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„A Dark Song“ – Kritik zum Heimkino-Start

Erinnert ihr euch an den kleinen Cole aus „The Sixth Sense“? Das war der junge Mann, der mit seiner ikonischen Äußerung noch heute in den Gedächtnissen verankert ist: „Ich sehe tote Menschen!“ Was ihm damals eine Heidenangst eingejagt hat, ist in „A Dark Song“ sogleich der Aufhänger, denn Protagonistin Sarah strebt nach dem Tod ihres Sohnes genau danach. Unter Anleitung und Aufsicht von Experte Joseph Solomon soll mittels uraltem „Abramelin-Ritual“ Kontakt zu den Engeln aufgenommen werden, die nach erfolgreicher Durchführung einen Wunsch nach Wahl gewähren.

von Cliff Brockerhoff

Irdisches Verlangen soll somit durch übernatürliche Kräfte gestillt werden, und doch überrascht „A Dark Song“ mit einer eher realistischen, fast minimalistischen Porträtierung des Okkulten. Schwebende Möbelstücke oder geopferte Tierkadaver weichen kryptischen Ritualsrhythmen und erschaffen so eine mysteriöse und doch greifbare Grundatmosphäre. Diese wird auch nur an wenigen Stellen durchbrochen und fokussiert vielmehr den inneren Zwiespalt der Handelnden, die angesichts der Tragweite immer wieder zurückschrecken, mit sich hadern und ihrer Angst nachgeben wollen. Ab einem bestimmten Punkt ist es allerdings zu spät, sodass ein eiserner Wille gefragt ist.

Den benötigt auch der geneigte Zuschauer, denn „A Dark Song“ macht es einem wahrlich nicht einfach und offeriert nur wenig Tempiwechsel. Zumeist verharrt die Erzählweise stoisch in entschleunigten Gefilden und bahnt sich ihren Weg durch das Drehbuch. Genährt vom unsicheren Erzähler, den der Film als Stilmittel etabliert, verliert sich nach und nach die Gewissheit über das was sich in den Köpfen abspielt und das, was sich tatsächlich als Folge des Rituals abzeichnet. Nochmals verstärkt wird dieses Gefühl durch die undurchsichtigen Motive der handelnden Personen. Während Sophia angibt Kontakt zu ihrem toten Sohn aufnehmen zu wollen – ihre Aussage aber innerhalb der 90 Minuten mehrfach abändert – verbleibt Joseph zwar bei seiner Aussage, legt aber im weiteren Verlauf äußerst seltsame Verhaltensmuster an den Tag und lässt sich bis zum Schluss kaum entschlüsseln. Hier liegen Stärke und Schwäche nah beieinander. Sorgt die Herangehensweise einerseits für Spannung, erschwert sie im Gegenzug den Zugang. Gerade die weibliche Figur, deren Wünsche durchaus nachvollziehbar sind, schwankt zu sehr in ihren Handlungen. Auch wenn ihre Ängste und Sorgen verständlich sind – eine geradlinigere Ausrichtung wäre der emotionalen Nahbarkeit zuträglich gewesen.

Generell fällt der Film immer wieder durch kleinere Ungenauigkeiten auf, auch was die technische Komponente betrifft. Gerade zu Anfang gibt es diverse Szenen, in denen das Soundkonstrukt dermaßen auffährt und eine Spannung erzwingen will, die es faktisch jedoch gar nicht zu bestaunen gibt. Das legt sich im Laufe der Handlung, führt aber schon relativ früh dazu eine Disharmonie zu verspüren. Kompensiert wird diese durch die guten schauspielerischen Leistungen, die sich, abgesehen von zweitrangigen Nebencharakteren, auf gerade einmal vier Schultern verteilen. Sowohl Catherine Walker, als auch ihr männliches Pendant Steve Oram, überzeugen durch gute Performances, wobei die originale Sprachfassung diese Stärke, wie gewöhnlich, deutlich besser transportiert. Besonders gegen Ende spielen beide überzeugend auf und finden sich im letzten Drittel auch in einer deutlich zügigeren Geschichte wieder, die im Nachhinein dazu einlädt sich auch über das Filmende hinaus mit der Thematik zu beschäftigen. Das schafft beileibe nicht jedes Debüt.

Fazit

Auf der Klaviatur des Genres schlägt „A Dark Song“ verhältnismäßig ruhige, um nicht zu sagen traurige Töne an und lässt sich nur im Refrain zu gruseligeren Klängen hinreißen. Das ist alles hübsch inszeniert und verbirgt innerhalb der Lyrics eine tolle Botschaft, ist letztlich aber vom Songwriting her deutlich zu monoton geraten um in der Horror-Hitparade vorne mitzumischen. Für einen kleinen Ohrwurm reicht die tragische Melodei aber allemal. Ab dem 07. Oktober im limitieren Mediabook erhältlich und in ausgewählten Kinos zu sehen!

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(60/100)

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