Website-Icon Film plus Kritik – Online-Magazin für Film, Kino & TV

„Nobody“: Kritik zum Kinostart

Man nehme John Wick, füge eine Prise The Equalizer hinzu, würze das ganze noch mit ein wenig R.E.D. und heraus kommt der neueste Actionkracher der Sommersaison. Mag sich nach dieser Beschreibung vielleicht nicht nach viel anhören, entpuppt sich aber als hervorragender Kurzzeit-Eskapismus nach einem Jahr der geschlossenen Kinos und verschobenen Filmstarts.

von Mara Hollenstein-Tirk

Die Gründe für die überraschend amüsante Laufzeit von „Nobody“, seit 1.7. in den Kinos zu sehen, sind mannigfach, allerdings sicherlich nicht in der Story zu finden. Diese könnte nämlich tatsächlich kaum mehr nach Schema F verlaufen. Ehemaliger Angehöriger einer Spezialeinheit baut sich ein ruhiges Leben mit Kind und Kegel auf, hält seine berufliche Vergangenheit dabei natürlich geheim, bis diese ihn eines schicksalhaften Tages dann schließlich doch einholt und er sich durch eine x-beliebige Untergrundorganisation metzeln muss. Wie gesagt, nichts besonderes. Aber das ist das Schöne an dem ein oder anderen Film, sie müssen das Rad nicht neu erfinden, solange sie wissen, wie man es richtig zum Drehen bringt. Und dieses Kunststück gelingt Regisseur Ilja Naischuller und Hauptdarsteller Bob Odenkirk ganz wunderbar.

Gerade Odenkirk ist auf den ersten Blick eigentlich nicht die naheliegendste Wahl, stellt man sich einen alternden Profikiller vor. Der anfängliche Schein kann allerdings trügen. Denn der Darsteller, der vor allem durch seine Rolle als Saul Goodman im Breaking-Bad-Universum bekannt geworden ist, verleiht seinem eingerosteten CIA-Agenten eine erfrischende Prise Charme und Witz. Gerade sein Underdog-Auftreten sorgt für einige gekonnt platzierte Lacher. Doch nicht nur Odenkirks angeborenes Charisma, auch die temporeich und dennoch übersichtlich inszenierte Action lässt die Herzen von Genrefans höher schlagen. Hier liegt es durchaus im Bereich des Möglichen, dass Produzent David Leitch mit Rat und Tat zur Seite stand. Immerhin hat der Mann mit Filmen wie dem bereits erwähnten „John Wick“ selber schon für ein paar Perlen des modernen Actionkinos gesorgt. Selbst die lediglich in einigen wenigen Szenen angeteaserte größere Welt hinter dem bunten Treiben erinnert frappierend an die komplexe Verbrecherorganisation aus dem Überraschungshit von 2014 und seine Nachfolger. Und ebenso wie bei Mister Wick, hätte man auch hier als Zuschauer spürbar Lust darauf noch tiefer in die Geheimnisse rund um Hutch Mansell (Bob Odenkirks Figur) einzutauchen.

Und dann wäre da noch eine Sache, die auf jeden Fall eine eigene Erwähnung an dieser Stelle verdient: der Soundtrack. Zwar muss man selbstgeschriebene Lieder mit der Lupe suchen, die aus Pop und Rock zusammengesuchten Stücke sind aber so herausragend treffsicher platziert, dass sogar sie für den ein oder anderen Lacher sorgen – einfach aufgrund der dadurch kreierten Situationskomik. Ein ähnliches Gespür für das Zusammenspiel von Songs und Action legte in den letzten Jahren lediglich James Gunn in den „Guardians of the Galaxy“-Filmen an den Tag.

Fazit:

Ebenso erfrischend wie wohl vertraut, mit einer kräftigen Prise Humor versehen und kurzweilig von der ersten bis zur letzten Minute: genau so wie „Nobody“ muss sich ein Action-Sommerblockbuster anfühlen. Fans des Genres sollten sich nach der langen Zeit der Enthaltsamkeit diesen Spaß wirklich nicht entgehen lassen.

Bewertung:

Bewertung: 8 von 10.

(83 /100)

Bild: (c) UPI

Die mobile Version verlassen