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„Eternals“ – Kritik zum Kinostart

Unsterbliche Wesen, fast Götter, die seit 7000 Jahren unter der Menschheit wandeln: die „Eternals“. Sie dürfen nicht eingreifen, müssen zuschauen, wie sich die Menschheit in Kriegen selbst an den Rand der Vernichtung bringt. Ihr Gott sagte Ihnen, sie sollen warten. Nur um die Menschheit vor einer bestimmten galaktischen Bedrohung, den „Deviants“, zu schützen, dürfen sie eingreifen. Als diese ausgelöscht sind und die Eternals trotzdem auf der Erde bleiben müssen, beginnen sie, das menschliche Leben kennenzulernen, wertzuschätzen und zu lieben. Doch dann, in der heutigen Zeit und in der Timeline des Marvel Cinematic Universe, kurz nachdem Thanos besiegt ist, tauchen abermals Deviants auf.

von Marius Ochs

Das ist die Prämisse der zwei Stunden und vierzig Minuten Laufzeit von „Eternals“. Der Film ist dementsprechend episch und Jahrtausende der Menschheitsgeschichte werden im Zeitraffer erzählt. Aber „Eternals“ ist ebenso aufgebläht, zäh und seelenlos. Das liegt hauptsächlich an den neuen Figuren, die bis auf wenige Ausnahmen roboterhaft und inselbegabt daherkommen. Doch eine Superkraft macht noch keinen Charakter.

Dass das MCU mehr mit Markt als mit Kunst zu tun hat, sollte mittlerweile klar sein und wird bis auf wenige Ausnahmen immer wieder bestätigt. Selbst eine oscarprämierte Regisseurin wie Chloé Zhao (Nomadland, The Rider) kann daran kaum etwas ändern. Dennoch ist die Faszination der unendlichen Expansion des Universums und der immer neuen, seltsam gleichen Marvel-Charaktere auch bei „Eternals“ noch intakt. Die Fan-Gespräche werden aber mal wieder von den Szenen nach den Credits handeln. In den folgenden Filmen wird das Terraforming der letzten Schlacht aufgegriffen und die Handlung des Gesehenen in dem ein oder anderen ironischen Kommentar eingebaut. Aber der Film an sich, seine ästhetischen Qualitäten und das verschenkte Potential seiner gigantischen Geschichte – all das wird schnell vergessen sein.

Tatsächlich hätte der Film gut sein können, sogar einer der besten und fortschrittlichsten des MCU. Er war scheinbar mutig und neu: Der erste offen schwule MCU-Charakter, die erste gehörlose Heldin und die erste Sexszene in einem Film des Disney-Universums zeigen, dass hier Grenzen gesucht und gezielt überschritten wurden. Dies alles wurde in die ästhetische Ausgestaltung einer immer aufgehenden Sonne gekleidet, um es möglichst bedeutungsschwer zu machen. Diese kalkulierten „Provokationen“ (für wen auch immer Homosexualität, Gehörlosigkeit und Sex heute noch provozierend oder grenzüberschreitend sind) vor wunderschönen Kulissen mit Bildschirmschoner-Qualität sind nichts – außer langweilig. Durch die Geschwindigkeit der Jahrtausende, die erzählt werden, als wäre absolut nichts passiert, baut man keine Bindung zu den Charakteren auf. Der Plot springt munter hin und her, selbst der Atombombenabwurf in Hiroshima ist nicht mehr als ein seelenloses plot device. Kein Ansatz wird zu Ende geführt, viele interessante Geschichten werden angedeutet, aber letztlich doch wieder stumpf der Expansion des MCU geopfert.

Fazit

Ein Film, der mehr hätte sein können. Eine epische Geschichte, mythologische Heldinnen und Helden und eine Oscarpreisträgerin als Regisseurin klangen nach einer spannenden Neuausrichtung des MCU. Am Ende hat man jedoch einen Film, der seelenlose Charaktere vor schönem Ambiente die Weltgeschichte begleiten lässt, ohne dass irgendetwas davon mitreißend oder relevant wäre. Unsterblichkeit und das Verbot in die menschliche Geschichte einzugreifen klingen potentiell nach einer unterhaltsamen Handlung mit Reibungspunkten, im glattpolierten Marvel Cinematic Universe ist dies aber schon lange zweitrangig, um nicht zu sagen wertlos.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

(51/100)

Bilder: ©The Walt Disney Company

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