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„Bliss“ – Kritik zum Amazon Prime-Start

Wer kennt es nicht: ein Trailer flimmert über das Endgerät der Wahl und man ist instant am Haken. Irgendwie verwirrend, irgendwie ansprechend, auf jeden Fall interessant. So könnte man auch den Trailer zu „Bliss“ beschreiben, der neuesten Amazon-Produktion, die vor kurzem auf Prime gestartet ist. Owen Wilson und Salma Hayek scheinen diesmal das Paar der Stunde zu sein. Plötzlich wechselt die Szenerie vom grauen Großstadtleben in ein sonnendurchflutetes Paradies. Und sofort fragt sich der Zuschauer: Was hat es damit auf sich? Was ist real? Was zum Kuckuck geht hier eigentlich ab? Die Herzen von Sci-Fi-Fans und Mind-Fuck-Ethusiasten schlagen höher, ein Lächeln macht sich auf ihrem Gesicht breit – wartet hier etwa endlich neue Premiumware? Immerhin ist „Tenet“ nun auch schon wieder viel zu lange her.

von Mara Hollenstein-Tirk

Ein Blick auf den Namen des jungen und eher unerfahrenen Regisseurs, Mike Cahill, lässt einen kurz innehalten, mögliche Bedenken werden aber schnell weggewischt, immerhin hat jeder klein angefangen. Dann startet der Film – alles im grünen Bereich. Die Einführung gewinnt zwar keinen Oscar, verschafft einem aber einen guten ersten Eindruck vom männlichen Protagonisten und wirft einen, ebenso wie diesen, erst einmal in trübe Gewässer. Auftritt der Frau. Mysteriös, ein wenig durchgeknallt und scheinbar mit „Superkräften“ versehen. Die Neugier steigt ins schier Unermessliche. Gut, es wird wirklich wenig erklärt. Muss aber nicht immer das Schlechteste sein. Gerade im Science-Fiction-Bereich können hanebüchene Erläuterungen schnell einmal den Spaß am Ganzen ein wenig verderben. Da dann doch lieber vage halten. Wobei, das ist jetzt auch keine Freikarte dafür, einem einfach irgendwas vorzusetzen. Die Regeln und Gesetzmäßigkeiten einer fiktiven Realität sollten sich schon trotzdem kohärent und nachvollziehbar anfühlen. Wenn es dann auch noch von einer erdachten Zukunft unserer jetzigen Welt handelt, am besten zumindest in essentiellen Fragen eine spürbare Anlehnung an die Wirklichkeit hat. Aber sicherlich werden sich Drehbuchautor und Regisseur (schau an, das ist ja ein und dieselbe Person) da genügend Gedanken darüber gemacht haben. Oder etwa doch nicht?

So ganz logisch will sich „Bliss“ am Ende auf jeden Fall nicht zusammenfügen lassen. Ein Twist mehr oder weniger wäre vielleicht auch noch ganz nett gewesen. Die Fragen, die einem noch während des Trailers in den Sinn kamen, sind zwar beantwortet, der Film selber wirft allerdings viele neue auf. Fragen, die eigentlich kein Film aufwerfen will; die einen daran zweifeln lassen, dass die Verantwortlichen sich das Gezeigte tatsächlich von vorne bis hinten durchüberlegt haben; die einen eher verärgert als wissensdurstig auf der Couch zurücklassen. Das ist bedauerlich, macht „Bliss“ doch an anderer Stelle viel richtig. Die farbliche Gestaltung zum Beispiel, die hier mit zum erzählenden Element wird, indem sie die beiden gezeigten Realitäten ganz klar voneinander trennt – einmal trist, entsättigt, grau in grau, auf der anderen Seite sprengen die leuchtenden Farben beinahe schon die Palette und alles wird zusätzlich in ein warmes, goldenes Licht getaucht.

Auch die Schauspieler sind, wenn auch nicht überragend, so doch mit Herzblut bei der Sache und gerade Salma Hayek kämpft wie der Profi, der sie nun einmal ist, gegen ihre dezent konfuse Charakterisierung an, die allzu schnell von mysteriös in inkonsistent umschlägt. Owen Wilson hat es da als Mischung aus underdog und fish out of water zwar leichter, gibt aber auch alles, um den inneren Konflikt seiner Figur so gut er eben kann nach außen zu transportieren. Doch trotz all dieser Bemühungen, will einem das Ganze dann am Ende doch nicht so zu Herzen gehen, wie es sich Regisseur Cahill wohl wünschen würde.

Fazit:

So ist „Bliss“ ein Film geworden, der mit einer interessanten Idee und großen Namen vor der Kamera und einem gut gemachten Trailer zu locken weiß, der am Ende aber zu unausgegoregn und ungelenk wirkt, um einen tatsächlich emotional mitreißen zu können. Schade.

Bewertung:

Bewertung: 6 von 10.

(57 / 100)

Bild: (c) Amazon Studios

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