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„Concrete Cowboy“ – Kritik zum Netflix-Start

Eine schier unendliche Landschaft, eine riesige Herde Rinder und ein paar mutige Männer auf dem Rücken von anmutigen Pferden: So erträumt man sich das Bild vom amerikanischen Cowboy. Die Realität war und ist in den meisten Fällen natürlich um einiges dreckiger, mühseliger und hat nur wenig Romantisches an sich. Erst recht, wenn die selbsternannten Cowboys sich nicht irgendwo am weiten Land befinden und das liebe Vieh hüten, sondern in einem Viertel von Philadelphia vorm Lagerfeuer sitzen.

von Mara Hollenstein-Tirk

Was sich wie ein schlechter Scherz anhört ist tatsächlich unglaubliche Realität. Bereits 2009 veranlassten diese Großstadtcowboys Greg Neri dazu, ein Buch mit dem Titel „Ghetto Cowboy“ zu verfassen, welches nun von Regisseur Ricky Staub mit Idris Elba in einer der Hauptrollen für Netflix verfilmt wurde. Die eigentliche Geschichte ist dabei allerdings weit weniger außergewöhnlich als das umgebende Setting: Nachdem der Teenager Cole wieder solchen Ärger verursacht hat, dass er von der nächsten Schule zu fliegen droht, beschließt seine Mutter, ihn von Chicago zurück nach Philadelphia zu seinem entfremdeten Vater zu bringen. Diesen hat Cole seit 10 Jahre nicht mehr gesehen und zunächst scheint es auch nicht so, als würden Vater und Sohn sonderlich gut miteinander klar kommen. Der Vater, eben ein selbsternannter Cowboy, scheint mehr Interesse an seinen Pferden und den Nachbarn zu haben, als an Cole, während sich dieser einsam und verlassen fühlt. Da trifft es sich gut, dass er zufällig einem alten Freund wieder begegnet, der ihn aber immer weiter in illegale Machenschaften verstrickt. Doch im Laufe der Zeit scheint auch Cole vom Pferdefieber befallen und so muss er sich entscheiden, welchen Weg er nun einschlagen will.

Wie diese kurze Inhaltsangabe bereits verrät, handelt es sich hier um eine ganz klassische Coming-of-Age-Geschichte, die wirklich alle typischen Handlungselemente zu bieten hat. Der rebellische Teenager, der schlechte Einfluss seiner Freunde, die neue Umgebung, die neuen Erfahrungen, eine neue Leidenschaft, die ihn sein Leben überdenken lässt – alles soweit bekannt. An diesem Eindruck ändert sich mit Fortschreiten von „Concrete Cowboy“ auch nichts. Das eigentlich simple Konstrukt funktioniert in den meisten Fällen nur, wenn man es mit gut gezeichneten Figuren füllt, die am besten auch noch hervorragend gespielt sind und dem Zuschauer dadurch möglichst schnell ans Herz wachsen.

Leider muss man sagen, dass Caleb McLaughlin hier nicht wirklich überzeugen kann. Sein Gesichtsausdruck wirkt viel zu oft verwirrt oder sogar leer, anstatt die eigentlich zu erwartende Emotion widerzuspiegeln. Gerade wenn es, wie in diesem Fall, viele nonverbale Szenen gibt, die sich voll und ganz auf Ausdruck und Mimik der Darsteller verlassen, ist so etwas eher verheerend. Da hilft es auch nicht allzu viel, dass Idris Elba als erfahrener, fähiger Gegenpart einmal mehr zu glänzen vermag. Denn auch wenn der Film „Concrete Cowboy“ heißt, spielt diese interessante Subkultur nur eine untergeordnete Rolle im Plot. Was umso enttäuschender ist, da man während der End-Credits erfährt, dass manche der Darsteller tatsächlich zu den realen Cowboys gehören, welche diese Geschichte inspirierten. Mit solch einem unbezahlbaren Insiderwissen wäre ein wenig mehr inhaltliche Fokussierung auf diesen Part durchaus wünschenswert gewesen.

Fazit:

So dümpelt „Concrete Cowboy“ beinahe zwei Stunden vor sich hin, lässt aufgrund der vorhersehbaren Geschichte und des fehlenden Tiefgangs emotional wirklich packende Szenen vermissen, bietet am Ende aber aufgrund des interessanten Settings und eines auftrumpfenden Idris Elbas noch genügend Schauwerte, um die Sichtung zu rechtfertigen. Nur dieses Gefühl, dass hier so viel mehr drin gewesen wäre, lässt einen leicht wehmütig auf der Couch zurück.

Bewertung:

Bewertung: 6 von 10.

(60 / 100)

„Concrete Cowboy“ ist seit 2.4. auf Netflix zu sehen.

Bilder: (c) Netflix

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