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„Ibiza-Video“: Kritik

Gestern Abend veröffentlichten 2 österreichische Boulevard-Medien unter großem Trommelwirbel neue Passagen aus dem berühmten „Ibiza-Video“, das die schwarz-blaue Regierung in Österreich 2019 scheitern ließ: Der ehemalige Vizekanzler HC Strache ist dort mit Nebendarsteller Johann Gudenus zu sehen, wie er über Parteienfinanzierung, Zeitungsverkauf und Korruption schwadroniert und sich währenddessen volllaufen lässt.

von Christian Klosz

Dem Publikum war bisher nur ein 6-minütiger Zusammenschnitt unter Regie der Editoren von Spiegel und SZ bekannt gewesen, der im Mai 2019 veröffentlicht wurde. Nach Ankündigung des österreichischen Streamingdienstes oe24.tv, nun das „ganze Video“ zu zeigen, durfte man auf einen Director’s Cut hoffen, also das 7-Stunden-Epos in voller Länge. Aber nix da: Auch die Experten des Boulevard haben eigene Cutter, die das ihnen offenbar in voller Länge vorliegende Material in neue, kurze Sequenzen zerstückelten. Interessant, denn das war genau das, was sie den Produzenten von „Ibiza-Video – Version 1.0“ aus 2019 vorgeworfen hatten.

Nach der anfänglichen Enttäuschung sieht man schließlich einige neue Szenen der österreichischen Ibiza Video-Stars HC Strache und Johann Gudenus, in ihrer Gesamtheit zirka 10-15 Minuten neues Material: Eine innige Begrüßung mit der berühmten „Oligarchennichte“ ist dabei, Straches hymnische Selbstbeweihräucherung „Ich bin immer sauber!“, ein neuer Satz mit Kultpotential, Hobbydetektiv Joschi Gudenus 007 ist zu sehen, wie er in offenbar schon illuminiertem Zustand die fesche Russin „investigiert“, ihren Pass sehen will und Zweifel an ihrer Kredibilität deponiert – um danach genau nichts zu unternehmen. Und Superschnüffler HC Strache sieht man bei eindeutiger Geste (siehe Titelbild), die wohl „irgendwas mit koksen“ sagen soll.

Was lernen wir nun aus dem Sequel zum Erfolgsfilm aus 2019? Einerseits korrigieren die neuen Szenen die Gesamteinschätzung zumindest marginal dahingehend, dass HC Strache mehrfach klar sagt, mit Korruption nichts zu tun haben zu wollen. Die bisher bekannten, dubiosen Aussagen bleiben natürlich weiterhin bestehen. Im neuen „Gesamtbild“ wirkt es aber eher so, als hätte Strache versucht, Grenzen auszuloten, was geht, was sich lohnen könnte, was „zu holen“ wäre, um gleichzeitig immer wieder zurückzurudern und klar zu machen: Krumme Sachen gibt es mit mir nicht. Andererseits – und das mag wohl kaum zur gewünschten Entlastung beitragen – verstärkt sich der Eindruck eines verheerenden Sittenbildes, in dem sich 2 führende Politiker in eine Falle locken lassen, sich völlig gehen lassen, eine Menge Alkohol (und vermutlich auch Drogen) konsumieren und einen Eindruck vermitteln, den Menschen in diesen Positionen einfach nicht abgeben dürfen.

Fazit:

Zu kurz, mangelhafte und fehlende Untertitel, schlechte Tonmischung: Die Billig-Boulevard-Produzenten der „Ibiza-Video“-Fortsetzung bekleckern sich nicht mit Ruhm und enttäuschen ihr sensationsgeiles Publikum, das auf ein 7-Stunden-Mega-Epos gehofft hatte. Das Ibiza-Sequel bringt zwar neue Aspekte ans Licht, die „große Bombe“ und der Mega-Blockbuster sind die paar (bisher) neu veröffentlichten Szenen aus dem Jahr 2017 aber nicht.

Bewertung:

Bewertung: 1 von 10.

„Ibiza-Video – das Sequel“ ist derzeit u.a. auf oe24.tv zu sehen.

Die Langfassung ist HIER zu sehen.

Titelbild: Screenshot oe24.tv

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