisschen aber kann sich aufgrund von mangelnder Durchschlagskraft nicht im Inneren des Betrachters verankern, sodass es keinem Exorzismus, sondern lediglich ein paar Umdrehungen auf der Uhr bedarf um den Großteil des Gesehenen schon wieder aus den Hirnwindungen zu verbannen.

Fazit

Im Endeffekt trifft der Film den heutigen Zeitgeist, allerdings nicht so wie er es beabsichtigt hatte. Anstelle von bissiger Gesellschaftskritik kommt „Exorzismus 2.0“ doch erschreckend zahnlos daher und erinnert mit seinem unsympathischen Cast und der beinahe albernen Entwicklung eher an eine schlechte Folge „Supernatural“ als an einen echten Horrorfilm. Die wertige Produktion und einige nette Einfälle manövrieren die Güte noch in durchschnittliches Terrain, wirklich viele Likes oder Follower wird was Werk aber nicht erhaschen.

Bewertung

4 von 10 Punkten

Bewertung: 4 von 10.

Bilder: ©EuroVideo Medien GmbH

Wer sich trotz der ausgesprochenen Warnung von der Prämisse angesprochen fühlt, kann sich das Werk ab dem 13. August als video-on-demand oder eine Woche später als BluRay oder DVD ins Haus holen.

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