Was ist Film? Eine grundlegende Frage, die Filmwissenschaftler, Philosophen und Filmkritiker umtreibt, seit es das Medium gibt. Anfangs war „Film“ ganz direkt an die Form der Herstellung gebunden, sprich: Filmrollen, also „physischer“ Film (ähnlich wie Fotografie früher nur analog möglich). Die Aufnahmen erfolgten mit einer analogen Kamera ebenfalls auf Celluloid, das Endergebnis wurde mittels „Schnitt“ (daher der Name) der Filmrollen und Wieder-Zusammen-Kleben in die finale Form gebracht. Es etablierte sich mit der Zeit auch eine bestimmte Länge (etwa 1.5 – 2 Stunden), die ein typischer „Spielfilm“ dauern sollte. Gezeigt wurden diese Filme zumindest bist etwa 1950 ausschließlich in „movie theatres“, also Kinos.

Man sieht: Das „Bewegtbild“ war zu Beginn direkt an seine Herstellungsform gebunden. Erst mit der Etablierung des Fernsehers rund um 1950 als Massenmedium kam eine neue Qualität dazu: Wenn man auch Fernsehsendungen als Form von „Film“ bezeichnen möchte, ist dies eine andere Art. Das Fernsehen erlaubte Live-Übertragungen, bei denen die Zuschauer und die Produzenten der Sendung eine „Gleichzeitigkeit“ verbindet, die beim klassischen Filmformat nicht gegeben ist. Natürlich wurden mit der Zeit aber auch klassische Kino-Filme im Fernsehen ausgestrahlt und waren damit erstmals nicht mehr an den analogen Film gebunden.

Die nächste Revolution kam mit VHS-Kassetten, die ihre Hochblüte in den 80ern erlebten und die es Konsumenten erstmals erlaubten, Filme ganz einfach zu Hause zu schauen. VHS war dennoch ein physisches Medium. Selbes gilt für DVDs und BluRays, die in den 00-er-Jahren äußerst populär waren, aber ebenfalls analoge Medientechniken darstellen.

Mit dem Aufstieg des Internets zum Massenmedium erfolgte auch die finale Umstellung von Bewegtbildern auf die digitale Form: Heute werden Filme jeder Art in erster Linie digital via Datenübertragung konsumiert, sei es nun auf Plattformen wie Youtube oder Twitch oder auf den klassischen Streaming-Plattformen wie Netflix oder Amazon-Prime. Gleichzeitig findet natürlich auch die Produktion von Bewegtbildern heute in erster Linie digital statt, nur mehr wenige Regisseure setzen auf echten analogen Film (etwa Tarantino oder Nolan).

Die Frage bleibt, ob und inwiefern diese neuen Techniken und Möglichkeiten den Charakter von Bewegtbildern verändern. Früher war Film ortgebunden und konnte nur dort konsumiert werden, wo es auch analogen Film (und ein entsprechendes Abspielgerät) gab. Mit dem Aufkommen des Fernsehens begann die „Ortsunabhängigkeit“, Fern-Sender strahlten Wellen aus, die in einem bestimmten Umkreis (später: weltweit) empfangen werden konnten und auch Live-Bilder erlaubten. Während physische Medien wie VHS oder DVD mehr mit analogem Film gemein haben, erinnern Online-Plattformen wie Youtube oder Twitch mit ihren Möglichkeiten mehr an das klassische Fernsehen. (Mit einem Unterschied: Hier kann jeder mit etwas Know-How sein eigener „Sender“ werden, also Live-Übertragungen veranstalten.) Während die eine Plattform vor allem von „Youtubern“ für Verbreitung ihrer Meinungen oder Tutorials genutzt wird, ist die andere bei Gamern äußerst populär, die Twitch zum Online-Streamen ihrer Spiele nutzen.

Eine Hybridform zwischen Fernsehen und „Videothek“ sind schließlich die Streaming-Anbieter Netflix, Amazon und Co.: Zum einen stellen sie eine breite Auswahl an (Spiel-)Filmen zur Verfügung, die zeitunabhängig geschaut werden können, zum anderen inzwischen auch viele Seri zeit-, orts- und Medien-unabhängig, Streamen kann man auf der ganzen Welt, zu jederzeit – vorausgesetzt man hat einen Internetzugang. (red.)