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Netflix Highlights 2020

Auch als passionierter Kinogänger muss man, gerade im ausgedünnten Kinojahr 2020, anerkennen, dass Streamingdienste immer mehr an Bedeutung in der Filmwelt gewinnen. Letztlich sind zwar nur zwei „reine“ Streaming-Filme in unseren Jahrescharts gelandet, doch inmitten von vielen Nieten erweisen sich mitunter zahlreiche Werke als angenehme Überraschung. Wir möchten euch heute, quasi als kleines Weihnachtsgeschenk, noch einmal mit auf eine Reise durch Netflix’sche Gefilde nehmen und die interessantesten Filme des Jahres Revue passieren lassen. Exemplarisch für die Filme das Fazit des/der jeweiligen Autors/Autorin, mit dem Klick auf den Titel gelangt ihr zur gesamten Kritik. Wir wünschen viel Spaß beim Stöbern und schöne Festtage im Kreise eurer Lieben!

Der schwarze Diamant (Thriller)

„Auch wenn der deutsche Titel thematisch ebenso zum Film passt, bringt es der internationale Name des Werkes perfekt auf den Punkt – „Uncut Gems“ ist wie ein ungeschliffener Edelstein, an dessen Ecken und Kanten sich so mancher schneiden wird. Betrachtet man das Schmuckstück aber mit der nötigen Behutsamkeit aus der richtigen Perspektive, eröffnet sich der Blick auf ein funkelndes Juwel der neueren Filmgeschichte. Gerade gegen Ende spielt sich das Kleinod in einen wahren Rausch, tanzt  im gleißenden Licht der Hoffnung, nur um dann doch in tausend Teile zu zerspringen und dem Zuschauer den finalen Schlag in die Magengrube zu verpassen. Stark!“ (Cliff Brockerhoff)

Horse Girl (Mystery)

„Horse Girl lässt sich am Ende des Tages am ehesten mit einem Rodeo vergleichen. Was als seichte und leicht zu unterschätzende Angelegenheit startet, entwickelt sich mit der Zeit zu einem wilden Ritt, bei dem es irgendwann kein Halten mehr gibt. Ein grandios unruhiger Score und die versierte Vermengung mehrerer Genres machen Jeff Baenas vierten Film zu einem kurzweiligen Abenteuer, dem sich allerdings nur aufgeschlossene Cineasten stellen sollten. Der ungeübte Couch-Reiter von heute läuft Gefahr vom Sattel zu fallen.“ (Cliff Brockerhoff)

Spenser Confidental (Action)

„Alles in allem ist „Spenser Confidential“ sicherlich kein Film für die Annalen der Filmgeschichte, er wird auch nie zum Klassiker avancieren, ja, nicht einmal zum Kultfilm, aber diesen Anspruch verfolgten die Verantwortlich hier offensichtlich auch gar nicht. Was sie abliefern wollten, ist ein kleiner, netter Actionfilm, der einen über seine knapp zwei Stunden Laufzeit hinweg halbwegs gut unterhält – und das gelingt ihnen auch. Ist doch irgendwie auch schön zu wissen, dass es noch Filme gibt, die Mut zum Mittelmaß beweisen und die weder Meisterwerke noch Vollkatastrophen sind.“ (Mara Hollenstein-Tirk)

Der Schacht (Thriller/Drama)

„In Zeiten von Corona, Fridays for Future und Co. trifft ein Werk wie “Der Schacht” den Nagel auf den Kopf und überrascht mit einer spannenden Zurschaustellung der heutigen Ellenbogengesellschaft. Die Handlung positioniert sich dabei eher im Hintergrund und lässt Platz für eine Parabel auf unsere zivilisatorischen Strukturen, die nur schwerlich zu durchbrechen scheinen. Ein rundum gelungener Mix aus Spielfilm und Sozialkritik, der komplizierte Thematiken zur Not auch einfach mal in seine Zuschauer einprügelt.“ (Mara Hollenstein-Tirk)

Dein Zuhause gehört mir (Thriller)

