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„Love and Monsters“: Kritik zum Netflix-Start

Wie soll das weitergehen mit dem Kino? Und vor allem dem Blockbuster-Effekt-Kino, das ja gerade für die große Leinwand gemacht wird und sie braucht? Man weiß es nicht, inzwischen wählen mehr und mehr Studios den Weg, ihre seit Monaten (oder über einem Jahr) gehorteten Big Budget-Knüller online zu veröffentlichen, als VOD oder als Special Content bei diversen Streamingdiensten. „Love and Monsters“ ist auch so ein Film, der nach langer Entwicklungsphase für die Multiplexe dieser Welt gedreht wurde und eigentlich am Beginn dieses Jahres im Kino hätte landen sollen. Nach einem limitierten Kino- und VOD-Start wurde das SciFi-Abenteuer in unseren Breiten schließlich am 15.4. auf Netflix veröffentlicht, um einem möglichst breiten Publikum zugänglich gemacht zu werden: Wir hätten darauf verzichten können.

von Christian Klosz

Um über den Inhalt von „Love and Monsters“ Bescheid zu wissen, genügen geringe Englisch-Kenntnisse: Es geht um Liebe und Monster, ersteres in besonders verkitschter Art, zweiteres zumindest in visuell ansprechender Form aufbereitet. Joel Dawson (miserabel: Dylan O’Brien) wird bei einem Date mit seiner Herzensdame Aimee (passabel: Jessica Henwick) inklusive erstem Kuss auf dem Autorücksitz blöderweise von einfallenden Asteroidenteilen gestört, die nicht nur die schöne Stimmung zerstören, sondern auch die halbe Erde. Der chemische Fallout führt dazu, dass Insekten und andere Krabbeltiere zu riesigen Monstern mutieren, die ab dann die Welt bevölkern. Für Joels Eltern kommt die Flucht zu spät, er selbst kann sich – wie alle anderen Überlebenden – in einen unterirdischen Bunker, genannt „Kolonie“, retten, um sich vor den Riesenviechern zu verstecken.

Dort sitzt der Arme nun schon seit 7 Jahren, blöd nur, dass seine geliebte Aimee, die auch überleben konnte, in einer anderen, rund 80 Kilometer entfernten Kolonie sitzt. Nachdem sich der Kontakt auf unregelmäßige Gespräche via Radiofunkgerät beschränkt, nimmt Joel all seinen Mumm zusammen und entschließt sich dazu, seine Geliebte zu suchen und sich der Monster-Gefahr an der Erdoberfläche zu stellen. Auf seinem Abenteuer trifft er auf neue Freunde, einen Hund namens Boy, der ihm ab dann als Weggefährte beisteht, und lernt, sich seinen Ängsten zu stellen und in der gefährlichen Wildnis zu überleben. Wird er es aber wirklich bis zu Aimees Kolonie schaffen – und wird das Wiedersehen so sein, wie in Joels Liebes-Träumen gewünscht?

„Love and Monsters“ klingt auf den ersten Blick trashy, was einladend sein kann, ist aber im Endresultat leider kein edler Trash, sondern ziemlicher Müll. Das liegt gar nicht unbedingt an der schrägen Story oder den CGI-animierten Riesen-Kleintieren (die tatsächlich gut gelungen sind), sondern daran, dass Drehbuch und Figuren von Kitsch und Klischees nur so triefen. Motivation der Hauptfigur, sein Leben aufs Spiel zu setzen? Seine Geliebte wiederzusehen, die er einmal geküsst hatte, und das vor 7 Jahren. Joel wirkt zudem wie das Abziehbild einer schlechten Kopie des unsicheren, schüchternen Nerds, der eigentlich zu schwach und feig ist, ein Held zu sein – und dann von Liebe beflügelt über sich hinauswächst: Banal, oberflächlich und völlig uninteressant, und bereits hundertfach gesehen. Hinzu kommt, dass Dylan O’Brien eine weniger als suboptimale Leistung liefert, die mit ihrer aufgesetzten und übertriebenen Mimik eher in eine Telenovela passen würde, als in einen Spielfilm.

Selbiges (Figuren als uninspirierte und klischeehafte Kopien) gilt auch für Joels Kurzzeitgefährten Clyde und Minnow, für den „Captain“ – und sogar für Hund Boy. Natürlich, „Love and Monsters“ nimmt sich bei all dem selbst nicht sonderlich ernst; der Humor ist aber zu harmlos, als dass das Ganze als beißende Satire durchgehen könnte (man denkt etwa an „Starship Troopers“, bei dem es ja zufällig auch um Riesen-Bugs geht…). Und die Motivationen und Emotionen seiner Figuren scheint der Film doch recht ernst zu meinen, was ihn pubertär bis kindisch wirken lässt. Vor dem qualitativen Komplettcrash retten „Love and Monsters“ nur die Special Effects, die ihm sogar eine Oscar-Nominierung eingebracht haben, und das Finale, das zumindest mit einigen gelungen Action- und Kampf-Einlagen punkten kann.

Fazit:

Trotz beachtlicher CGI-Einlagen: „Love and Monsters“ ist ein banales, vorhersehbares, kindisches und völlig harmloses Action-Abenteuer voller Klischees, das neben einigen Schauwerten nichts zu bieten hat, das eine Sichtung rechtfertigt.

Bewertung:

Bewertung: 4 von 10.

(40/100)

Seit 15.4. auf Netflix zu sehen.

Bilder: (c) Netflix

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