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„Force of Nature“ mit Mel Gibson – Kritik

Es gibt seit kurzem Schauspieler, bei denen die bloße Erwähnung des Namens Schnappatmung bei so manchem (Pseudo-)Filmfan auslöst. Mel Gibson gehört zu den „dirty old guys“ des US-Kinos, der sich bei diversen (Alkohol-)Eskapaden vor einigen Jahren tatsächlich nicht mit Ruhm bekleckert hat. Seit einer Weile scheint es dennoch wieder bergauf zu gehen mit der Karriere des inzwischen 64-Jährigen, sei es der Rache-Thriller „Blood Father“, „Dragged Across Concrete“ von S. Craig Zahler, für viele einer des besten Film des letzten Jahres, der selbstironische Ausflug ins Komödienfach mit „Daddy’s Home 2“ oder kürzlich der weihnachtliche Actionthriller „Fatman“, vom Kollegen Marius Ochs relativ gut in seiner Kritik bewertet.

von Christian Klosz

Bereits im Herbst landete „Force of Nature“ auf diversen Datenscheiben (und virtuellen Abruf-Plattformen), nachdem ein möglicher Kinostart Corona-bedingt ins Wasser gefallen war. Dort gibt Gibson unter der Regie von Michael Polish und neben Kate Bosworth und Emile Hirsch einen alten, mürrischen Cop im Ruhestand, der sich während eines fürchterlichen Unwetters weigert, seine Wohnung zu verlassen – und mitten in einen von langer Hand geplanten Überfall gerät, bei dem es um wertvolle (Nazi-)Kunst geht. Wobei gleich vorweg festgehalten werden sollte: „Force of Nature“ wird mit Mel Gibson angepriesen, wobei seine Rolle tatsächlich recht klein ist und eher als (allerdings gut platziertes) Gimmick funktioniert.

Die Hauptfiguren werden von Emile Hirsch und Kate Bosworth verkörpert, der eine ein junger Cop nahe am Nervenzusammenbruch, der vor nicht allzu langer Zeit seine damalige Freundin bei einem Einsatz unabsichtlich tötete, die andere Ärztin und ihrerseits Tochter des Rüpel-Cops Gibson, die verzweifelt versucht, ihren sturen Alten aus der Wohnung zu bewegen. Draußen wütet ein Sturm mit Blitz, Donner und Unmengen Regen, der eine Evakuierung unumgänglich macht. Dieses Chaos will wiederum eine mafiöse Einbrecherbande nutzen, um einen im selben Gebäude vermuteten Kunstschatz zu entwenden. Als diese auf die anwesenden Cops (Hirsch & Kollegin) treffen, beginnt ein Katz- und Maus-Spiel und ein Überlebenskampf, der nicht für alle gut ausgeht.

„Force of Nature“ erfindet das Rad nicht neu, setzt auf handfeste Action und präsentiert sich als potentes B-Movie, dem es zudem gelingt, aufgrund des Settings (vom Unwetter umschlossenes Gebäude, aus dem es kein Entkommen gibt) eine klaustrophobische Stimmung zu erschaffen, die für Spannung sorgt. Gibson liefert ein paar typische One-Liner und macht als abgefuckter, starrsinniger und grimmiger alter Cop ganz gute Figur, während Hirsch und Bosworth ihre Rollen recht solide herunterspielen. Auch die Nebenfiguren sind ordentlich besetzt. Polish streut immer wieder kurze Gewalteruptionen in die Handlung ein, die allesamt gekonnt inszeniert sind und die Zuschauer bei Laune halten.

Großes Manko des Films ist über weitere Strecken das furchtbare Sounddesign, das Tenet-eske Züge annimmt: Die Hintergrundgeräusche, das Prasseln des Regens, das Pfeifen des Windes sind teils so laut, dass man die Dialoge nur mit Mühe versteht. Nun ist das in diesem Fall wohl kein allzu großes Drama, da die Komplexität der Handlung doch sehr überschaubar ist – nervig ist es dennoch. Und vor allem wird es hier nicht gelingen, das als „Stilmittel“ und beabsichtigt zu verkaufen, es ist einfach schlecht gemacht.

Fazit:

Abgesehen von den erwähnten, technischen Mängeln aber bietet „Force of Nature“ 1.5 Stunden gute, geradlinige Unterhaltung und damit genau das, was man sich von so einem Film erwarten kann: Ein ordentliches B-Movie mit einigen fiesen Typen, einen kleinen Romanze und einem gealterten Star, der immer noch für ein paar coole Sprüche gut ist.

Bewertung:

Bewertung: 6 von 10.

(64/100)

Bilder: (c) Splendid Film

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