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Serien-Kritik: „Family Guy“ – Staffel 18 (Netflix)

Multitalent Seth MacFarlane war als Host nicht nur für die letzte, halbwegs erträgliche Oscar-Verleihung verantwortlich, sondern sorgt seit gut 2 Jahrzehnten als Autor, Producer, Sprecher und kreatives Genie für Lacher in „Family Guy“, „American Dad“ und seit kurzem „The Orville“. Die letzte komplette „Family Guy“-Staffel 18 (im US-TV ausgestrahlt von 2019 bis Anfang 2020, Staffel 19 läuft dort derzeit noch) ist aktuell auf Netflix zu sehen.

von Christian Klosz

Als Fan der früheren Staffeln kann man nur verwundert oder positiv überrascht von der weiterhin hohen Qualität der Serie sein: Ungleich den „Simpsons“, die nach Staffel 10 irgendwie stetig an Biss und Kreativität verloren haben, knüpft Staffel 18 von „Family Guy“ beinahe nahtlos an die früheren Erfolge an. Kreativ agiert weiterhin das Autorenteam und liefert etwa folgende Einfälle: In „Disney’s The Reboot“ (Ep.4) werden 3 fiktive Family Guy-Reboots präsentiert, die sich herrlich über aktuelle Moden und Trends in der Serien-Welt lustig machen und sie parodieren. In „Shanksgiving“ (Ep.8) lassen sich Peter, Quagmire, Joe und Cleveland absichtlich festnehmen, um Thanksgiving nicht mit ihren Familien verbringen zu müssen, und geraten im Kittchen zwischen diverse Gang-Konflikte. In „The Movement“ (Ep.14) wird Peter unabsichtlich zum Posterboy einer politischen Bewegung und nutzt die neue Aufmerksamkeit unverschämt aus. Und in „Holly Bibble“ (Ep.19) werden 3 Bibelgeschichten neu erzählt.

Gemein ist allen Episoden, dass sie witzig und unterhaltsam sind und Bezug auf aktuelle gesellschaftliche und politische Debatten in den USA nehmen, allerdings stets mit kritischer Distanz und in der typischen Family Guy-Art. Diverse Pointen zielen auch auf das liberale Amerika (das auch die Film- und Serienbranche fest im Griff hat), aus dessen Dunstkreis die Serie einst entstanden war, um sich über den konservativen Joe Everyman lustig zu machen, und nehmen nun die Rituale und Verhaltensweisen eines politisch-korrekten Milieus aufs Korn, das sich für woke und fortschrittlich hält. Gerade diese Witze treffen ins Schwarze und beweisen abermals eines: „Family Guy“ hat Respekt vor nichts und niemandem und macht sich über alle(s) lustig: Befreiend. Trotzdem fehlen auch die Spitzen gegen die andere Seite, das konservative Amerika und etwa deren Waffennarrentum, nicht.

Bemerkenswert ist, dass es die Serie schafft, trotz der Aktualität ihre „heimelige“ Atmosphäre zu behalten. Die Episoden wirken nicht bitter, verkrampft oder gar zynisch wie viele andere Film- und Serienprodukte aus den USA in den letzten Jahren, sondern vermitteln trotz allem Spaß und gute Laune. Dazu passen auch Aussagen von MacFarlane zu seiner neuen Serie „The Orville“: Er wollte eine gute, altmodische Sitcom machen, die „fun“ ist und den Zuschauern in erster Linie ein gutes Gefühl vermittle, sie einlade, Teil von etwas zu sein: „…I think that’s something that isn’t all that prevalent in television these days. I think a lot of what we’re seeing is very dark and very depressing. For something to capture a sense of fun, it seems to me like a rarity in the television landscape today.“ Und genau das trifft auch auf Staffel 18 von „Family Guy“ zu.

Fazit:

„Family Guy“ kann es immer noch: Staffel 18 ist vollgepackt mit kreativen, kurzweiligen Episoden, die sich über alles und jeden lustig machen, dabei aber trotzdem nie bitter oder zynisch wirken und am Ende vor allem eines vermitteln: Spaß. It’s only entertainment, und das ist gut so.

Bewertung:

Bewertung: 8 von 10.

(76/100)

Titelbild: (c) Fox

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