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„Copshop“: Kritik zum Netflix-Hit

Die US-amerikanischen Film-Polizisten der 50er Jahre waren hartgesottene, gerechtigkeitsliebende Männer, die, eine Zigarre zwischen den Lippen, in ihrer Stadt für Recht und Ordnung sorgen wollten. Die Methoden dieser Gesetzeshüter begannen sich im Laufe der Jahre kaum von denen der Gangster zu unterscheiden. In den 70er Jahren traten Polizisten und Detektive, wie Clint Eastwood in „Dirty Harry“ (1971) dann kaum noch als Helden auf. Sie waren gespaltene Figuren mit brutaler Vorgehensweise. Es gab düstere Filme, quälende Psychothriller und blutige, spektakuläre Action-Streifen. Die Filme entwickelten einen eigenen Stil, eine eigene Ästhetik.

von Lena Wasserburger

Von dieser Ästhetik, dieser Nostalgie, (vor allem) der 1970er Jahre, macht auch der Netflix-Film „Copshop“ Gebrauch. Joe Carnahan, der schon bei „Smokin‘ Aces“ (2006) und „Das A-Team“ (2010) Regie führte, inszeniert hier einen Film mit einigen Höhen und Tiefen, der klar auf schnelle Action und spritzige Dialoge setzt.

Trickbetrüger Teddy Murretto (Frank Grillo) ist auf der Flucht vor einem Auftragskiller (Gerard Butler), der auf ihn angesetzt wurde. Um seinem Verfolger zu entkommen, lässt sich Teddy in der US-amerikanischen Kleinstadt Gun Creek von einer jungen Polizistin (Alexis Louder) verhaften. Doch nicht einmal in seiner Zelle ist er sicher.

Der Stil des Filmes ist von Anfang an klar definiert, zum Beispiel durch den rockigen Soundtrack und die Schriftart des Titels, der im Vorspann das ganze Bild einnimmt. Die Charaktere wirken dynamisch, von Beginn an hat jeder immer wieder mal einen frechen Spruch auf den Lippen und der (manchmal schwarze) Humor funktioniert auch. Der Film macht einen guten Job darin, Fragen aufzuwerfen. In der ersten Hälfte der Geschichte werden gleich einige Rätsel auf einmal aufgebaut, die Spannung steigt mit jeder neuen Interaktion der Figuren und jedem absichtlich verdächtig platzierten Schnitt.

Seinen vorzeitigen Höhepunkt erreicht der Film mit dem Aufeinandertreffen der beiden Hauptfiguren. Das Hin und Her zwischen Gerard Butler und Frank Grillo ist sicher der unterhaltsamste Teil der Story, so energiegeladen sind die beiden Performances. Das Tempo der Geschichte steigert sich unaufhaltsam und gerade deshalb ist der zweite Teil des Films so enttäuschend. Denn der intelligent aufgebauten Handlung geht zunehmend die Luft aus. Der Action-Anteil des Films nimmt in der zweiten Hälfte zwar um einiges zu, die Szenen sind zu einem großen Teil sehr fesselnd inszeniert und die Oneliner der Charaktere machen immer noch Spaß, doch die interessanten Fragen, die zuvor gestellt wurden, bleiben auch noch nach den Schießereien unbeantwortet. Was schade ist, denn die Geschichte hatte zu Beginn einiges an Potential. Ebenso sollte erwähnt werden, dass Gerard Butler, der immerhin eine der Hauptrollen hat, bis zum Schluss viel zu wenig zu tun hat, obwohl es für seine Figur noch viel mehr zu tun gäbe.

Der Film hat ein sehr offenes Ende. Der Moment, in dem endlich alles Sinn macht, der Aha-Moment, in dem sich des Rätsels Lösung plötzlich erschließt, kommt nicht. Dafür bräuchte es wohl ein Sequel und die letzten Szenen scheinen auch darauf hindeuten zu wollen, dass diese Geschichte noch nicht zu Ende ist. Doch angesichts der Tatsache, dass noch kein grünes Licht für „Copshop“ 2 in Sicht ist, ist die Entscheidung, in „Copshop“ so gut wie alle Fragen unbeantwortet zu lassen doch ein wenig dreist.

Fazit

Ein Polizeifilm mit guter Action ist „Copshop“ allemal. Die Dialoge des Films, die Atmosphäre und die schauspielerischen Leistungen funktionieren in Kombination einwandfrei und machen beim Zuschauen Spaß. Schade nur, dass der Film, der zuerst so gut angefangen hat, in der Halbzeit so stark nachlässt und damit eine Menge Potential ungenutzt liegen lässt.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(58/100)

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Bilder: (c) Netflix

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