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Die besten Filme 2021: Die Film plus Kritik – Jahrescharts

Macht es Sinn, eine Film-Bestenliste zu erstellen in einem Jahr, in dem die Kinos die Hälfte der Zeit zu hatten, in dem sich die Veröffentlichungsstruktur weiter fragmentierte und wo es immer schwieriger ist, zu verfolgen, was wann und wo erscheint? Wir wissen es auch nicht, und diese Voraussetzungen schlagen sich auch in unserer finalen „Abrechnung“ nieder, indem es weit weniger Gemeinsamkeiten gibt als in „normalen“ Jahren, indem viele Redakteur/innen ihre persönlichen Favoriten haben, die bei anderen nicht aufscheinen und es kaum Werke gibt, auf die sich alle einigen können. Insofern sind die Redaktionscharts von vielleicht noch größerer Bedeutung, die jeweiligen TOP 15-Listen aller Film plus Kritik Autor/innen: Sie erscheinen in den kommenden Tagen an dieser Stelle.

Bis dahin präsentieren wir euch trotzdem und trotz aller Fragezeichen und Ungewissheiten unsere TOP 10 des Jahres 2021. Gezählt wurde im gewohnten Modus: Unsere 8 aktuellen Kritiker/innen erstellten jeweils Listen mit ihren 15 Lieblingsfilmen des Jahres 2021 (sie mussten regulären Kinostart, Streamingstart oder Heimkino-VÖ haben). Erstmals dazugenommen haben wir auch Serien(staffeln), die 2021 neu erschienen. Den Werken wurden Punkte zugeteilt (Platz 1: 15 Pkt., Platz 15: 1 Pkt.), die Punkte wurden addiert – und so ergibt sich die finale Reihung. Viel Spaß beim Lesen!

Platz 10:

„Luca“ – 16 Pkt.

Der Disney Pixar Animationsfilm „Luca“ erzählt die bezaubernde Geschichte eines Jungen, der einen unvergesslichen Sommer in einer kleinen, malerischen Stadt an der italienischen Riviera verbringt, zusammen mit seinem neuen Freund Alberto. Ihre Tage voller Eiscreme, Pasta und Träumen von Vespa-Fahrten werden jedoch von einem tief verborgenen Geheimnis überschattet: Luca und Alberto sind Seemonster aus einer anderen Welt, die sich direkt unter der Wasseroberfläche befindet. Regie führte Enrico Casarosa, der für seinen Kurzfilm „La Luna“ für den Oscar® nominiert war. (Disney)

und

„Malcolm & Marie“ – 16 Pkt.

Inmitten seiner entfärbten Ästhetik erzählt „Malcolm & Marie“ von alltäglichen Beziehungsproblemen bishin zu emotionalem Missbrauch und entwickelt sich zu einem überragend dargebotenen Kammerspiel, das zeitweise unerbittlich schmerzt. Gegen Ende dann leider zu repetitiv, insgesamt aber eine beeindruckende tour de force, an der sich zukünftige Filme in 2021 messen lassen müssen. (cb)

Platz 9:

„WandaVision“ (1) – 17 Pkt.

„WandaVision“ versucht den Spagat zwischen traditionellem Fan-Service und einer frischen, gewagteren Ausrichtung. Die Liebe zum Vorangegangenen wird schon im Set-Design spürbar und wird es wird zunehmend schwerer bis unmöglich diesen Glanzmoment des MCU nicht zumindest sympathisch zu finden. Die erste Staffel der Show ist eine erschreckend gute und humorvolle Alternative auf dem Serien-Markt und man darf gespannt sein, ob die anderen angekündigten Marvel-Serien dieses Niveau halten werden oder ob sie dann doch wieder in das allzu altbewährte Muster zurückfallen werden, wie es leider auch in den letzten Folgen von „WandaVision“ passiert. Die Dominanz auch auf dem Serienmarkt ist für Disney aber ein Stück näher gerückt. (mo) Ganze Kritik

Platz 8:

„Die Ausgrabung“ – 18 Pkt.

