Adam Sandler spielt die Hauptrolle im mehrfach preisgekrönten Film der Safdie-Brüder „Uncut Gems“, der in seiner deutschen Übersetzung „Der schwarze Diamant“ heißt, und verkörpert dort in bester Art und Weise einen Spielsüchtigen im Endstadium.Und genau dieses Thema ist jene Triebfeder, die diesen Film evokativ, nervenaufreibend und spannend macht. Sandler schlüpft in diesem Krimi in die Person von Howard Ratner, einen exzentrischen Juwelier aus New York, der sein Doppelleben in vollen Zügen zu genießen scheint.

Einerseits gibt er sich als aufopfernder Familienvater, der ein gemütliches Leben in seinem Haus in der Vorstadt führt, und im beruflichen Leben kostbaren Schmuck an eine sehr betuchte Kundschaft verkauft. Aber auf der anderen Seite ist er in die Spielsucht abgeglitten, schläft mit einer 20 Jahre jüngeren Frau, und feiert Polterabende im Herzen des Big Apples.

Es ist ein schmaler Grat zwischen geistigem Wohlbefinden und völligem Wahnsinn, der uns hier von Sadler gekonnt vorgespielt wird. Bei genauer Betrachtung dieses 2019 produzierten Streifens hat man einige Male das Gefühl, dass Howard die Dinge im Griff haben könnte, wenn er nur nicht der Wettsucht verfallen wäre.

EIN WICHTIGER HINWEIS: Dieser Artikel befasst sich vor allem mit jenen Komponenten, die eine Glücksspielsucht auslösen, und die tatsächlich süchtig machen können. Da die Gefahren bekannt sind, ermutigen wir gleichzeitig auch dazu, mehr über verantwortungsvolles Glücksspiel zu erfahren und jenen Spielern zu helfen, die in die Glücksspielsucht abgeglitten sind.

Die ruinöse Spielsucht in „Der schwarze Diamant“

Im Laufe des Films wird immer mehr klar, dass Howard zwar ein Mann ist, der fast allen Dingen des täglichen Lebens realistisch begegnet, aber dass er zu manchen Zeiten auch dazu neigt, Einsätze in sehr riskante Wetten zu tätigen, dabei aber immer zuversichtlich ist, dass er den Weg zurück in die „heile“ Welt jederzeit schaffen wird können. Daher hängen viele Lebensumstände von Howard davon ab, wie sich mache Wettereignisse entwickeln, die jedoch nur allzu schwer hervorzusagen sind, und keineswegs garantiert werden können. Er wagt sich aber dennoch aufs offene Eis.

Und eine Frage umkreist dieser Film ganz genau: „Was genau geht in den Köpfen von Spielsüchtigen vor, die permanent mit den eigenen Entscheidungen ringen?“ Die Antwort ist aber dennoch recht simpel und kann mit wenigen Worten zusammengefasst werden: „Was ist, wenn?“ Denn auch das Glück im Spiel kann zu oft strapaziert werden, vor allem dann, wenn der Spieler oder die Spielerin noch immer dem Trugschluss unterliegt: „Was ist, wenn ich gewinne?“

Howard geht ein enormes finanzielles Risiko ein, und sein Glück hängt von einer Reihe von Ereignissen ab, die zu seinen Gunsten wirken sollten, auch wenn im Verlauf des Films ein minimales Missgeschick eine unglaubliche Katastrophe auslösen kann. Und wie es zu vermuten war, wendet sich das Blatt, und die Dinge laufen für Howard nicht mehr nach Plan…

Wie entsteht eigentlich Spielsucht?

Solange man nicht spielsüchtig ist, kann vorab nicht festgestellt werden, ob man hierfür eine Veranlagung hat oder nicht. Die ausschließliche Beschäftigung mit Glücksspiel wird von der Weltgesundheitsorganisation als eklatante Verhaltensstörung eingestuft. Aber was löst sie aus?

In Grunde genommen gilt: Jeder kann süchtig werden, jedoch für manche Mitmenschen besteht ein höheres Risiko in die Sucht abzugleiten. Das Spielsuchtverhalten beginnt damit, dass höhere Einsätze auf Spiele getätigt werden, als vernünftig und leistbar ist. Der Spieler geht also Risiken ein, die nicht mehr abgeschätzt können und gerät bald in vollkommene psychische Abhängigkeit.

