Website-Icon Film plus Kritik – Online-Magazin für Film, Kino & TV

„You“ – Staffel 3: Serienkritik

Es ist beunruhigend, wie viel heutzutage per Mausklick, beispielsweise mithilfe der Social Media Profile, über eine Person herausgefunden werden kann. Besonders, wenn diese Profile öffentlich zugänglich sind. Die perfekten Voraussetzungen für Cyber-Stalking. Doch was, wenn man hier noch eine Schippe draufsetzt? „You- Du wirst mich lieben“ macht genau das. In den 3 Staffeln, die bisher auf Netflix erschienen sind, wird die Geschichte eines Mannes erzählt, dessen Obsessionen mit Frauen ihn nicht nur zum Stalker allererster Güte machen, sondern auch weit brutalere Seiten an ihm zum Vorschein bringen.

von Lena Wasserburger

Als Netflix die erste Staffel von „You“ veröffentlichte, war das bereits der zweite Anlauf für die Serie. Die Show hätte eigentlich schon 2015 auf dem Sender Showtime laufen sollen. Daraus wurde allerdings nichts… bis Netflix die Serie 2018 übernahm. Mit Erfolg, denn „You“ schlug ein wie eine Bombe. Es dauerte nicht lange, bis eine zweite Staffel angekündigt wurde, dann eine dritte und letztendlich auch eine vierte Staffel.

Achtung: Ab hier folgen Spoiler für die dritte Staffel!

Staffel 3 der Thriller-Serie knüpft nahtlos an das Ende der zweiten Staffel an. Mörder-Pärchen Joe Goldberg (Penn Badgley) und Love Quinn-Goldberg (Victoria Pedretti) sind frisch verheiratet und ziehen nach der Geburt des gemeinsamen Kindes in den San Francisco-Vorort „Madre Linda“. Die so schick und brav wirkende Community ist allerdings nicht so perfekt, wie sie zunächst scheint und es dauert nicht lange, bis sich die blutige Spur der Goldbergs und ihrer Geheimnisse durch den ganzen Ort zieht.

In den ersten beiden Staffeln war der Kern der Handlung mehr oder weniger derselbe. Joe erblickt eine junge Frau und „Boom!“. Da ist sie: Die Eine. Um die Frau seiner Begierde zu „erobern“, kennt Joe keine Grenzen. Er stalkt, spioniert, manipuliert und, wenn er sich bedroht sieht, ermordet er, wer auch immer ihm im Weg steht. Auch in der dritten Staffel spielt Joes Besessenheit mit bestimmten Frauen eine Rolle, wenn auch zunächst nur eine untergeordnete. Vielmehr geht es gerade in der ersten Hälfte der Staffel um das neue Leben, als Vater und Ehemann, in dem sich Joe (widerwillig) wiederfindet und, vor allem, dreht sich die Handlung um Joes Beziehung zu seiner Frau Love. Denn auf einmal sieht sich Joe mit einer Frau konfrontiert, die ihm in beinahe jeder Hinsicht ebenbürtig ist und das gilt auch für seine mörderischen Tendenzen. Was den Charakter „Joe“ seit Beginn der Serie ausmacht, ist die Tatsache, dass, obwohl Joe alles andere als ein guter Mensch ist, es manchmal schwierig ist, ihn als Antagonisten zu sehen. Penn Badgley, der selbst offen zugab, Joe nicht ausstehen zu können, spielt seine Rolle nämlich trotzdem so charmant, klug und ergreifend, dass man fast glauben könnte, Joe wäre einer von den Guten, wenn er nicht links und rechts Menschen töten oder die Opfer seiner Frau im Wald vergraben würde. Umso beeindruckender ist es, dass Victoria Pedretti als Love mit ihrer Performance Badgley in dieser Staffel regelrecht den Rang abläuft. Zwar ist Joe nach wie vor der Hauptcharakter der Show, immerhin führt er als Erzähler mit seinen Voice-Overs durchs Geschehen, und das bissiger und humorvoller als in den beiden Staffeln zuvor, aber dennoch muss er sich das Scheinwerferlicht dieses Mal mit Love teilen.