„Langsam aber sicher entwachsen spanische Filme dem Ruf des Geheimtipps und bieten immer wieder eine willkommene Abwechslung zur überreizten Hollywood-Stangenware. „Dein Zuhause gehört mir“ erfindet das Fernglas zwar nicht neu, sorgt aber in altbekanntem Setting für atmosphärische Unterhaltung, bei der am Ende ein Diskurs über inhaltliche Aspekte möglich, aber nicht zwingend notwendig ist. Wem „Der Schacht“ zu verschachtelt war, kann sich hier gemütlich zurücklehnen und beim spannenden Katz-und-Maus-Spiel zuhause fühlen.“ (Cliff Brockerhoff)

Betonrausch (Thriller/Drama)

„Letzten Endes macht „Betonrausch“ mehr richtig als falsch – wer sich generell für das Thema erwärmen kann bekommt mit der Netflixproduktion einen leicht verdaulichen Thriller zu Gesicht, der durch gute schauspielerische Leistungen und fundierte Recherche einen glaubwürdigen Blick in den Alltag von Immobilienspekulanten wirft, die im Treibsand ihrer eigenen Aktivität gefangen sind. Damit lässt sich zwar keine Stellung in den Jahrescharts zementieren, ein stabiles Fundament kann dem deutschen Spielfilm aber nicht abgesprochen werden.“ (Cliff Brockerhoff)

Das Schweigen des Sumpfes (Krimi)

„Alles in allem ist „Das Schweigen des Sumpfes“ nicht der nächste typische 0815-Krimi/Thriller und auch sicher nichts für jedermann geworden, denn die eigenwillige Erzählstruktur, gepaart mit dem noch eigenwilligeren Erzähltempo, fordern des Zuschauers ungeteilte Aufmerksamkeit und den unbedingten Willen, sich auf den Film einzulassen. Wem das gelingt, der wird mit einem außergewöhnlichen, bildsprachlich sehr ansprechenden Filmerlebnis belohnt, bei dem die zweite Sichtung, alleine aufgrund der finalen Szene, quasi vorprogrammiert ist.“ (Mara Hollenstein-Tirk)

Tyler Rake: Extraction (Action)

„Alles in allem ist „Tyler Rake: Extraction“ ein Film für Action-Fans geworden, die verwackelte Kameraeinstellungen und schnelle Schnitte leid sind und stattdessen einer handgemachten und dreckigen Inszenierung huldigen – und die keine Probleme damit haben über die absehbaren Schwächen bezüglich Handlung und Charakterisierung hinwegzuschauen.“ (Mara Hollenstein-Tirk)

The Wrong Missy (Komödie)

„Wer mit der Erwartungshaltung an eine kluge, intelligente Komödie mit anspruchsvollem Humor auf den Play-Button von „The Wrong Missy“ drückt, wird enttäuscht sein. Wer allerdings auf 1.5 Stunden leichte und leicht verdauliche Komödienkost eingestellt ist, die sich einen Dreck um die Regeln des guten Geschmacks schert, wird den Film durchaus unterhaltsam finden und sich auf die weiteren Projekte von Happy Madison freuen: Mister Sandler hat seine größmäulig angekündigte Drohung also doch nicht wirklich wahr gemacht.“ (Christian Klosz)

Da 5 Bloods (Drama)

„Alles in allem verzeiht man dem Film die eher generische Handlung und Figurenzeichnung, ebenso wie den zuvor erwähnten Zaunpfahl, gerne, da die Botschaft, auch wenn sie einem gelegentlich zu sehr aufgedrückt wird, eben eine sehr wichtige ist – gerade auch in der heutigen Zeit. Denn Krieg, Rassismus und Hass sind nie der richtige, sondern immer der schlechteste Weg. Und jeder Film, der diese Botschaft  klar und deutlich zum Ausdruck bringt, gehört gesehen und unterstützt.“ (Mara Hollenstein-Tirk)

Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (Musik/Komödie)

„Alles in allem ist „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ ein Film mit vielen Schwächen und einigen Längen, eine Laufzeit von 90 Minuten anstelle der knapp 2 Stunden hätte hier locker ausgereicht, aber eben auch mit einem sympathischen Cast und dem Herz am rechten Fleck, weshalb man zwar nicht in Jubelstürme ausbrechen wird (außer man ist absoluter Fan von Will Ferrell oder dem Eurovision Song Contest), die Sichtung aber auch nicht bereuen wird.“ (Mara Hollenstein-Tirk)

