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„Die bunte Seite des Monds“: Kritik zum Oscar-nominierten Animationsfilm (Netflix)

Die junge Fei Fei lebt gemeinsam mit ihren Eltern in einer chinesischen Kleinstadt. Die betreiben dort eine Bäckerei und stellen Mondkuchen her, die zu den besten weit und breit gehören. Jedes Jahr zum Mondfest erzählt ihre Mutter Fei Fei die Geschichte der Mondgöttin Chang’e, die laut Legende nach einem Unsterblichkeitsfluch immer noch dort oben im Himmel sitzt und auf ihren Mann wartet, von dem sie getrennt wurde.

von Christian Klosz

Da erkrankt die Mutter schwer und stirbt, womit sich Fei Fei kaum abfinden kann. Als Andenken hält sie am Glauben an die Mondgöttin fest, auch als sie älter wird. Einige Jahre später lernt ihr Vater eine andere Frau kennen, die er heiraten möchte. Fei Fei ist damit alles andere als einverstanden und beschließt, mit einer selbstgebauten Rakete Richtung Mond zu fliegen, um die Existenz von Chang’e zu beweisen. Wider Erwarten klappt die Reise, ein Lichtstrahl befördert sie und ihren (zukünftigen) Stiefbruder Chin, der sich in die Rakete geschlichen hatte, auf den Mond, wo sie tatsächlich auf Chang’e und allerlei bunte Fabelwesen treffen. Die erwartet jedoch von den Gästen ein Geschenk, um ihren Fluch endlich zu brechen. In einem abenteuerlichen Wettkampf messen sich Fei Fei, Chin und deren Haustiere mit den Mondbewohnern, um die Gunst der Göttin zu erspielen.

„Die bunte Seite des Monds“ versucht, eine alte chinesische Fabel in neuer Form und als Animationsfilm zu erzählen. Als erstes sticht ins Auge, dass die Handlung offensichtlich im heutigen China spielt, die Figuren aber allesamt unsynchronisiert Englisch sprechen, was zumindest ungewohnt wirkt, aber damit zu tun hat, dass es sich um eine amerikanische Produktion handelt. Während die Einleitung noch halbwegs gelungen ist, stellt sich beim erwachsenen Zuschauer aber spätestens nach der Mond-Reise eher Langeweile ein. Der Film geizt zwar nicht mit bunten Schauwerten und Optik, hat aber erzählerisch kaum etwas zu bieten. Die zwei Drittel, die auf dem Erdtrabanten spielen, sind eine Abfolge knalliger und überdrehter Sequenzen, die zwar Kleinkindern Freude bereiten mögen, ein älteres Publikum aber eher abstoßen oder nerven.

Das Problem – und der Faktor, der „Die bunte Seite des Monds“ etwa von Disney/Pixar-Produktionen negativ abhebt – ist, dass es den Machern hier nicht gelungen ist, die Message des Film adäquat oder interessant aufzubereiten: Es geht um Verlust und Trauer, Veränderung und das Loslassen. Der eingeschlagene Weg, dies mit einem zugegeben eher mittelmäßigen Fabel-Verschnitt zu verquicken, misslingt ordentlich.

Der Animationsfilm ist als Musical konzipiert, immer wieder ergänzen eigens komponierte Songs die Szenen. Zumindest hier wurde solide gearbeitet, wer auf überdrehten Balladen-Kitsch steht, sollte wenigstens musikalisch auf seine Kosten kommen. Doch auch die Songs schaffen es nicht, darüber hinwegzutäuschen, dass eine an sich interessante Idee nur mangelhaft und vor allem dramaturgisch enttäuschend umgesetzt wurde, sodass man sich nach spätestens 30 Minuten danach sehnt, dass die insgesamt 1.5 Stunden doch bald zu Ende gehen mögen. Dass „Die bunte Seite des Monds“ bei den heurigen Oscars als „Bester Animationsfilm“ nominiert war, spricht nicht unbedingt für den Output der Animationskünstler im Jahre 2020.

Fazit:

Nette Idee, mangelhafte Umsetzung: Der Netflix-Animationsfilm versucht, Anleihen an den Vorbildern Disney/Pixar zu nehmen, was optisch teilweise gelingt, erzählerisch aber scheitert. Für (Klein-)Kinder ob der Schauwerte vielleicht unterhaltsam, löst „Die bunte Seite des Monds“ bei älteren Zuschauern in erster Linie Langeweile aus.

Bewertung:

Bewertung: 4 von 10.

„Die bunte Seite des Monds“ ist derzeit auf Netflix zu sehen.

Bild: (c) Netflix

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