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HBO Max: Neue Streamingplattform soll 2021 bei uns mit „Dune“, „Matrix 4“, „Godzilla vs. Kong“ starten

Es war ein kleines Erdbeben, das die Ankündigung von Warner kürzlich in der Branche auslöste, als bekannt gegeben wurde, dass alle für 2021 geplanten Kinostarts parallel auf dem hauseigenen Streamingdienst HBO Max starten sollen. Bereits Universal hatte im Frühjahr einen ähnlichen Schritt angekündigt, was zu einem Konflikt mit diversen Kinoketten führte, die (zurecht) um ihre Einnahmen fürchten. Und auch Disney plant bekanntlich – gerade in der aktuellen Corona-Lage – immer mehr Filme erst gar nicht ins Kino zu bringen, sondern direkt auf Disney + starten zu lassen (zuletzt etwa „Mulan“, demnächst „Soul“).

Besonders ist die Warner-Situation deswegen, weil HBO Max bei uns (Ö, D) noch nicht verfügbar ist, weshalb hier weiterhin reguläre Kinostarts geplant waren. Nun hat der Konzern bekannt gegeben, dass man ab 2021 auch in Europa und Lateinamerika starten möchte, insgesamt 190 Länder sollen bespielt werden, und zwar ab der 2. Jahreshälfte. Für Filmfreunde hierzulande heißt das, dass in Zukunft große, heißerwartete Filme wie „Dune“ (Herbst 2021) oder „Matrix 4“ (Weihnachten 2021) ebenfalls parallel im Kino und auf HBO Max online zu sehen sein werden. Auch „Suicide Squad“, „Godzilla vs. Kong“, „Space Jam“, „Conjuring 3“, „Elvis“ oder „The many saints of newark“ wären davon betroffen – sofern die Kinos mitspielen. Denn möglich ist auch, dass die großen Kinoketten diesen Schritt boykottieren und künftige Warner-Filme gar nicht mehr mit ins Programm nehmen: Sollten noch weitere Verleihe dem Schritt von Warner folgen, ist ein manifester Branchenkrieg nicht ausgeschlossen.

Was bedeutet das alles für das Medium Film an sich und für die Zuschauer? Auf den ersten Blick könnte man meinen: Größere Wahlfreiheit, mehr Auswahl, mögliche Kostenersparnis (der Abopreis wird wohl um die 10€ / Monat betragen, dafür wöchentlich ein großer Filmstart + Zugriff auf ältere Filme und Serien) – alles wunderbar. Oder doch nicht? Denn für die Kinoketten, die Kinostandorte an sich und alle dort Angestellten ist das Ganze fatal, denn die stehen ohnehin seit Jahren und nun aufgrund der Corona-Lage noch stärker unter Druck, viele bangen bereits ums Überleben (bzw. ihren Job). Sollte aufgrund dieses Schrittes von Warner und möglicher weiterer, ähnlicher das Publikum in noch größerem Ausmaß ausbleiben (wenn ein halbwegs normaler Betrieb im Kontext der Corona-Pandemie wieder möglich ist), wird sich die Kinobranche noch rapider ändern also ohnehin bereits. Kleinere Kinos könnten tendenziell einen Vorteil haben, da sie in der Programmgestaltung unabhängig(er) von den großen Verleihen sind und tatsächlich immer wieder Filme bringen können, die sonst nirgendwo zu sehen sind. Viele Multiplexe aber, die auf Blockbuster angewiesen sind, werden zusperren müssen, da sich ihr Betrieb nicht mehr rentiert; oder die Preise noch einmal kräftig erhöhen; oder sich ein neues Einnahmenmodell überlegen müssen.

Wenngleich in der aktuellen Lage es absolut verständlich ist, dass Filmfans froh über das immer größer werdende Streaming-Angebot sind (Kinos zu, kaum bemerkenswerte Neustarts), sollte nicht vergessen werden, was Kino auch ist und immer war: Ein öffentliches Forum, ein öffentlicher Ort, um alleine, aber gemeinsam mit anderen eine Erfahrung zu teilen, ein sozialer Ort des Austausches, der in Gesellschaft von Freunden, den Liebsten oder völlig Unbekannten Erkenntnisse und Unterhaltung bieten kann, wie das in der Form in den eigenen vier Wänden kaum möglich ist.

Aus Sicht der Filmverleihe ist es natürlich auch nachvollziehbar, dass die Verantwortungsträger ihre Geduld verlieren (Kinos immer wieder / noch immer zu) und ihre neuen Werke unters Volk bringen und zu Geld machen wollen. Da bedarf es dann umso mehr eines wachen Publikums, das nicht jede vor die Nase gehaltene Karotte schluckt und sich über die Hintergründe und Konsequenzen der Streamingisierung des Mediums Film bewusst ist und informiert. Und weiterhin die genuine Kinoerfahrung einfordert. Schließlich ist auch zu bedenken, wohin diese Entwicklung in 1, 2 Jahren führen könnte: Folgen weitere Verleihe dem Vorbild Warners und sprießen noch mehr Streamingdienste aus dem Boden, wie das ohnehin schon der Fall ist, sind dann gewisse Filme nur mehr online zu sehen, braucht man als Rezipient irgendwann 4, 5, 6 Abos, um all das zu sehen, was man gern möchte. Bei Kosten von 50, 60€ pro Monat und mehr wäre die Frage erlaubt, ob dann die Ersparnis gegenüber Kinobesuchen zu je 8 – 10€ pro Film (Durchschnittspreis Österreich) wirklich so enorm ist.

von Christian Klosz

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