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„Joe Bell“ – Kritik zum Heimkino-Start + Gewinnspiel

In diesem, auf wahren Begebenheiten basierenden Film begibt sich ein Vater für seinen schwulen Sohn auf eine Wanderung quer durch die USA, um die Menschen über die Gefahren von Mobbing und Homophobie aufzuklären.

von Christoph Brodnjak

Familienvater Joe Bell (Mark Wahlberg) ist der Inbegriff (amerikanischer) Männlichkeit; er trinkt Bier, schaut gerne Football, ist oftmals laut, aggressiv und davon überzeugt, dass man sich immer zur Wehr setzen sollte. Dass sein Teenager-Sohn Jadin (Reid Miller) schwul ist, stört ihn an sich weniger als die Tatsache, dass dieser sich kaum gegen seine Peiniger in der Schule auflehnt. Und dass er sein Cheerleader-Training unbedingt vor dem Haus und nicht im blicksicheren Hintergarten betreibt, muss seiner Meinung nach auch nicht unbedingt sein.

Um schließlich selbst ein Zeichen gegen Mobbing und Homophobie zu setzen, macht er sich auf den Weg quer durch die USA, um mit jedem den er trifft über das Schicksal seines Sohns zu sprechen. Zuhause rennt es derweil alles andere als glatt. Es stellt sich die Frage, ob er diese Anstrengungen wirklich, wie er immer wieder betont, nur für seinen Sohn unternimmt oder ob es ihm dabei doch um ihn selbst geht? Wer einen Blick auf den Filmtitel wirft, weiß die Antwort bereits.

Im Grunde ist „Joe Bell“ ein Roadmovie. Ein Mann quert zu Fuß die gesamten United States und trifft die verschiedensten Menschen, die seinen weiteren Weg und Werdegang beeinflussen. Durchsetzt ist das Werk zusätzlich noch mit allerlei Rückblenden, die das Publikum über das Familienleben und Jadins Probleme, respektive Schicksalsschläge aufklären. Auch über die sehr unebene Beziehung zu seinem Vater. Es ist ein Film über wichtige und komplexe soziale Probleme, im Herzen des ruralen Amerikas –  so zumindest die Theorie.

In der Praxis wirkt das Ganze jedoch einfach nur halbherzig und halbgar. Die erste große Rede gegen Mobbing, die Joe Bell in einer Schule hält, dauert sage und schreibe ganze zehn Sekunden. Auch scheint der Fokus seiner Reden viel eher auf dem Phänomen Mobbing zu liegen, als wirklich konkret auf der Benennung der Aversion gegen gleichgeschlechtliche Liebe. Man wird das Gefühl nicht ganz los, als wären alle Beteiligten nicht wirklich bei der Sache und gingen nur die Bewegungen durch. Wichtige Thematiken werden angesprochen, aber auf die oberflächlichste, handzahmste und plumpste Weise, wie man sie schon vor Jahren in anderen, besseren Filmen gesehen hat. So verstecken beispielsweise die anderen Schüler aus der Feindlich heraus eine Schlange in Jadins Spind. Also alles was recht ist. Die plakative und unsubtile Art, in der diese Themen erörtert werden, erinnern z.B. an „Promising Young Woman, der das Ganze aber zumindest mit einem gewissen Augenzwinkern vermittelt. Es ist fast nicht zu glauben, dass dieser Film aus derselben Feder stammt wie „Brokeback Mountain“, dem Paradebeispiel eines effektiven Schwulendramas.

Auch als Roadmovie taugt der Film letztlich nicht unbedingt viel. In der ersten Einstellung erinnert er durch seine Farbgebung und sein extrem breites Bildformat noch an klassische Genrefilme oder gar einen Western. Doch dieses Gefühl verschwindet schnell. Joe Bell ist zwar unterwegs und trifft auch ab und zu neue Menschen, aber keiner davon scheint irgendeinen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ein Fazit, welches auch für den gesamten Film gelten mag. Von dem einen Twist, der einen an den Kopf greifen lässt, einmal abgesehen.

Fazit

Im Grunde handelt es sich bei „Joe Bell“ um eine harmlose, wenn auch abgedroschene Behandlung sozialer Themen und Problematiken. Dass sich der titelgebende Vater schlussendlich den Vorwurf macht, dass es ihm mehr um sich selbst als seinen Sohn geht, wirkt geradezu ironisch, drängt doch selbst der Film und sogar der Titel den Sohn die meiste Zeit auf die Seitenlinien. Lieb gemeint, aber auch nix, was man so noch nicht schon mal woanders gesehen hat. Ab dem 10.12.2021 auf BluRay und DVD erhältlich!

Bewertung

Bewertung: 4 von 10.

(35/100)

Bilder: ©LEONINE Distribution GmbH

Wer sich ein eigenes Bild vom Film machen möchte, kann bei unserem Gewinnspiel je eine BluRay und eine DVD von „Joe Bell“ gewinnen. Sendet dazu einfach eine Mail mit dem Betreff „JOE“ und eurer vollständigen Adresse an filmpluskritik@web.de. Das Verlosungsmaterial wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt und wird nach Beendigung des Gewinnspiels (17. Dezember 2021, 23:59 Uhr) an euch versendet. Ihr erhaltet eine separate Gewinnbenachrichtigung. Wir wünschen allen Teilnehmern viel Glück!

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