The Old Guard (Science Fiction/Action)

„Alles in allem ist „The Old Guard“ eine Comicverfilmung geworden, die viel Potenzial auf dem Weg liegen lässt, die zu oft den sicheren Weg wählt und zu wenig mit ihrer Prämisse anzufangen weiß. Auf der anderen Seite ist es aber auch eine Comicverfilmung, die mit einem wirklich guten Cast, allen voran Charlize Theron, einigen starken Momenten und einer Neugier erweckenden letzten Szene punkten kann. Fans des Genres werden somit sicher ihren Spaß mit dem ganzen Spektakel haben, aber der nächste große Wurf ist Netflix definitiv nicht gelungen.“ (Mara Hollenstein-Tirk)

The Hater (Thriller)

„Wer einen Netflix-Account besitzt und immer auf der Suche nach verschütteten Juwelen ist, der sollte dieser fesselnden, vorzüglich gespielten Charakterstudie auf jeden Fall eine Chance geben, denn auch die Europäer können Gesellschaftskritik auf Film bannen, die unter die Haut geht.“ (Mara Hollenstein-Tirk)

I’m thinking of ending things (Mystery/Drama)

„In höchstem Maße metaphorisch, auf schönste Weise melancholisch und zu keiner Sekunde langweilig. Charlie Kaufman stellt in „I’m thinking of ending things“ die essentiellen Fragen des Lebens und hinterfragt nicht nur eine Liebesbeziehung, sondern vielmehr die Beziehung des Individuum zu seiner eigenen Existenz. Eine eiskalte Atmosphäre umschmeichelt diesen zähen Bastard, der keinerlei Exposition, dafür aber ganz viel Freiraum zur Interpretation bietet. Sollte man mögen. Kann man lieben. Muss man anerkennen.“ (Cliff Brockerhoff)

Cuties (Drama)

„Es war zu erwarten: dem Protest des wütenden Mobs wohnt die Insuffizienz inne sich differenziert mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen. „Cuties“ ist albern, kritisch und total überspitzt inszeniert – und dadurch weit weg von „süß“ oder gar „sexy“. Wer das anders sieht und hier lauthals nach einem Boykott krakeelt, hat die Botschaft auf dem falschen Ohr empfangen und größere Probleme als einen schlecht vermarkteten Spielfilm, der sich am Gewicht seiner inhaltlichen Schwere verhoben hat.“ (Cliff Brockerhoff)

The devil all the time (Thriller)

„Durchzogen von redundanter Religionskritik präsentiert sich „The devil all the time“ als tieftrauriges und atmosphärisches Familiendrama, das durch eine hochkarätige Besetzung zu überzeugen weiß, sich mit seiner fast schon episodenhaften Erzählstruktur aber keinen Gefallen tut und so letztlich zu erzwungen wirkt. Anhänger düsterer Stoffe können bedenkenlos einen Blick riskieren, freudvolle Fans fröhlicher Fiktion sollten den Film aber meiden wie der Teufel das Weihwasser.“ (Cliff Brockerhoff)

The trial of the Chicago 7 (Drama)

„Am Ende erschuf Aaron Sorkin mit „The Trial of teh Chicago 7“ also einen Film, der zwar ein wenig damit zu kämpfen hat, die mannigfachen, sich teilweise geradezu überschlagenden Ereignisse unter einen Hut zu bringen, der es aber trotzdem schafft, den Spannungsbogen konstant aufrecht zu erhalten und den Zuschauer zu fesseln. Ein Gerichtsdrama, das sich unter den ganz Großen des Genres einreihen darf, und mit dem Netflix einmal mehr beweist, dass es Werke produzieren kann, die der ganz großen Filmkunst in nichts nachstehen.“ (Mara Hollenstein-Tirk)

Rebecca (Thriller)

