Dass aus Videospielen TV-Serien oder gar Kinofilme entstehen, ist nichts Neues. Schon seit den Neunziger Jahren haben die Filmstudios dieses Feld für sich entdeckt. Damals kam etwa „Super Mario Bros.“ ins Kino, der lose auf dem beliebten Spiel von Nintendo basiert (unsere vernichtende Kritik dazu kann man HIER nachlesen). Zuletzt landete bekanntlich die erste Live Action-Pokemon-Verfilmung im Kino, gefolgt von „Sonic, the Hedgehog“: Wenngleich qualitativ nicht immer ein Treffer, erfreuen diese Adaptionen meist ein junges Publikum oder Nostalgiker, die sich an die animierten Helden ihrer Kindheit und Jugend erinnern möchten. An den Kinokassen konnten gerade die Letztgenannten durchaus reüssieren, auch die eher inhaltsarme Verfilmung des ebenso inhaltslosen Spaß-Spiels „Angry Birds“ (bekam inzwischen bereits einen zweiten Kinofilm!) spielte über 350 Millionen US-Dollar ein. Doch auch eine bekannte Marke ist kein Garant für finanziellen Erfolg: Bereits vor „Pokemon: Meisterdetektiv Pikachu“ gab es mehrere Pokemon-Animationsfilme. Zog der erste („Pokémon: The Movie“) den Kinogängern noch knapp 173 Millionen Dollar aus der Brieftasche, sanken die Erlöse mit den kommenden Teilen immer weiter: „Pokémon: The Movie 2000“ spielte 134 Mio. US-Dollar, die folgenden Teile 68 Mio., 28 Mio. und schließlich „Pokémon Heroes“ nur mehr 21 Mio. US-Dollar.

Vom Spiel zum Blockbuster

Weitere bekannte Videospiel-Adaptionen sind etwa die finanziell rentablen „Resident-Evil“-Filme, die „Tomb-Raider“-Filme mit Angelina Jolie oder die Neuauflage mit Alicia Vikander oder „Hitman: Agent 47“. Demnächst steht „Monster Hunter“ auf die große Leinwand. an. Dass Realverfilmungen mit Videospielbezug auch zu echten Blockbustern werden können, bewiesen „Warcraft: The Beginning“ (2016, 434 Mio. Dollar) und der noch recht frische „Rampage – Big meets Bigger“ (2018, 426 Mio Dollar), in dem Ex-Wrestler Dwayne „The Rock“ Johnson vor der Kamera stand. Auf Platz 3 der besten Einspielergebnisse von Realfilmen mit Videospielbezug kommt „Prince of Persia: Der Sand der Zeit“, der 2010 im Kino zu sehen war und mit dem Ubisoft weltweit für 336 Millionen US-Dollar Kinotickets verkaufte.

Natürlich gibt es neben den klassischen Computerspielen auch Gambling-Spiele oder Slots, die auf Filmen basieren, wie etwa jene zu „Gladiator“, „Ghostbusters“ oder „Jurassic Park“. Auch solche wie „Book of Dead“ (Freispiele ohne Einzahlung) orientieren sich an den Filmadaptionen.

Äußerst beliebt auch entsprechende Serien mit Videospielcharakteren – vor allem in Asien. So gibt es beispielsweise die Spieleserie Ace Attorney um den Anwalt Phoenix Wright auch als Anime-Serie.

Vom Film zum Videospiel

Natürlich geht das Ganze aber auch vice versa: Seit jeher sind erfolgreiche Filme Inspiration für PC- und Konsolen-Adaptionen und eignen sich hervorragend als gewinnbringende Merch-Artikel, die den Fans die Chance geben, ihren Filmhelden virtuell nachzueifern.

Auch in diese Richtung ging es bereits in den 90ern, als Video- und Computerspiele zum neuen Massenmedium mutierten. Unter den qualitativen Spitzenreitern der Filmadaptionen findet sich etwa „Blade Runner“ von 1997, eine Art Parallelstory zum berühmten 80er-Film von Ridley Scott mit über 1 Million verkaufter Exemplare.

Ein weiterer Klassiker ist „Dune 2“ – derzeit warten ja viele auf die Filmneuadaption, deren Kinostart kürzlich auf nächstes Jahr verschoben wurde. Als als die Westwood Studios 1992 Dune 2 herausbrachten, definierten sie das, was wir heute unter Echtzeitstrategie in Computerspielen verstehen. Um die Jahrtausendwende veröffentlichte man mit Dune 2000 eine modernisierte Neuauflage, die sich am Steuerungsprinzip von Command & Conquer orientierte.

Nicht vergessen sollte man auch die LEGO-Spiele (inzwischen gibt es ja auch eine eigene Filmreihe): Das Spielprinzip der LEGO-Videospiele ist dabei fast immer gleich: Man nehme eine bestehende Filmlizenz und erzählt die Geschichte dann mit Witz im LEGO-Blockstil nach. Das Ergebnis dieser Transformation sind nicht nur Star Wars-Spiele, sondern auch „LEGO Harry Potter“, „LEGO Herr der Ringe“, „LEGO Fluch der Karibik“, „LEGO Indiana Jones“ und noch viele mehr. Die Spiele bieten nicht nur LEGO-Charme, sondern auch die Original-Filmmusik und sind damit für alle Fans der jeweiligen Filme Pflicht.

Die Wechselwirkungen zwischen den Medien Videospiel-Film sind vielfältig und gehen in beide Richtungen: Während durch neue Animationstechnik manche animierte Spielfilme geradezu wie Videospiele aussehen, beeinflussen filmische Erzähltechniken oder Ästhetik wiederum viele neue Videospiele, die einem das Gefühl geben, „in einem Film“ zu sein. (red.)