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„Sweet Girl“ – Kritik zum Netflix-Start

Kaum eine Woche nachdem John David Washington in „Beckett“ in eine Verschwörung verwickelt wurde und nur knapp mit dem Leben davon kam, spült Netflix den nächsten Action-Thriller in sein Programm. Diesmal mit „Aquaman“-Star Jason Momoa, der den Tod seiner Frau rächen will und dabei korrupte Verstrickung von Pharmaunternehmen und Politikern aufdeckt. Lobbyismus, ein gewinnorientiertes diskriminierendes Gesundheitssystem und Versagen der Politik: „Sweet Girl“ versucht sich an einigen schwergewichtigen Themen und verhebt sich ganz gewaltig daran. Orientierungslos und oberflächlich kann nicht mal Jason Momoa und ein großer Twist den Rache-Thriller noch vor dem Untergang bewahren.

von Madeleine Eger

Als seine Frau Amanada (Adria Arjona) an Krebs verstirbt, bricht für Ray (Jason Momoa) und seine Tochter Rachel (Isabela Merced) eine Welt zusammen. Eines ist sich Ray jedoch sicher: Ein Medikament, das kurz vor Therapiebeginn ohne Begründung vom Markt genommen wird, hätte seine Frau noch retten können. Öffentlich macht er dafür BioPrime Pharmachef Simon Keeley (Justin Bartha) verantwortlich und droht ihm mit dem Tod. Als Ray von einem Reporter kontaktiert wird, sieht er seine Chance, die große Verschwörung und Korruption aufzudecken, die seine Frau umgebracht haben soll. Damit begibt er sich allerdings in Lebensgefahr und muss fortan das Wertvollste schützen, was ihm noch von seiner Familie geblieben ist: seine Tochter.

Dass eine Krebserkrankung für Betroffene wie Angehörige zum sprichwörtlichen Griff nach dem rettenden Strohhalm werden kann, ist genauso tragisch und fatal wie die ermöglichte Monopolstellung von Pharmakonzernen und die damit einhergehende Einflussnahme auf ein ohnehin schon krankendes und gewinnbasiertes Gesundheitssystem. Die Autoren von „Sweet Girl“, Gregg Hurwitz und Philip Eisner, versuchen sich an einem aktuellen und gesellschaftspolitisch durchaus brisantem Thema, das jedoch schlichtweg in den leeren Phrasen der Charaktere untergeht. Denn das große Ganze, das sich hinter der „Machtsicherung“ und der Gewinnmaximierung eines fiktiven Pharmaunternehmens und dessen CEO Keeley verbirgt, wird tatsächlich nie ausreichend aufgearbeitet. Und das, obwohl der Reporter in seinem Treffen mit Ray ein ungeahntes Ausmaß der geheimen Machenschaften verspricht. So bleibt lediglich der Tod eines Familienmitglieds als einfach gestricktes Motiv für die Hauptfigur übrig, die sich dann auf der Flucht immer wieder mit den Auftragskillern des Pharmaunternehmens prügelt, um irgendwann doch Gerechtigkeit zu erfahren.

Jason Momoa, der als kerniger Typ eigentlich eine starke Präsenz mitbringt, kann aber auch in den Action- und Kampfszenen nicht mehr viel zum ohnehin schon geringen Unterhaltungswert des Thrillers beitragen. Gerade zu Beginn, als Ray sich mit dem Reporter in der U-Bahn trifft und er sogleich ins Fadenkreuz des ersten Killers gerät, wird deutlich: hier fehlt es an Durchschlagskraft und Tempo. Fehlplatzierte Schnitte und ungünstig gewählte Perspektiven können weder die drohende Gefahr, noch den beengten Raum, in dem sich Momoa zum ersten Mal durchschlagen muss, adäquat einfangen. Für den von Momoa gespielten Familienvater, der als Kampfsporttrainer schon eine gewisse Größe mitbringt und auf Rache sinnt, hätte hier einfach mehr drin sein müssen, um zumindest damit eine spürbare Grundspannung zu erzeugen. Auch die darauffolgenden Actionsequenzen haben bis auf einen versucht düsteren Look kaum mehr zu bieten und lassen den Film spürbar langatmig werden.

Im letzten Drittel versucht „Sweet Girl“ sich dann noch mit einem Plot-Twist zu retten, der aber zum einen völlig überflüssig ist und dann selbst die Actionszenen in ihrer Sinnhaftigkeit noch derart dekonstruiert, dass die Autoren besser beraten gewesen wären, ihr Augenmerk auf die Aufschlüsselung der korrupten Machenschaften von Pharmakonzern und Politik zu legen. Denn Justin Bartha als CEO Keeley lässt schon in seinem ersten Auftritt durchblicken: was hier zählt ist Geld und nicht das Wohlergehen der Bevölkerung. Das Potenzial, das diese unsympathische Figur mitbringt, um beispielsweise klare Sympathien für Ray oder Rachel beim Zuschauer hervorzubringen, bleibt aber schlussendlich ungnutzt. So bleibt am Ende neben viel Langeweile sogar noch Enttäuschung über das bemüht entlarvende Ende.

Fazit:

Wenig Spannung, wenig gut gemachte Action und ein Jason Momoa, der genauso verloren wirkt wie die Drehbuchautoren bei ihrem Versuch, einen vielschichtigen Rache-Thriller auf die Beine zu stellen. „Sweet Girl“ versucht am Ende noch mit einem Plot Twist aufzutrumpfen, der dem Film aber lediglich den Todesstoß versetzt und nicht mehr über die enttäuschende Story und das unbefriedigende wie belanglose Ende hinwegtäuschen kann.

Rating:

Bewertung: 3 von 10.

Bilder: (c) Netflix

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