In Sachen Handlungstempo liegen Meilen zwischen den ersten beiden Staffel und Staffel 3. Während gerade Staffel Nummer 1 eine Weile zu brauchen schien, um Spannung aufzubauen und „in die Gänge zu kommen“, hält man sich in Staffel 3 nicht länger als nötig mit den verschiedenen Handlungssträngen auf. Zwar schafften es die vergangenen Staffeln durchaus, gerade in den letzten Folgen, spannend zu bleiben, doch etwaiges „Fillermaterial“ ließ die Handlung dann doch stellenweise an Tempo verlieren.

Ihrem ursprünglichen Ton ist die Serie nach wie vor treu geblieben. Man geht düsteren Themen auf den Grund und taucht in die dunklen Tiefen der Charaktereigenschaften, die sich Joe und Love (… und einige andere Charaktere) teilen, ab. Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied: Die Serie nimmt sich selbst nicht mehr so ernst, wie noch in Staffel 1. Hier und da werden Witze auf eigene Kosten gemacht und man hat das Gefühl, dass die Show direkt darauf abzielt, in den sozialen Medien mit ihrer Gesellschafts- und Selbstkritik ordentlich Wirbel zu machen.

Die Story hat an manchen Ecken durchaus ihre Schwächen. So kann man der Serie vorwerfen, an einigen Stellen einfach nur „schocken“ zu wollen, mit Plot Twists, die brutal und auch verstörend sind, aber nicht unbedingt notwendig. Dennoch, wenn man die Serie für etwas loben kann, dann dafür, dass sie vor nichts zurückschreckt, auch nicht vor dem Zorn gewisser Personengruppen. So übt sich beispielsweise eine ganze Episode der Staffel in Kritik an Impfgegnern.

Technisch gesehen macht „You-Staffel 3“ nicht direkt etwas falsch, allerdings heißt das auch, dass diese Staffel, ähnlich wie ihre Vorgänger, in dieser Hinsicht nicht wirklich heraussticht. Alleine Folge 3 der neuen Staffel bildet hier eine Ausnahme. In dieser Episode hat Joe mit Fieberträumen zu kämpfen, nachdem er sich mit den Masern angesteckt hat. Joes Realität und Träume verschwimmen in einem Mix aus kreativen Übergängen und Winkeln und die Bilder sind so ein erfrischender Kontrast zum Rest der Staffel, deren Kinematographie für das Auge zwar durchaus ansprechend, aber doch eher nüchtern und simpel ist. „You“ sieht eben aus, wie die meisten Thriller-Serien es tun. Ähnliches gilt übrigens auch für den Soundtrack, der besteht nämlich überwiegend aus aktuellen „catchy“ Pop-Songs. Das Inkludieren von Interpreten wie Taylor Swift oder Doja Cat, die ohnehin gerade ein Hoch erleben, hat der Popularität von „You- Staffel 3“, gerade in den sozialen Medien, trotzdem sicher nicht geschadet.

Fazit

„You- Du wirst mich lieben“ vereint hohe Schauspielkunst mit einer spannenden Atmosphäre und einer Story, die Mystery-Thriller-Elemente mit schwarzem Humor mischt. Mit dem „Schock-Value“ wird allerdings zeitweise übertrieben. und Zwar bedient sich die Serie des einen oder anderen bereits früher genutzten Handlungsstrangs, aber wenn man dem Trailer für die 4. Staffel glauben darf, so scheint es, als könne man hier in der nahen Zukunft möglicherweise noch mit einigen Überraschungen rechnen.

Bewertung

Bewertung: 9 von 10.

(85/100)

Bild: (c) Netflix

Die mobile Version verlassen