Gerade die langen Einstellungen, die dem Geschehen genügend Zeit geben, sich zu entfalten, die wundervollen Landschaftsaufnahmen, die pointierten Dialoge, das alles fühlt sich, in einer Filmwelt, die immer mehr von Schnittgewittern dominiert zu sein scheint, erfreulich nach alter Schule an. So ist am Ende ein Film herausgekommen, der es ein wenig an der nötigen Charakterisierung fehlen lässt, der dafür aber durch seine außergewöhnliche Geschichte, seine ruhige Inszenierung und seine hervorragenden Schauspieler zu begeistern weiß. (mh) Ganze Kritik

und

„The Power of the Dog“ – 18 Pkt.

„The Power of the Dog“ ist ein fordernder Film, der seinen vielschichtigen Kern hinter atemberaubenden Bildern und etlichen kleinen Gesten nahezu versteckt. Jane Campion arbeitet subtil zwischen den Zeilen, um ein grandioses, zu tiefst ergreifendes Drama zu erschaffen, das auf ganz eigene Weise vom Gefangensein in ländlicher Freiheit erzählt. (me) Ganze Kritik

(c) Netflix

Platz 7:

„Annette“ – 19 Pkt.

„Annette“ erweckt oft den Eindruck eines grotesken Fiebertraums, eines furchteinflößenden Märchens und magischen Musicals. Das metaphorische Autorenwerk entzieht sich dazu noch jeglichen Gesetze und Genregrenzen. Getragen von einem fantastischen Adam Driver und einer großartigen Marion Cotillard, ist „Annette“ fast schon ein cineastisches Wunder. Ein Film, an dem sich die Geister scheiden werden, der aber ziemlich sicher niemanden kalt lassen wird. (me) Ganze Kritik

und

„Titane“ – 19 Pkt.

Schockierend schonungslos, dabei radikal mutig. „Titane“ liefert eine bemerkenswerte Bildsprache, die von Farben, Kontrasten und dem Soundtrack oft auf den Punkt genau akzentuiert wird. Agathe Roussell und Vincent Lindon spielen ihre Figuren dabei unglaublich nuanciert und machen „Titane“ zu einem der außergewöhnlichsten Filme über Liebe und Familie. (me) Ganze Kritik

und

„Bad luck banging or loony porn“ – 19 Pkt.

Der Berlinale-Wettbewerbsgewinner ist ein kreativer, kluger und unterhaltsamer Exkurs über Moral(verfall), Anstand und die Probleme einer zerfallenden, verunsicherten Gesellschaft, die verlernt hat, miteinander zu kommunizieren, sich auf Augenhöhe und mit Respekt zu begegnen – und zu vergeben. Es ist beißende Sozial- und Kulturkritik, die speziell an der rumänischen Gesellschaft Anstoß nimmt, aber universell gültig ist und trotz oder gerade wegen der heiteren Herangehensweise im Kopf bleibt. (ck) Ganze Kritik

Platz 6:

„Don’t look up“ – 20 Pkt.

Adam McKay öffnet sich in „Don’t look up“ noch mehr als in seinen letzten Filmen dem leichter zugänglichen und zugleich tiefschwarzen Humor. In der ausgiebigen Spielzeit wirft er einen zeitgenössischen und doch eigenen Blick auf das Weltgeschehen, ätzt von Zynismus durchzogen gegen Medien und Politik, mahnt, appelliert und tut das alles auf emotional durchschlagende Weise. (cb) Ganze Kritik

und

„Free Guy“ – 20 Pkt.

