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Berlinale 2021: „Ich bin dein Mensch“ – Kritik

Maria Schrader ist seit ihrem Regie-Emmy für die Netflix-Serie „Unorthodox“ die neue große deutsche Regie-Hoffnung. Standesgemäß läuft dementsprechend auch ihr neuester Film „Ich bin dein Mensch“ im Wettbewerb der mittlerweile „Sofaberlinale“ getauften 71. Ausgabe des großen deutschen Filmfestivals, das dieser Tage online stattfindet.

von Marius Ochs

Tanz, Roboter, Rhythmus! Bereits in der ersten Szene legen die Schnitte, die Farben und die Kostüme eine falsche Fährte, die sich als gelungener Kunstgriff erweist. Eine Tanzveranstaltung, auf der Mensch und Maschine das erste Date haben, schafft einen fantastischen Raum abseits der Realität, durch Technik geschaffen. Die ersten Minuten sind stellenweise Kino-Magie – wäre da nicht Almas (Maren Eggert) irritierter Blick und Toms (Dan Stevens) Systemfehler. Doch der Grundton stimmt. Guter Soundtrack, rhythmische Schnitte und ein feiner Humor zwischen den Zeilen zeichnen den Film ab der ersten Sekunde aus.

Dabei folgt die Komödie der altbekannten Frage: Mensch und Maschine, wird da was draus? Die Anthropologin Alma nimmt nämlich an einer Studie teil. Ein riesiger Datensatz wurde ausgewertet, um den perfekt zugeschnittenen Roboter-Partner für sie zu kreieren. Dieser mit einer hochleistungsfähigen künstlichen Intelligenz ausgestattete Android trägt den Namen Tom, sieht wahnsinnig gut aus und macht sich sogar im Haushalt nützlich: Er räumt auf und macht Frühstück. Als er für eine 3-wöchige Testphase bei Alma einzieht, kommen die beiden sich trotz ihrer anfänglichen Skepsis näher.

Wer jetzt schon rechts und links Klischees, Fettnäpfchen und Schlimmeres erahnt, der sei beruhigt. Schrader schafft es durch eine einfühlsame Kamera und subtilen, intelligenten Humor an den richtigen Stellen (fast) allen Klischees aus dem Weg zu gehen und tatsächlich eine sehenswerte Roboter-Mensch-Beziehung filmisch lebendig werden zu lassen. Nicht so melancholisch wie „Her“ und nicht so opulent wie „Blade Runner 2049“, sondern sympathisch, komisch und auch ein wenig tragisch wird hier eine zutiefst menschliche Geschichte erzählt.

Highlight des Films ist trotzdem der Roboter Dan Stevens. Sein distanziert-aufmerksamer Blick, jede Körperbewegung, die Aussprache – selten wurde ein Maschinenmensch so interessant dargestellt! Der britische Schauspieler spricht den ganzen Film über Deutsch und lässt dabei selbst den deutschesten Humor glänzen: Alma: „Warum der Akzent?“; Tom: „Die Daten haben ergeben, dass du etwas Fremdes an einem Mann schätzt. Fremd, aber nicht exotisch. Brite eben.“

In pointierten Dialogen, die auch ein ganz anderes Niveau erreichen als der eben zitierte, erkundet „Ich bin dein Mensch“ die wichtigen Dinge. Was macht uns menschlich? Was ist Glück und reicht es überhaupt, glücklich zu sein? Und: Was ist witzig an Epic Fail-Videos? Die Welt durch Toms Augen zu sehen macht Spaß, die Welt durch Almas Augen zu sehen stimmt nachdenklich. Dennoch: Zusammen sind die beiden ein hervorragendes Paar.

Fazit:

Maria Schrader etabliert sich mit „Ich bin dein Mensch“ als eine der besten aktuell arbeitenden deutschen Regisseurinnen. Fast klischeefrei behandelt sie die Beziehung von Roboter und Mensch und geht dabei ohne sentimental zu werden auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens ein. Ein hervorragender Dan Stevens, die hintergründigen und subtilen Dialoge, innovative Szenen und vor allem der erfrischende Humor machen den Film zu einem Highlight der 71. Berlinale.

Bewertung:

Bewertung: 8 von 10.

(84/100)

Hinweis am Rande: Maren Eggert wurde inzwischen mit dem Silbernen Bären für die beste Darstellerleistung ausgezeichnet.

Bilder: © Christine Fenzl

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