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„Army of the Dead“ – Kritik zum Netflix-Start

Vorweg: „Army of the Dead“ soll Spaß machen. Schon der knallpinke Titel unterstreicht diesen Anspruch, aber auch die einigermaßen verrückte Genre-Mischung aus Heist- und Zombie-Film klingt vielversprechend sinnentleert. Auf dem Regiestuhl hat Zack Snyder Platzg enommen, der mit dem großartigen Romero-Remake „Dawn of the Dead“ schon Erfahrung mit dem mittlerweile ziemlich toten Zombie-Genre gemacht hat. Mittlerweile ist Snyder aber eher für Popkultur-Spektakel á la „300“ und „Justice League“ bekannt. Jetzt kombiniert er beides zu einem Werk ohne jeglichen Horror, dafür aber mit ganz viel CGI und ordentlich Muskeln.

von Marius Ochs

Die bringt unter anderem Ex-Wrestler und Ex-Guardian of the Galaxy Dave Bautista als Hauptdarsteller mit. Auch sonst ist der Cast hochklassig besetzt, da die Charaktere aber kaum Tiefgang besitzen, kann niemand wirklich glänzen. Nur einer bleibt in Erinnerung, denn für deutsche Sehgewohnheiten ist es dann doch ziemlich überraschend, Matthias Schweighöfer in einer Produktion dieser Größe zu sehen. Und das ist noch nicht mal alles: Schweighöfer wird sogar ein Prequel namens „Army of Thieves“ inszenieren, mit seinem Charakter in der Hauptrolle. Da jedoch die komödiantischen Elemente durch den Panzerknacker Dieter in „Army of the Dead“ vor allem nerven, überwiegt hier die Skepsis. Trotzdem: Glückwunsch, Matthias!

Dieter ist sogar der zentrale Punkt des Heist-Plans, um den sich der Film vorrangig dreht: Er soll mit seinen einzigartigen Fähigkeiten einen Tresor in Las Vegas öffnen, in dem sich 200 Millionen Dollar befinden. Das Problem ist, dass Las Vegas mittlerweile eine abgeriegelte Zone ist, da dort ein Zombie-Ausbruch stattfand. Die Stadt gehört jetzt ihnen und soll bald mit einer Atombombe in die Luft gejagt werden. Scott Ward (Dave Bautista) überlebte damals den Ausbruch und stellt nun das Team um Dieter auf, um an das Geld zu kommen. Für den erfolgreichen Coup wird jedem eine hohe Belohnung versprochen. Jeder weiß natürlich, dass sich die Traumata der Vergangenheit durch Geld heilen lassen. Lang lebe Amerika!

Die Geschichte ist dann auch genauso stumpf, wie sie klingt. Die Dialogszenen ziehen den Film unnötig in die Länge, Traum-Sequenzen sorgen für unfreiwillig komisches Drama und „Army of the Dead“ liefert keinen Grund, Interesse für die Emotionen der einzelnen Charaktere zu entwickeln. Ohne all das menschliche Gezanke hätte der Film auch keine 148 Minuten gedauert und wäre so noch ein wenig kurzweiliger und unterhaltsamer geworden. Also beim nächsten Mal: Mehr Zombies, weniger Menschen. Denn die Action-Szenen sind eigentlich richtig gut, und auch die Animationen der Untoten und die Kamera während der Kämpfe sitzen perfekt. Man merkt, dass hier Snyders große Stärke liegt. Trotz der langen Laufzeit hält der Film so dann auch was er verspricht – er macht Spaß. Denn im Grund geht es hier um Action, und die sitzt.

Trotzdem: Wer will, findet im Film auch einen gewissen – mehr oder weniger subtilen – Kommentar zu aktuellen politischen Ereignissen. Flüchtlingscamps, die Bedrohung durch eine tödliche Krankheit und Männer, die Machtpositionen missbrauchen. All das kommt vor und lässt sich auf globale Ereignisse projizieren. Doch das sollte in diesem Kontext nicht überbewertet werden, Zombies funktionierten zwar bei Romero noch als Metapher, in der heutigen Z-Industrie sind sie jedoch reines, popkulturelles Gimmick – so auch bei „Army of the Dead“. Wer das mag, wird seinen Spaß haben. Auf der Suche nach tiefgründiger Unterhaltung, die zum Denken anregt, bieten Netflix und auch das Zombie-Genre sicherlich bessere Optionen. Ein Highlight muss an dieser Stelle aber noch hervorgehoben werden: Der Vorspann ist großartig. Große und kleine Dramen während des Ausbruchs der Zombie-Epidemie, sowie der anschließende Kampf um Las Vegas werden im Schnelldurchlauf gezeigt, mit herrlich beseeltem Soundtrack. Diese zehn Minuten sind so actionreich, witzig und sehenswert, dass der ganze restliche Film im Vergleich hinterherhinkt.

Fazit

Snyders Zombie-Spektakel hält, was es verspricht: Hirnlosen Spaß und überdrehte Action. Die fast zweieinhalb Stunden fühlen sich erstaunlich kurz an, dennoch hätte der Film auf einige Elemente verzichten können – vor allem auf gewisse emotionale Momente, die so gar nicht zum Ton des Films passen. Zack Snyder hat mit seinem stylischen und sinnbefreiten Film immerhin ein neues Genre erfunden: den Zombie-Heist-Film. Kein großer Wurf, aber immerhin auch kein Totalausfall!

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(71/100)

Bilder: ©Netflix

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