Wenngleich sich der Film also gerade für Gamer zu einem wahren Fest für die Sinne entwickelt, ist „Free Guy“ entgegen der Vermutung nicht vorrangig ein Film über Videospiele. Vielmehr verbirgt sich hinter der lauten und bunten Welt um Free City eine Geschichte über den Mut und die Neugier, die eigene Komfortzone zu verlassen, die Welt mit anderen Augen zu entdecken und auch ein Film über Liebe, Menschlichkeit und Freundschaft. „Free Guy“ schafft eine großartige Balance und wird damit zu einem spannenden, witzigen und überraschend liebenswürdigen Blockbuster mit Wohlfühlfaktor. (me) Ganze Kritik

Platz 5:

Promising young woman – 21 Pkt.

„Promising young woman“ ist ein in vielen Belangen vielversprechender Film mit einer grandios aufspielenden Carey Mulligan, einem fantastisch ausgewählten Soundtrack und einer intensiven Geschichte, deren Verlauf sich jedoch hinter der verschmierten Fassade zu schnell erahnen lässt. Mehr Harley Quinn als John Wick, thematisch vielschichtig, vielleicht phasenweise ein bisschen zu drüber, durch das perfekte Ende letztlich aber auch ein richtiger Schlag in Fresse. (cb) Ganze Kritik

©Focus Features

Platz 4:

„The Father“ – 29 Pkt.

Die Erkrankung von Anthony Hopkins Charakter wird bei „The Father“in eine eigene filmische Sprache übersetzt. Ästhetik und Handlung verbinden sich und bilden so ein fesselndes Ganzes, das echte Emotionen weckt. Regisseur Florian Zeller hat keinen kitschigen, keinen emotional manipulativen Film gedreht – sondern schlicht den besten Demenz-Film, der jemals auf den Leinwänden zu sehen war. (mo) Ganze Kritik

Platz 3:

„Last Duel“ – 51 Pkt.

Ridley Scott lässt in „The Last Duel“ mittelalterliches Erlebnis- und dramaturgisches Erzählkino auf dem Schlachtfeld aufmarschieren, zerrt mittels Perspektivwechseln an der Wahrheit und kürt schließlich einen überraschenden Sieger: den Zuschauer. Dieser erlebt vielschichtige Charaktere im blutigen Kampf um Ehre und Gerechtigkeit, dazu große Gefühle in noch größeren Bildern und nach kräftezehrenden 2,5 Stunden vor allem brutal starke Unterhaltung. Diese bricht ein ums andere Mal mit der Erwartung, ist aber rein thematisch – trotz Handlungszeitraum im 14. Jahrhundert – aktueller denn je. (cb) Ganze Kritik

Platz 2:

„The Green Knight“ – 58 Pkt.

Regisseur David Lowery entführt seine Zuschauerschaft in „The Green Knight“ in längst vergangene Zeiten, in denen Tugenden wie Mut und Ehre die Welt bedeuteten, gibt sich inszenatorisch gewohnt sperrig und zeigt spezielles Fantasy-Kino für geduldige Erwachsene. Über jeden visuellen Zweifel erhaben sind die dezent bildgewaltigen zwei Stunden majestätisch prunkvoll, intensiv gespielt und ein gelungener Ausflug in die Artuseptik. (cb) Ganze Kritik

Platz 1:

„Dune“ – 74 Pkt.

„Dune“ ist das Kinoereignis des Jahres. Der Film hält, was er versprach. Epische Bilder, gigantische Sets und große Gesten verleihen Villeneuves Vision die erhabene Aura, die einem mythischen Stoff wie diesem angemessen scheint. Man sollte sich den Film auf der größten Leinwand anschauen, die man finden kann. Vor allem im Vergleich zum Buch muss „Dune“ zwar thematische Zugeständnisse an die massentaugliche Ästhetik und Länge des Hollywood-Films machen. Ein zweiter Teil, der hoffentlich gedreht wird, kann aber hier hoffentlich noch nachbessern. (mo) Ganze Kritik

(c) Warner Bros Pictures

Titelbild: (c) Warner Bros Pictures

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