„Vielleicht würde es helfen, wenn man den Film, anders als der Trailer, als das anpreist, was er eigentlich ist: Eine Mischung aus Liebesgeschichte und Drama, vor atmosphärischer Kulisse, in der die beiden Turteltauben mit einigen Unwägbarkeiten zu kämpfen haben. Wer auf so etwas Lust hat, kann ohne Frage einen Blick auf „Rebecca“ riskieren, denn von einem solchen Standpunkt aus betrachtet funktioniert der Film sogar ziemlich gut – nur als „Schauerfilm“ will das Ganze eben nicht wirklich funktionieren.“ (Mara Hollenstein-Tirk)

Kadaver (Horror)

„Das Werk nimmt seinen Titel leider allzu wörtlich und wirkt gerade gegen Ende komplett leblos. Die anfänglich gut aufgebaute Stimmung versinkt in affektierter Tiefe, die sich trotz passabler Leistungen des Ensembles nicht kaschieren lässt. Das Rezept passt, aber die Zubereitung wirft mehr Fragen auf, als sie beantworten kann. Für den kleinen Hunger zwischendurch passabel geeignet, nach ein paar Minuten aber auch schon wieder verdaut und ausgeschieden.“ (Cliff Brockerhoff)

His House (Horror/Drama)

„Wer bei „His House“ einen schematisch konstruierten 08/15 Horrorfilm erwartet, sollte spätestens an dieser Stelle nach anderen Inspirationen suchen. Während seiner anderthalb Stunden mangelt es dem Werk zwar stellenweise an der nötigen Geschwindigkeit, wiegt seine Schwächen aber mit guten Performances und inhaltlicher Varianz auf. Die schmerzhaft dargebotene Geschichte passt dabei in den heutigen Zeitgeist, verbindet Flüchtlingsdrama mit Gruselfilm und erweist sich so als äußerst interessanter Genrebeitrag, der leise anklingt und umso lauter nachhallt.“ (Cliff Brockerhoff)

SpongeBob Schwammkopf: Eine schwammtastische Rettung (Animation)

„Business as usual in Bikini Bottom. Freunde der Serie werden selbstredend auch ihren Spaß am nunmehr dritten Film rund um SpongeBob und seine Begleiter haben, welcher mittels zahlreicher Anekdoten gekonnt an die Elemente seiner bisherigen Episoden anknüpft. Wem der Anblick des gelben Schwamms schon immer eher die Zornesröte als ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert hat, sollte einen weiten Bogen um das Werk machen. Die Geheimformel für den perfekten Film liegt diesem Werk nämlich beileibe nicht zugrunde, unterhaltsam ist es aber allemal.“ (Cliff Brockerhoff)

Was wir wollten (Drama)

„Was wir wollten ist ein solides Drama, das sich in seinen besten Momenten höchst feinfühlig einer krisenbehafteten Beziehung nähert und dabei interessante Fragen zum Wesen von Partnerschaft und dem Umgang mit der Möglichkeit unerfüllter Sehnsüchte stellt. Das hohe Niveau mancher Szenen kann der Film aber nicht über seine gesamte Laufzeit halten. Somit ist Regisseurin Ulrike Kofler zwar kein bahnbrechender, aber ein durchaus sehenswerter Film gelungen.“ (Paul Kunz)

Hillbilly Elegy (Drama)

„Viel Potenzial also, dass hier links liegen gelassen wurde, und trotzdem ist „Hillbilly Elegy“ ein Film, den man jedem empfehlen kann, der sich in diesen kinolosen Zeiten nach ein wenig klassischer, Hollywood’scher Filmkunst sehnt – und sei es nur, um den beeindruckenden Schlagabtausch zwischen Adams und Close würdigen zu können.“ (Mara Hollenstein-Tirk)

Mank (Biographie)

„So unterlegt Fincher seinen Liebesbrief an die Filmkunst mit einiger Kritik am Studiosystem, verpasst es dabei allerdings leider, tiefer in die Materie einzutauchen oder beim Zuschauer echte Emotionen zu entfachen. Interessierte und Kenner dieser Ära dürften zwar ihren Spaß mit den mannigfachen Anspielungen haben, und auch weniger Interessierten bietet der Film genügend Unterhaltungswert, um die Sichtung genießen zu können, allerdings beinhaltet das schwarzweiße Treiben letztlich zu wenig Substanz, um langfristig in Erinnerung zu bleiben.“ (Mara Hollenstein-Tirk)

Bilder: ©Netflix

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