Da das Gefühl des Gewinnens zumeist mit Euphorie und Glücksgefühlen verbunden ist, versuchen die Spielsüchtigen, immer öfter und immer mehr zu gewinnen. Dies führt dazu, dass die Einsätze immer höher werden und die Gewinnrisiken gesteigert werden, was nicht immer zu besseren Gewinnchancen führt.

Das Ergebnis dieses Spielverhaltens ist eine dramatische Veränderung in unserem Gehirn, und zwar betrifft dies die Ausschüttung von chemischen Botschaften, die versendet werden. Bei jedem Menschen besteht rein theoretisch die Möglichkeit, dass diese umprogrammierbare Funktion in unserem Gehirn anschlägt, aber bei manchen Menschen spielen genetische, soziale und psychologische Veranlagungen eine Rolle dabei, dass sie immer weiter in den Strudel der Sucht absinken.

Wie sich unser Gehirn beim Spiel verändert

Unser Gehirn verfügt über ein sogenanntes Belohnungssystem, das mit den Motivations- und Lustzentren eng verbunden ist. Belohnende Erfahrungen (wie beispielsweise: Sex, Komplimente, positives Erledigung von Aufgaben, Gewinne im Spiel, …) veranlassen das Gehirn, chemische Botschaften über Neurotransmitter zu versenden.

Dopamin ist der wichtigste Neurotransmitter in diesem Belohnungssystem. Jedes Mal, wenn wir etwas Erfreuliches geschafft haben, wird dieser Botenstoff freigesetzt und lässt bei uns euphorische Gefühle wach werden.

Und in „Der Schwarze Diamant“ können wir genau beobachten wie Howard in herkömmlichen Leben ziemlich selbstbewusst wirkt, und dass er es eigentlich gar nicht notwendig hätte, so viele Wetten zu platzieren. Aber dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass er sich direkt danach sehnt, endlich wieder die Lust am Gewinnen zu verspüren. Und genau dieses Streben und die damit verbundenen Anstrengungen, die er unternimmt, um wieder gewinnen zu können, machen das ganze Unterfangen extrem gefährlich.

Aus der Medizin ist bekannt, dass mache Medikamente bis zum 10-fachen des Normalwertes von Dopamin freisetzen können. Und Glücksspiel hat genau den gleichen Effekt.

Veranlagung und Genetik

Viele Menschen werden von Aktivitäten, die die meisten von uns als euphorisierend betrachten, bei weitem nicht so stimuliert. Dies wird vor allem durch ein geringer ausgeprägtes Belohnungssystem des Gehirns oder eine geringere Aktivierung des präfrontalen Kortex verursacht.

Howard scheint in dem Film ein inhärentes Bedürfnis nach höheren Einsätzen und riskanteren Wetten zu haben, obwohl es ihm finanziell nicht schlecht geht. Für ihn scheint es mehr um den Nervenkitzel zu gehen als um die zu gewinnenden Geldbeträge, aber vielleicht geht es ihm sogar um noch mehr.

Wie bei jedem anderen Suchtverhalten wird auch hier vom Spieler eine gewisse innere Toleranz aufgebaut, die zu einer steten Risikoerhöhung führt, da der Spieler schnell erkennt, dass ein höheres Risiko erhöhte Euphorie und die damit zusammenhängenden positiven Gefühle verursacht. Der Spieler trifft dann Entscheidungen, bei denen eine durchschnittliche Person oder ein disziplinierter Spieler tief durchatmen müsste. Und genau dieses Verhalten verstärkt sich vor allem durch die oftmaligen, immer wiederkehrenden Wiederholungen, denn jeder einzelne Wette muss dann zwangsläufig, um den erwünschten „Kick“ zu bekommen, zunehmend riskanter werden.

Dieser Film unterhält, aber wie steht es um die Wirklichkeit?

Die Regisseure dieser Streifens taten alles, um den Zuschauer die Tiefen, Abgründe, Ängste und Stresssituationen aufzuzeigen, von denen spielsüchtigen Menschen befallen sind. Der Film ist in einigen Sequenzen so bedrückend, dass einige Zuseher nach dem Kinobesuch sich tief betroffen zeigten.

Wer nachfühlen will, wie es ist, das riskante Leben eines Spielsüchtigen zu führen, der einfach nicht zu wissen scheint, wo die Grenzen der Vernunft liegen, sollte sich „Der schwarze Diamant“ ansehen.

Bild: (c) Netflix / A24