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„Wet Woman in the Wind“ – Kritik

Gutaussehende junge Frau stürzt samt Fahrrad (absichtlich) in den See, entkleidet sich umgehend, sobald sie dem kalten Nass entstiegen ist, und macht all das vor den Augen eines ungläubigen, männlichen Beobachters, der peinlich berührt versucht, das Weite zu suchen: Was wie der feuchte Traum eines Pubertierenden klingt, ist der Beginn von „Wet woman in the wind“, einem Film aus der japanischen Arthouse-Porno-Schmiede Nikkatsu, der kürzlich bei uns auf DVD / BluRay erschienen ist.

von Christian Klosz

„Wet woman…“ ist dabei einer von den ersten 5 Filmen des „roman porno„-Reboots des berüchtigten Studios, aus dem zuletzt bereits Sion Sonos „Antiporno“ hervorgegangen war (auch seit kurzen auf DVD / BluRay verfügbar!). Während Sonos Werk sich tatsächlich als Arthouse-Film mit einigen Nacktsequenzen bezeichnen lässt, orientiert sich Akihiko Shiota in seinem Film an der amerikanischen Screwball-Komödie, wobei der Fokus eindeutig auf „screw“ zu liegen scheint, denn gerade in den zweiten Hälfte wird in erster Linie kopuliert. Warum „Wet woman in the wind“ dennoch alles andere als ein klassischer Porno ist, liegt einerseits am dem US-Genre-Vorbild entsprechenden Humor, der immer wieder zum Schmunzeln oder Lachen einlädt, andererseits an der Intelligenz des Drehbuchs und der Hochwertigkeit der Inszenierung, die tatsächlich Arthouse-Anleihen nimmt.

Hinzu kommen durchwegs überzeugende Darstellerleistungen, von denen Yuki Mamiya – in einer ihren ersten Rollen überhaupt – als frivole, weibliche Hauptfigur (die wet woman) heraussticht und sich als neues Talent des japanischen Kinos empfiehlt. Doch worum geht es in „Wet woman in the wind“ eigentlich inhaltlich? Im Gegensatz zu klassischen Erotikfilmen hat der Plot durchaus Substanz und ist fürs Verständnis von Bedeutung, das selbe gilt für die clever geschriebenen Dialoge: Der Bühnenautor Kasuke flieht vor den Frauen, Verpflichtungen und Menschen überhaupt aus der Stadt in den Wald, wo er in einer selbstgebauten Hütte in Ruhe und Frieden lebt – bis ihm das nasse Mädchen Shiori über den Weg läuft und ihm nicht mehr von der Seite weicht: Sie heftet sich an seine Fersen, folgt ihm bis zu seinem Waldhaus und versucht auf vielfältige (und kreative) Weise, ihn zu verführen. Als plötzlich Kasukes Theaterkollegin mit mehreren neuen Bewerbern für das nächste Bühnenstück im Wald auftaucht und darauf besteht, hier und jetzt Proben abzuhalten, taucht Shiori erneut auf, entblättert sich abermals und aus dem erotischen Duell wird ein ganzer Reigen, bei dem alle irgendwie, irgendwann und irgendwo auf ihre Kosten kommen.

Neben den oben bereits erwähnten, cineastischen Qualitäten sind tatsächlich auch die mannigfaltigen Sexszenen gelungen inszeniert, gefilmt und gespielt, wobei erneut Mamiya die überzeugendste Darbietung abliefert. Erwähnen sollte man in diesem Kontext auch, dass die vielen Nacktszenen nie plump-pornografischen Charakter annehmen, sondern stets eine gewisse Klasse behalten, deren Ernsthaftigkeit jedoch immer wieder durch humoristische Einfälle und einen ironischen Unterton gebrochen wird.

Fazit:

Ein Screwball-Porno mit Anspruch und Klasse: „Wet woman in the wind“ bietet das, was der Titel verspricht – und mehr, nämlich einen cleveren, kurzweiligen, unterhaltsamen und witzigen Film, der die Zuschauer (und -innen) auf diversen Ebenen freudig erregen wird. Empfohlen auch für’s Schauen in Gesellschaft / zu zweit, wenn auch nicht gerade beim allerersten Date.

Bewertung:

Bewertung: 8 von 10.

(81/100)

Bilder: (c) Busch Media Group

Weitere Infos zum Verleih des Films findet man auf der Website: Home – Busch Media Group

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