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„Free Guy“ – Kritik

Eigentlich sollte die neue Actionkomödie von Regisseur Shawn Levy („Nachts im Museum“ „Stranger Things“) schon 2020 in den Kinos laufen. Dann allerdings machte die Pandemie dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung und der Start musste ganze 3 Mal verschoben werden. Während der Zeit war Mitproduzent Ryan Reynolds aber nicht ganz untätig und hat zuletzt sogar mit einem Disney Deadpool Crossover überrascht, um die Wartezeit zu verkürzen. Und so viel ist sicher, das Warten auf den Videospiel-inspiriertem Actionkracher hat sich gelohnt – denn „Free Guy“ ist tatsächlich ein waschechter Sommer-Blockbuster mit überraschend viel Herz und Charme. Der Film ist seit 12.8. im Kino zu sehen.

von Madeleien Eger

Für Guy (Ryan Reynolds) ist jeder Tag in Free City gleich: Immer das gleiche blaue Shirt, immer der gleiche morgendliche Kaffee und immer der gleiche wenig abwechslungsreiche Arbeitstag in der Bank. In einer Stadt, wo seltsamerweise auch Roboter auf den Straßen und wilde Schießereien zum Stadtbild gehören, wird selbst der tägliche Banküberfall zur unspektakulären Routine. Trotzdem spürt Guy, dass es für ihn noch mehr geben muss und dass seine Traumfrau auch irgendwo da draußen ist. Da begegnet er eines Tages MolotovGirl (Jodie Cormer). Die gehört allerdings zu denen in Free City, die mittels cooler Brille zu den Helden der Stadt auserkoren wurden – und Guy ist nun mal alles andere als das. Um sie dennoch kennenzulernen, besorgt sich Guy selbst eine der Brillen und muss feststellen, dass Free City nur ein Videospiel, er darin ein unbedeutender NPC (nicht spielbarer Charakter) und MolotovGirl in der realen Welt Millie ist. Den ersten Schock kaum verarbeitet, bahnt sich auch schon die nächste Katastrophe an: Denn Free City droht das Aus und Guy muss jetzt über sich hinauswachsen, um seine Welt noch retten zu können…

Kaum in Free City angekommen werden vor allem Gamer bemerken, von welchen Spielen sich die Macher hier haben inspirieren lassen. GTA, Fortnite oder auch Sim City waren Vorbilder für das Open-World-Game von Free City, in dem der herzensgute, aber durchaus naive Guy sein Dasein fristet. Dennoch bedient sich der Film nicht nur etlicher Videospielreferenzen, sondern erinnert auch an Filme wie „Die Truman Show“, „The LEGO Movie“ oder „Ready Player One“. Aber trotz etlicher Easter Eggs und Ähnlichkeiten steckt in „Free Guy“ immer noch eine originelle und originäre Idee, die nicht auf bekannten Marken basiert, als Reboot oder Sequel daherkommt und damit neue charismatische Charakter etabliert.

Dabei leisten die beiden Hauptdarsteller Ryan Reynolds und Jodie Comer ganze Arbeit. Ryan Reynolds, diesmal nicht in Deadpool-Manier, spielt den ahnungslosen Guy mit unglaublich ansteckender Freude wie Neugier und glänzt zudem in etlichen großartig durchchoreografierten Actionsequenzen. Obwohl Reynolds hier eine absolute Sympathiefigur auf die Leinwand bringt, mit der man ab der ersten Minute mitfiebert, so ist es doch Jodie Comer („Killing Eve“), die ihm vielfach als toughes MolotovGirl oder leidenschaftliche Spieleentwicklerin Millie die Show stiehlt. Comer, die mit „Free Guy“ tatsächlich ihr großes Leinwanddebüt feiert, kann ihrer Figur genau die nötige Vielschichtigkeit verleihen, um zwei komplett unterschiedliche Welten geschickt miteinander zu verknüpfen.

Ohnehin funktionieren die Wechsel vom Spiel in die reale Welt nahezu fließend, wobei es „Free Guy“ dann sogar noch schafft, den Film im Hier und Jetzt zu verorten. Eingefleischte Gamingfans dürften nämlich durchaus den ein oder anderen Twitch-Star wiedererkennen. Aber auch für Noobs (wie Neulinge in der Spielwelt gern genannt werden) hält der Film den ein oder anderen sozialkritischen Kommentar bereit und ermöglicht den Zugang zur Welt von Free City. So beispielsweise, als Millie zur Überraschung von Guy zugeben muss, dass Waffengewalt auch in der realen Welt ein größeres Problem darstellt oder auch den Umgang der Menschen im Spiel untereinander kommentiert.

Wenngleich sich der Film also gerade für Gamer zu einem wahren Fest für die Sinne entwickelt, ist „Free Guy“ entgegen der Vermutung nicht vorrangig ein Film über Videospiele. Vielmehr verbirgt sich hinter der lauten und bunten Welt um Free City eine Geschichte über den Mut und die Neugier, die eigene Komfortzone zu verlassen, die Welt mit anderen Augen zu entdecken und auch ein Film über Liebe, Menschlichkeit und Freundschaft. „Free Guy“ schafft eine großartige Balance und wird damit zu einem spannenden, witzigen und überraschend liebenswürdigen Blockbuster mit Wohlfühlfaktor.

Fazit

„Free Guy“ ist der Kinoblockbuster des Sommers: Ein großartig aufspielendes Schauspielensemble, charmante Figuren, viel Witz und unschlagbar gute Action. „Free Guy“ geizt dabei nicht mit Easter Eggs, unerwarteten Cameos und einer unvergesslichen Szene, die insbesondere Marvelfans begeistern dürfte.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

Bilder: (c) 20th Century Studios/Walt Disney

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